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Formel 1

Formel-1-Geschichte: Die größten Dramen vor dem Start

Charles Leclercs Ferrari ging in Monaco schon auf dem Weg in die Startaufstellung kaputt. Damit war er aber in der Formel-1-Geschichte nicht der erste.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Es ist das Desaster schlechthin für einen Formel-1-Piloten: Man bereitet sich tagelang minutiös auf den Sonntag, auf das Rennen, auf den Grand Prix vor - und dann geht das Auto in den letzten Minuten vor dem Start kaputt.

Charles Leclerc kann nach dem Monaco GP der Saison 2021 ein Lied davon singen, nachdem sein Ferrari mit einer kaputten Antriebswelle auf dem Weg in die Startaufstellung verendete. Leclerc ist aber bei weitem nicht der erste, dem das in der Geschichte der Weltmeisterschaft passiert. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf ein paar der größten Dramen vor dem Start.

Monaco 2021: Leclerc-Ferrari erst nicht kaputt, dann doch

Charles Leclerc ist das neueste Opfer in der Reihe, und sicherlich eines der bedauernswertesten. Nach einer eineinhalb Jahre andauernden Pole-Dürre überraschte Leclerc ausgerechnet bei seinem Heim-GP in Monaco mit der ersten Pole des Jahres für eine gebeutelte Scuderia Ferrari, die sich 2021 eigentlich keine Siegchancen ausgerechnet hatten.

Problem nur: Leclerc verunfallte im Qualifying auf seiner letzten Runde schwer. War das Auto für das Rennen hinzubekommen? Ja, waren die Ferrari-Mechaniker nach umfangreichen Checks überzeugt. Auch das Getriebe - ein Tausch hätte eine Strafe bedeutet - hatte den Einschlag überstanden.

Dann aber kam der Sonntag, und nach nur einer halben Sichtungsrunde funkte Leclerc schon an die Box: Auto kaputt. Ferrari hatte zwar die rechte Fahrzeugseite gecheckt, aber die vermeintlich intakte linke übergangen. Die hatte einen Schlag abbekommen, und kaum fuhr das Auto wieder, ging die Antriebswelle kaputt. Statt Heim-Pole und möglichen Sieg musste Leclerc aussteigen und zuschauen.

Silverstone 2020: Motor stoppt Hülkenbergs Sensations-Comeback

Die Formel-1-Saison 2020 war verrückt, und für keinen mehr als Nico Hülkenberg: Eigentlich schon raus aus der Formel 1, bekam der Deutsche eine überraschende Comeback-Chance, als Racing-Point-Pilot Sergio Perez am Donnerstag vor dem Rennen positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Hülkenberg flog über Nacht nach Silverstone, schlug sich ohne jede Test-Zeit und Auto-Erfahrung im Qualifying beachtlich, war nur knapp langsamer als Teamkollege Lance Stroll, hoffte auf mehr. Dann kam der Renntag. Die Mechaniker wollten das Auto anlassen, nichts passierte. Ein Bolzen am Kupplungsgehäuse war gebrochen. Aus Hülkenbergs Sensations-Comeback wurde nichts. Immerhin: In der nächsten Woche durfte er noch einmal ran, fuhr in die Punkte.

Suzuka 2017: Ferraris Desaster-Finale mit unrühmlichem Höhepunkt

2017 kämpfte Ferrari mit Sebastian Vettel zum ersten Mal in der Hybridära gegen Mercedes und Lewis Hamilton um die WM. Zur Saisonmitte war es noch eng, dann nahm das Desaster seinen Lauf. Nicht nur, dass Vettel in Singapur beim Start sich selbst und Teamkollege Kimi Räikkönen aus dem Rennen crashte - in aufeinanderfolgenden Rennen sollten die Ferrari-Piloten dann mit Defekten nicht einmal starten können.

Erst erwischte es beim Malaysia-GP Räikkönen. Auf dem Weg in die Startaufstellung lud seine Batterie nicht. Reparaturversuche auf dem Grid waren erfolglos, das Auto wurde vor dem Start in die Garage geschoben, und konnte schließlich nicht starten.

Verzweifelte Reparatur-Versuche an Räikkönens Ferrari - Foto: Sutton

Nur eine Woche später erwischte es in Japan WM-Challenger Vettel. Kaum fuhr der Ferrari aus der Box, stotterte schon der Motor. Diesmal war eine kaputte Zündkerze schuld, und auch das war auf der Startaufstellung nicht zu beheben. Vettel startete das Rennen zwar, aber es war ein aussichtsloses Unterfangen. Ohne Leistung gab er nach vier Runden auf. Hamilton gewann, damit war die WM für Vettel und Ferrari so gut wie gelaufen.

Verzweifelte Reparatur-Versuche an Vettels Ferrari - Foto: Sutton

Bahrain 2016: Vettels Ferrari sprengt sich auf Formationsrunde

Es war nicht das erste Mal, dass Vettel in seiner Ferrari-Ära noch vor dem Start ein Motor kaputtging. 2016 hatte er sich in Bahrain für Startplatz drei qualifiziert, aber nach zwei Dritteln der Aufwärmrunde detonierte sein Motor ohne Vorankündigung in einer gigantischen weißen Rauchwolke.

Vettels Ferrari gibt in Bahrain 2016 auf - Foto: Sutton

Vettel schaffte es nicht einmal zurück in die Box, musste den rauchenden Ferrari vor der letzten Kurve abstellen und konnte zum ersten Mal in seiner Karriere einen Grand Prix, für den er sich qualifiziert hatte, nicht starten.

Singapur 2014: Rosbergs nicht enden wollende Lenkrad-Tauschs

Deutlich weniger spektakulär erging es Nico Rosberg 2014 in Singapur, als er mit Teamkollege Lewis Hamilton um die WM kämpfte. Als Führender angereist, stand er neben Hamilton in der ersten Startreihe - sollte es zumindest. Doch schon auf den Sichtungsrunden stimmte etwas mit der Elektronik nicht.

Kein Lenkradtausch konnte Nico Rosbergs Mercedes reanimieren - Foto: Sutton

Nach mehreren Installationsrunden und mehreren Lenkrad-Wechseln bog Rosberg schließlich in die Startaufstellung ein. Dort blieb er auch - denn als die Aufwärmrunde begann, wollte der Mercedes nicht mehr vom Fleck. Ein Kurzschluss der Kabel in der Lenksäule, verursacht durch eine bei einer Wartung vergessenen Substanz. Kein Gang ging rein. Rosberg wurde in die Box geschoben, und fuhr dann zwar dem Feld hinterher, aber die Elektronik blieb irreparabel angeschlagen. Nach 13 Runden gab Rosberg auf, die WM-Führung war er los.

2002: Rubens Barrichello im Doppel-Pech

Ferraris Langzeit-Nummer-Zwei Rubens Barrichello hatte in der Saison 2002 das zweifelhafte Vergnügen, gleich zweimal vor einem Rennstart mit einem Defekt zu verenden. Barrichello schien in dieser Saison alles Ferrari-Pech anzuheften. In Spanien duellierte er sich das ganze Wochenende lang mit Teamkollege Michael Schumacher, dann wollte das Getriebe in der Startaufstellung nicht mehr. Der Ferrari wurde in die Boxengasse geschoben, und tauchte nicht mehr auf.

Barrichellos (erneut) toter Ferrari in Frankreich - Foto: LAT Images

Und auch in Frankreich startete das Auto nicht - diesmal ein Elektronik-Defekt. Ein zu Tode betrübter Barrichello wollte die Strecke schon verlassen, als die Bestätigung kam: Schumacher hatte Rennen, und damit WM Nummer fünf gewonnen. Barrichello kehrte zur Meisterfeier zurück an die Strecke.

Frankreich 2001: Mika Häkkinen findet neue Wege zum Pech

Mika Häkkinens letzte Formel-1-Saison 2001 war von unglaublichem Pech gezeichnet - ein verpasster Start darf da nicht fehlen. Für den Frankreich-GP in Magny-Cours hatte sich Häkkinen in der zweiten Reihe qualifiziert, und war der schnellste Fahrer im Warmup.

Häkkinens kaputter McLaren in Frankreich - Foto: Sutton

Hoffnungen für das Rennen zerschlugen sich, als der McLaren zum Start der Aufwärmrunde im Grid stehen blieb. McLaren hatte das Getriebe falsch zusammengebaut, das war in der kurzen Zeit bis zum Start nicht mehr zu lösen. Von den ersten zehn Rennen hatte Häkkinen damit nur vier beendet.

Frankreich 1996: Schumachers Ferrari-Seuchenjahr

Genauso übel erging es Michael Schumacher nach seinem Wechsel zu Ferrari in der Saison 1996. Zweimal erlitt Schumacher schon vor dem Start mit dem miserablen Ferrari F310 Defekte - erst in Kanada, als sich vor dem Start der Benzindruck verabschiedete. Als es in die Aufwärmrunde ging, ging nichts mehr. Schumacher schaffte zwar den Start aus der Box, aber eine Serie aus Problemen mit Bremsbalance, Kupplung und Antriebswelle zwang ihn bald zur Aufgabe.

Ein Rennen später in Frankreich schaffte der Ferrari es, noch vor dem Start sich zu verabschieden. Diesmal ohne Vorankündigung, und ausgerechnet nach einer Pole Schumachers, platzte auf der Aufwärmrunde der Motor. Es sollte noch ein langer Weg sein, bis Schumacher und Ferrari im nächsten Jahr gemeinsam um die WM kämpften.

Schumachers Ferrari löst sich in Frankreich 1996 auf - Foto: Sutton

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