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Formel 1, Norris sauer wegen Strafe: Dummer Perez-Move!

Lando Norris fährt beim Österreich-GP wie 2020 auf das Podium. Über P3 kann sich der McLaren-Fahrer nicht ganz freuen. Strafe nach Perez-Duell stinkt ihm.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Lando Norris hat das Wunder wiederholt: Beim Großen Preis von Österreich 2021 pilotierte der Brite seinen McLaren wie schon im Vorjahr auf das Podium. Über seinen dritten Platz in Spielberg kann sich der von P2 in das Formel-1-Rennen auf dem Red Bull Ring gestartete Youngster allerdings nicht uneingeschränkt freuen - obwohl er das Treppchen trotz einer Strafe und im direkten Duell gegen Mercedes und Red Bull verdient herausfuhr. Der Grund: Norris fühlt sich mit der Strafe unfair behandelt und um ein noch besseres Ergebnis betrogen.

Diesem Ärger verlieht Norris bereits während des Rennens Ausdruck. "Was hat der Typ auch erwartet, wenn er außenherum fährt?", antworte der Brite am Boxenfunk auf die Information seines Renningenieurs, er habe eine Zeitstrafe von fünf Sekunden für ein Duell mit Sergio Perez zu Rennbeginn kassiert.

Formel 1 Spielberg: Perez geht Risiko gegen Norris

Was war genau passiert? Nach dem fliegenden Re-Start in Runde vier versuchte Perez Norris in Kurve vier über die Außenbahn vom zweiten Platz zu verdrängen. Der McLaren und der Red Bull kamen sich bedrohlich nahe, letztlich ging Perez in der ultraschnellen Rechtskurve links der Platz aus. Der Mexikaner rodelte durch das Kiesbett und fiel bis an das Ende der Top-10 zurück. Etliche Runden später befanden die Stewards: Norris soll Perez abgedrängt haben. Fünf Sekunden Zeitstrafe und zwei Strafpunkte waren die Folge.

Strafen-Chaos: Gibt es in der Formel 1 zu viele Strafen?: (29:55 Min.)

Die saß Norris bei seinem ersten Boxenstopp ab, was den Briten zu diesem Zeitpunkt den dritten Platz gegen Valtteri Bottas, zeitgleich in der Box, kostete. Zuvor hatte sich Norris 20 Runden lang erfolgreich sogar gegen Lewis Hamilton verteidigt. Den Weltmeister, in einem beschädigten Boliden unterwegs, überholte der Brite rund 20 Runden vor Rennende dann wieder. So lag Norris auf P3-Kurs. Selbst Bottas konnte er dann wieder unter Druck setzen. Den wegen der Strafe verlorenen zweiten Rang gewann er allerdings nicht wieder zurück.

Norris kämpft mit Mercedes: Hätten Zweiter sein sollen!

Genau deshalb ärgerte sich Norris und ordnet dieses Podium ganz unten in der Hitliste seine bisherigen Podestplätze ein. "Wir hätten Zweiter statt Dritter sein sollen. Deshalb war es vielleicht das Schlechteste", sagt Norris. "Ein bisschen enttäuscht bin ich, denn wir hätten Zweiter sein sollen. In Runde eins dachte ich, dass es einfach Racing war. Er wollte außen herum, das war ein bisschen dumm", schimpft Norris auf Perez. "Er ist auch selbst von der Strecke gefahren, ich habe ihn nicht mal angeschubst. Ich bin frustriert, aber ich bin auch happy mit P3, die Pace war gut."

Gerade das Duell auf Augenhöhe mit Mercedes freute Norris. Wegen deren Überlegenheit hatte McLaren vor einer Woche noch freiwillig aufgeben müssen, um nicht das eigene Rennergebnis gegen die eigentliche Konkurrenz von Ferrari und Co zu gefährden. Beim zweiten Rennen in Spielberg erwartete man nahezu eine Wiederholung. Doch es kam anders. "Den ganzen ersten Stint waren beide Mercedes schneller, aber das hatte ich erwartet", sagt Norris zwar. "Aber dass ich ihn [Hamilton] so lang aufhalten konnte, war doch überraschend."

Norris überrascht: Mercedes konnte nicht wegziehen

Genauso überrascht war Norris gegen Rennende, als McLaren ihn plötzlich zur Jagd auf Valtteri Bottas animierte. Viel fehlte auch dabei nicht. "Ich konnte lange mit ihm mithalten, selbst in der Dirty Air. Aber es war nicht genug, um ins DRS zu kommen. Sobald ich nahe an eine Sekunde gekommen bin, habe ich sehr angefangen zu kämpfen", berichtet Norris. "Aber es ist schön zu wissen, dass wir gegen sie fahren können. Das ist vielleicht das erste Rennen seit vielen Jahren gewesen, in dem wir tatsächlich gegen einen Mercedes und einen Red Bull gefahren sind. Hoffentlich können wir das beim nächsten Mal aufrechterhalten!"

Über die Strafe kommt der Brite trotz dieses Lichtblicks einfach nicht hinweg. Für Norris war die Szene vergleichbar mit Max Verstappen gegen Lewis Hamilton am Start in Imola. Dort erhielt Verstappen keine Strafe. Das hätte sich auch Norris in Spielberg für sich gewünscht. "Vielleicht weiß Sergio nicht, dass da draußen ein Kiesbett ist und es bergab geht", stichelt Norris gegen Perez.

Norris: Vielleicht weiß Sergio nicht, dass da ein Kiesbett kommt ...

Für den Briten lag der Fehler klar beim Mexikaner. "So etwas passiert da leicht. Du musst nur in andere Serien wie Formel 2, Formel 3 oder was auch immer schauen, dass man da schnell im Kiesbett landet. "So ist diese Kurve eben. Er ist das Risiko eingegangen und hat sich bei dem Überholmanöver dann nicht so klar bekannt wie er es hätte machen sollen. Deshalb war das nicht mein Fehler. Aber ich gebe die Strafen nicht", schimpft Norris.

Der Schuldzuweisung an Perez gibt unterdessen Red Bulls Teamchef nicht recht, wohl aber der Einschätzung, dass eine Strafe überflüssig war. "Ich hatte kein größeres Problem mit dem Manöver von Lando", sagt Christian Horner bei Sky. "Das war hartes Racing. Das habe ich schon während der Live-Übertragung gesagt. Es war Rad-an-Rad, da dann eine Strafe für zu bekommen ... als dann mit Charles dasselbe geschehen ist, haben sie [die Stewards] sich damit dann keine Wahl gelassen."

Selbst Red Bull sagt: Das war keine Strafe

"Ich habe kein Verständnis für die Strafe, ehrlich gesagt", ergänzt McLaren-Teamchef Andreas Seidl in der Post Race Show der Formel 1. "Es ist der Beginn des Rennens, da ist es eng. Und - in den Worten Michael Masis - du lernst schon als Kartfahrer, dass du im Kies endest, wenn du da hinfährst. Wenn beide Autos Seite an Seite sind, dann ist es keine Strafe."

Durch die zwei Strafpunkte für die Szene wächst Norris' Kontostand hier bereits auf zehn Strafpunkte. Bei deren zwölf werden Formel-1-Fahrer für ein Rennen gesperrt. Glück im Unglück: Noch vor dem nächsten Rennen in Silverstone verjähren für den Briten wieder zwei Strafpunkte. Für den Fall der Fälle hätte McLaren allerdings vorgesorgt. "Zak [Brown, McLaren-CEO] wäre bereit für mich einzuspringen", scherzt Norris. Generell sei er allerdings kein Freund des Strafpunktesystems. Strafpunkte solle man nur für wirklich gefährliche Aktionen erhalten.

Sehr viel erfreulicher sehen da die WM-Punkte aus. Durch 15 Zähler für P3 hält Norris nun bereits bei einem dreistelligen Wert von 101 Punkten. Damit liegt er nur drei Punkte hinter seinem Spielberg-Gegner Perez und neun vor Bottas.


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