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Formel 1

Formel 1, Hamilton froh über Rennende: Körperlich völlig fertig

Nach dem Ungarn GP fühlte sich Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton körperlich unwohl. Grund sind offenbar die Folgen seiner Covid-Erkrankung.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Der Ungarn GP der Formel-1-Saison 2021 hatte es für Lewis Hamilton in sich. Der Weltmeister startete von der Pole Position und verteidigte am Start auf nasser Piste die Führung. Der Brite fiel nach dem Restart, der auf eine Rennunterbrechung wegen einer Startkollision folgte, auf den 14. Platz zurück und arbeitete später auf Platz drei nach vorne. Den Hungaroring verlässt er aber als neuer Führender in der Gesamtwertung. Nach dem Grand Prix war Hamilton erschöpft und suchte zunächst den Mercedes-Teamarzt auf und verpasste den Beginn der obligatorischen Pressekonferenz.

"Ich bin okay", gab er zunächst Entwarnung. "Mir ist richtig schwindelig und ich habe auf dem Podium etwas verschwommen gesehen. Ich kämpfe das ganze Jahr damit, gesund zu bleiben, nachdem, was Ende des vergangenen Jahrs passiert ist. Es ist immer noch ein Kampf." Hamilton war 2020 vor dem Sakhir GP positiv auf Covid-19 getestet worden und musste das Rennen auslassen. Beim Comeback in Abu Dhabi war er sichtlich von den Folgen der Infektion gezeichnet.

Ob es bei den Beschwerden um Long-Covid-Erscheinungen handelt, weiß der Brite nicht. "Ich habe mit niemandem speziell darüber gesprochen. Ich weiß, wie ich die Krankheit hatte. Seitdem ist das Training anders. Das Level der Ermüdung ist anders. Es ist eine echte Herausforderung. Ich versuche, zu trainieren und mich bestmöglich vorzubereiten. Wer weiß, was es heute ist. Vielleicht bin ich dehydriert. Ich hatte etwas Ähnliches in Silverstone. Aber das ist viel schlimmer."

Im Rennen ließ sich der 36-Jährige davon aber wenig anmerken, auf der Strecke kämpfte er sich nach dem Rückschlag beim Restart nach vorne: Nach der rund 25-minütigen Rennunterbrechung war die Strecke so weit abgetrocknet, dass die Fahrer Trockenreifen nutzen konnten. Alle im Rennen verbliebenen Piloten fuhren am Ende der Einführungsrunde in die Boxengasse, um ihre Reifen wechseln zu lassen. Nur Hamilton nicht. Er war beim Restart der einzige Pilot auf dem Grid, kam eine Runde später zum Boxenstopp und fiel damit ans Ende des Feldes zurück.

Mercedes macht Strategiefehler

"Wir sind auf Intermediates gestartet. Auf der Informationsrunde habe ich dem Team gesagt, dass die Strecke in allen Kurven trocken war. Aber die Jungs meinten, ich soll draußen bleiben", sagte er auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Ich dachte, sie hätten andere Informationen. Aber das war definitiv ein Fehler."

Auf seiner Aufholjagd legte Hamilton früh seinen zweiten Boxenstopp ein, da er auf Platz elf feststeckte. So konnte er in freier Luft den Vorteil seiner neuen Reifen ausnutzen. Der siebenfache Weltmeister kam auf die vierte Position nach vorne. Wegen seines frühen Reifenwechsels, Sieger Esteban Ocon kam 18 Runden später in die Box, musste er einen weiteren Stopp einlegen, der ihn auf die fünfte Position zurückwarf.

Hamilton glaubt Wolffs Sieg-Vision nicht

Zu Beginn des letzten Stints holte der Pole-Mann bis zu drei Sekunden auf die Spitze auf. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff seinem seines Schützlings noch Chancen auf den Sieg aus und meldete sich via Funk bei Hamilton. Der glaubte aber nicht mehr an den Erfolg und sagte nach dem Rennen: "Ich will später auch das rauchen, was er raucht!"

Hamiltons Aufholjagd wurde schließlich dadurch erschwert, dass er mehrere Runden lang nicht an Fernando Alonso vorbeikam. Nach mehreren Überholversuchen übernahm er den vierten Platz des Spaniers. "Es war ein großartiger Kampf. Wir waren mindestens einmal wortwörtlich Rad an Rad. Ich wünschte, die Autos könnten dichter aufeinander folgen. Es ist eine schwierige Strecke zum Überholen und im letzten Sektor dranzubleiben." Das Duell gegen Carlos Sainz war schneller entschieden. Vier Runden vor Rennende überholt Hamilton den Ferrari-Fahrer.

Hamilton froh über Rennende

"Es war ein schwieriger Tag. Ich habe bis zur letzten Runde alles gegeben. Ich hatte gehofft, die Jungs vorne noch einzuholen. Hätten vielleicht noch eine Chance in ein paar Runden gehabt. Aber ich bin froh, dass das Rennen nicht länger dauerte", sagte Hamilton. "Das Team hat mit der Strategie und den Boxenstopps einen guten Job gemacht und ich musste es umsetzen."

Hamilton hat nun mit 192 Punkten wieder die Führung in der WM-Wertung vor Max Verstappen (186 Punkte) übernommen. Der Niederländer war durch die Startkollision beeinträchtigt und wurde Zehnter. Zuletzt lag der 36-Jährige nach dem Spanien GP im Gesamtklassement vorne. "Wir sind dieses Wochenende hierhergekommen und wussten nicht, wie es laufen würde. Unter den heutigen Umständen nehme ich die Führung gerne mit. Es war definitiv hart. Wir haben es uns selbst schwer gemacht", fasste er den Rennsonntag zusammen.


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