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Formel 1 Frankreich, 1. Training: Mercedes vorne, Vettel crasht

Mercedes dominiert das 1. Training mit verschärften Heckflügel- und Reifenregeln. Ungewöhnlich viel Action in Paul Ricard, Schumacher und Vettel fliegen ab.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Mercedes ist zurück: Nach zwei schwierigen Wochenenden in Monaco und Baku hat sich der Weltmeister im 1. Freien Training zum Frankreich GP eindrucksvoll zurückgemeldet. Valtteri Bottas fuhr in 1:33,448 Minuten in einer aufregenden Trainingssitzung am schnellsten um den Circuit Paul Ricard in Le Castellet.

Das Ergebnis: Bis auf Sergio Perez fuhren alle Top-Piloten ihre Bestzeiten auf den Soft-Reifen. Nur der Mexikaner konnte sich auf dem roten Pirelli-Pneu nicht verbessern. Nach den Gerüchten der vergangenen Tage über eine Ablösung durch George Russell meldete sich Valtteri Bottas mit einer eindrucksvollen Bestzeit zurück. Mehr als drei Zehntelsekunden brummte er Teamkollege Lewis Hamilton auf.

WM-Leader Max Verstappen klagte über zu wenig Grip auf der Vorderachse und reihte sich mit gut vier Zehntel Rückstand auf Rang drei ein. Sergio Perez beendete die Session sieben Zehntel hinter Bottas auf Rang vier. Beim doppelten Heimspiel landete Esteban Ocon nach seiner Vertragsverlängerung mit Alpine auf Rang fünf vor Daniel Ricciardo im McLaren.

Fernando Alonso bestätigte den guten Alpine-Eindruck mit Rang sieben. Pierre Gasly, Lando Norris und Yuki Tsunoda komplettierten die Top-10. Doppel-Pole-Setter Charles Leclerc landete nur auf Rang elf, Teamkollege Carlos Sainz auf Platz 16. Sebastian Vettel beendete das 1. Training nach einem Abflug auf Platz 15, Mick Schumacher konnte nach technischen Problemen nur Williams-Tester Roy Nissany hinter sich lassen.

Die Zwischenfälle: Ungewöhnlich viel Action auf dem Circuit Paul Ricard. Nach wenigen Sekunden touchierte Mick Schumacher bereits die Streckenbegrenzung. Beim Anbremsen auf Kurve drei verlor er wegen eines Problems mit dem Brake by Wire die Kontrolle, das Heck seines Haas überholte ihn und Schumacher schlug mit der rechten Seite leicht ein. Nachdem er aus eigener Kraft zurück an die Box fahren konnte, musste er dort knapp 30 Minuten warten, ehe er zurück auf die Strecke konnte - die Bremsprobleme waren allerdings noch immer nicht ganz behoben.

Wenig später drehte sich Sebastian Vettel von der Strecke. Der vierfache Formel-1-Weltmeister nahm zu viel Geschwindigkeit mit in Kurve zwölf. In der langgezogenen Rechtskurve verabschiedete sich der Grip an der Hinterachse plötzlich, Vettel drehte sich und schlug rückwärts in die Streckenbegrenzung ein. Der Heckflügel musste beim Unfall dran glauben, möglicherweise bekam auch die Hinterachse etwas ab. Auch er konnte die Garage noch aus einer Kraft aufsuchen, verlor aber rund 30 Minuten Trainingszeit durch die Reparatur.

Yuki Tsunoda machte es etwas unspektakulärer: Er drehte sich beim Schwungholen für eine schnelle Runde in der Zielkurve. Die Power des Honda-V6 überschritt den Grip der aufgepumpten Pirellis.

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Hotspot des 1. Freien Trainings war aber Kurve zwei: Am Ausgang kamen zahlreiche Piloten zu weit neben die Strecke und überfuhren dabei die gelben Wurst-Kerbs. Valtteri Bottas beschädigte sich so nach wenigen Sekunden den Frontflügel. Mercedes beschwerte sich umgehend bei FIA Rennleiter Michael Masi: "Wenn man nur einen Meter neben die Strecke kommt, kostet uns das zehn- oder sogar hunderttausende Dollar." Masi nahm es gelassen: "Das sind die gleichen 50 Millimeter hohen Kerbs wie immer. Aber ich schaue mir das an."

Carlos Sainz drehte sich schon, bevor er über die umstrittenen Kerbs fuhr. Dabei ruinierte er sich seine Reifen nachhaltig. In den Auslaufzonen des Circuit Paul Ricard ist der Asphalt besonders aggressiv, um die Autos bei einem Abflug schneller zum Stehen zu bringen. Dabei wird die Lauffläche der Reifen regelrecht abgeschmirgelt.

Die Technik: Nachdem Mercedes und Ferrari allen Piloten schon in Baku neue Power Units spendierten, kommen an diesem Wochenende die Fahrer mit Honda- und Renault-Power in den Genuss frischer Triebwerke. Einzige Ausnahme ist Yuki Tsunoda. Der Japaner fährt schon seit geraumer Zeit mit Motor Nummer zwei.

Das 1. Freie Training war die erste Session mit verschärften Regeln. Einerseits gelten nun strengere Belastungstests für die Heckflügel, andererseits verhindert eine Technische Direktive nun Tricks beim Reifendruck.


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