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Formel 1

Formel 1, Österreich 2021: Die 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen

Runde acht im WM-Fight Max Verstappen vs. Lewis Hamilton. Strategie-Thriller oder Regenroulette in der Steiermark? Diese Faktoren entscheiden über den Sieg.
von Florian Becker

1. - S wie Startaufstellung

Das achte Rennen der Formel-1-Saison 2021 steht ganz im Zeichen des WM-Kampfes zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton. Der WM-Leader und der Titelverteidiger teilen sich auch in Spielberg die erste Startreihe. Gegen den Niederländer im Red Bull war im Qualifying kein Kraut gewachsen. Hamilton profitierte außerdem davon, dass Teamkollege Valtteri Bottas für einen Fauxpas im Training mit einer Startplatzstrafe belegt wurde.

Der Finne wäre eigentlich neben Verstappen gestartet, doch er muss im Grid drei Plätze weiter hinten Aufstellung nehmen. Dementsprechend bilden McLaren-Pilot Lando Norris und Verstappens Stallgefährte Sergio Perez die zweite Startreihe. Bottas teilt sich Reihe sechs mit Pierre Gasly. Dahinter folgen Charles Leclerc, Fernando Alonso, Lance Stroll und George Russell.

Mit dieser bunt gemischten Konstellation stehen Fahrer aus acht unterschiedlichen Teams in den Top-10. Zu verdanken ist dieser Umstand allerdings auch einer Strafe für Yuki Tsunoda. Der Japaner qualifizierte seinen AlphaTauri als Achter, wurde aufgrund der Behinderung von Bottas allerdings drei Positionen nach hinten versetzt. Dort befindet er sich allerdings in guter Gesellschaft.

Carlos Sainz, Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel scheiterten allesamt am Einzug ins Q3 und haben damit freie Reifenwahl für den Start. Auf den hinteren Plätzen ist ebenfalls für Unterhaltung gesorgt. Esteban Ocon geht nach einem verkorksten Zeittraining nur als 17. ins Rennen. Der Franzose im Alpine sollte deutlich schneller als die direkte Konkurrenz vor ihm sein.

2. - S wie Start

Die erste Kurve auf dem Red Bull Ring ist seit jeher eine der kritischsten im Kalender. Von der Pole Position aus gemessen legt das Feld 245,5 Meter bis zum Nadelöhr zurück, das zu riskanten Manövern einlädt. Einst mit einem gnadenlosen Kiesbett ausgestattet, verleitet die Passage die Piloten heute mit einer mehr als großzügigen Auslaufzone zur Unvernunft. 2017 machte Daniil Kvyat seinem Spitznamen alle Ehre und löste mit einem überambitionierten Manöver eine Massenkarambolage aus.

Geht in der ersten Kurve alles gut, bleibt die Startphase bis zu Turn sechs heiß. Dank der langen Geraden mit viel Windschatten geht in den harten Anbremszonen zu den Kurven drei und vier immer etwas. Turn sechs bietet sich im Pulk ebenfalls noch für Rad-an-Rad-Action an. Danach folgt der schnelle letzte Sektor, in dem sich das Feld in der Regel sortiert. Wer seinen Gegner dann noch nicht geknackt hat, muss wohl oder übel auf die Freigabe des DRS ab Runde drei warten.

3. - S wie Strategie

Mit Verstappen, Hamilton und Bottas starten drei Fahrer aus den Top-10 auf dem Medium-Compound. Neben ihnen gehen sechs Piloten aus der ersten Hälfte des Feldes auf dem Soft-Reifen ins Rennen. Russell darf sich als erster der freien Reifenwahl bedienen, hinter ihm fährt Tsunoda auf Soft los. Ab dem Japaner hat der Rest des Feldes freie Hand bei der Auswahl der Reifenmischung. Pirelli hat für das erste der beiden Rennen in Österreich die Mischungen C2, C3 und C4 ausgewählt.

Die Italiener erwarten für die Renndistanz von 71 Runden eine Einstopp-Strategie. Den Medium- sowie den Soft-Startern wird der Wechsel auf den harten Reifen für einen langen zweiten Stint empfohlen. Aus den tiefen des Mittelfeldes könnte der eine oder andere Pilot den umgekehrten Weg wählen und nach einem langen ersten Stint auf Hard einen Sprint auf dem Soft-Compound hinlegen.

4. - S wie Safety Car

Bernd Mayländer durfte sich am vergangenen Sonntag entspannen, denn der weitläufige Circuit Paul Ricard ließ viel Raum für wilde Aktionen ohne Konsequenzen. Spielberg ist zwar nicht Baku oder Imola, aber es ist auch nicht Le Castellet. Die Kiesbetten und das Zweikampf-freundliche Layout haben in der Vergangenheit mehrfach dafür gesorgt, dass das Safety Car ausrücken musste.

Im vergangenen Jahr sorgten Kollisionen beim Österreich GP für mehrere Neutralisierungen. Dadurch wurde das letzte Drittel des Rennens zu einem nervenaufreibenden Sprint. Die Wahrscheinlichkeit, dass Mayländer am Sonntag eingreifen muss, liegt bei 40 Prozent. Sollte sich die Wetterprognose bewahrheiten, wird ein Einsatz des Safety Cars noch wahrscheinlicher.

5. - S wie Steiermark-Wetter

Der launische Sommer sollte die Formel 1 diese Woche in Spielberg fest im Griff haben, doch bisher ließ Petrus Milde walten. Der sowohl für Freitag als auch für Samstag vorhergesagte Regen kam nicht. In der Vergangenheit sorgte das Wetter in der Region mehrfach für spektakuläre Sessions, wie zum Beispiel das Qualifying im Jahr 2016. Nico Hülkenberg fuhr damals im Force India sensationell in die erste Startreihe.

Sollten die Meteorologen am Sonntag Recht behalten, könnte es im Rennen zur Regenlotterie kommen. Ab Mittag sind Gewitterschauer mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 85 Prozent vorhergesagt. Die Lufttemperatur soll zu dieser Zeit mit 26 Grad Celsius ihren Höchstwert am Renntag erreichen. Die Luftfeuchtigkeit wird mit 49 Prozent beziffert. Hamilton käme das im Kampf gegen Verstappen gelegen: "Vielleicht regnet es ja."

6. - S wie Strecke

Am vergangenen Sonntag belehrte uns der Circuit Paul Ricard eines Besseren. Auch er kann spannende Rennen liefern, doch der Red Bull Ring ist trotz allem nochmal ein anderes Kaliber. Die nur 4,318 km lange Highspeed-Rennstrecke ist ein Klassiker mit Charakter. Die drei Links- und sieben Rechtskurven verlangen den Piloten alles ab und lassen Raum für Action. Drei DRS-Zonen sorgen dafür, dass es garantiert nicht langweilig wird.

Die erste befindet sich zwischen den Kurven eins und drei. Nach der darauffolgenden Haarnadel wartet hinunter zu Turn vier die nächste DRS-Zone. Auf der Start- und Zielgeraden dürfen die Piloten ebenfalls den Heckflügel hochklappen, um sich für die beiden DRS-Zonen auf der ersten Hälfte der Runde in Position zu bringen.

7. - S wie Sieger

Zwischen den WM-Rivalen Verstappen und Hamilton steht es in dieser Saison nach Siegen bisher 3:3. Auch auf dem Red Bull Ring herrscht Gleichstand. Verstappen war 2018 und 2019 in Spielberg erfolgreich. Hamilton stand ebenfalls zwei Mal ganz oben auf dem Treppchen, allerdings bei zwei unterschiedlichen Grands Prix. 2016 triumphierte er nach einem chaotischen Finish gegen Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg im Österreich GP. Im Vorjahr gewann er die erste Ausgabe des Steiermark GP.

Verstappen beim Heimspiel seines Teams zu übertrumpfen, wird allerdings nicht einfach. Red Bull hat mit drei Siegen in den letzten drei Rennen das Momentum klar auf seiner Seite. "Die Analyse von gestern zeigt, dass Red Bull auf der Longrun-Pace eine Viertelsekunde schneller ist als wir. Sie hatten an diesem Wochenende eine hohe Geschwindigkeit auf den Geraden. Ich glaube nicht, dass wir den Speed haben, um Max zu überholen. Wir müssen holen, was möglich ist und werden alles gebe", so Hamilton.

Nach der Erfahrung von Le Castellet will Verstappen sich die Favoritenrolle zumindest teilen. In Frankreich machte ihm Mercedes mit starker Rennpace das Leben schwer: "Es hat bei den Longruns so ausgesehen, als wären wir wieder enger zusammen. Natürlich war gestern ein anderer Tag. Wir werden es sehen, aber ich erwarte, dass es eng und hoffentlich auch ein aufregendes Rennen wird."


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