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Formel 1

Lewis Hamilton besorgt: Formel 1 ein Club für Milliardärskinder

Lewis Hamilton fürchtet um die Zukunft der F1. Milliardärssöhne wie Nikita Mazepin lassen Normalos keine Chance. Eigene Karriere heute nicht mehr möglich.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamiltons Formel-1-Karriere neigt sich im Alter von 36 Jahren langsam ihrem Ende. Hinter dem erfolgreichsten Fahrer seiner Generation stehen die potentiellen Nachfolger Schlange. Doch neben den talentierten Herausforderern sieht der Rekordweltmeister eine Entwicklung, die für einen Fahrer wie ihn befremdlich erscheint. Angesichts von Lance Stroll, Nikita Mazepin & Co. fürchtet er, dass es für den nächsten Lewis Hamilton fast unmöglich sein wird, eine Karriere wie die seine zu realisieren.

"Für mich persönlich ist es so, dass wir in einer Zeit leben, in der dies hier zu einem Club der Milliardärskinder geworden ist", so Hamilton im Interview mit der spanischen Sportzeitung AS. Für jemanden mit seinem Background sind das schlechte Nachrichten: "Wenn ich aus einer Arbeiterfamilie stammend noch einmal am Anfang stünde, wäre es für mich unmöglich, heute hier zu sein."

Mit Lance Stroll, Nikita Mazepin und Nicholas Latifi sind in dieser Saison drei Piloten im Grid vertreten, deren Väter entweder im Besitz eines F1-Teams sind oder eine finanzielle Beteiligung halten. Darüber hinaus starten mit Max Verstappen, Carlos Sainz und Mick Schumacher drei Fahrer, deren Väter jeweils auf Karrieren in den höchsten Kategorien des Automobilsports zurückblicken.

Stroll, Latifi und Mazepin investieren im großen Stil für Söhne

Lawrence Stroll kaufte seinem Sohn 2017 für dessen Debüt ein Cockpit bei Williams. Nach zwei Jahren im ehemaligen britischen Top-Team verlagerte er seine Investition auf Force India. Das in finanzielle Schieflage geratene Team kaufte er im Sommer 2018 schließlich vollständig auf, machte daraus Racing Point und ebnete den Weg für Aston Martin. Lance Stroll ist im Team des Vaters stets gesetzt.

Mazepin gelangte durch das Geld von Vater Dmitry ins Haas-Cockpit. Der russische Oligarch reicht mit einem Gesamtvermögen von 1,3 Milliarden US-Dollar zwar nicht ganz an die 3,2 Milliarden US-Dollar von Stroll heran, doch die Finanzkraft war für das sportlich angeschlagene Haas-Team mehr als willkommen. Das Vermögen von Latifis Vater Michael wird auf 2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der Kanadier hält Anteile an McLaren und finanziert obendrein den Platz des Sohnemanns bei Williams.

Hamilton fordert zugänglichere Formel 1

Hamilton würde sich als junger Pilot kaum in der Lage sehen, mit seinen finanziellen Möglichkeiten bis an die Spitze zu gelangen. "Die anderen Jungs hätten viel mehr Geld als ich. Wir müssen daran arbeiten, diesen Sport zugänglich zu machen, für reiche Menschen und die aus bescheideneren Verhältnissen."

Der siebenmalige Weltmeister hat seine Karriere dem ehemaligen McLaren-Boss Ron Dennis zu verdanken, der ihn 1998 unter seine Fittiche nahm und ihm vom Kartsport über die Formel Renault 2.0, die Formel 3 Euroserie und die GP2 Series den Weg direkt in sein Top-Team in der Königsklasse ebnete. Hamilton verpasste die WM in seiner Rookiesaison nur knapp und machte das Märchen im darauffolgenden Jahr mit seinem ersten Titel perfekt.

Karriereende von Hamilton zeichnet sich ab

14 Jahre später hat er sich mit Mercedes ein Denkmal geschaffen und freundet sich langsam mit dem Gedanken an, das Zepter zu übergeben. Der Empfänger muss aber nicht zwangsläufig Max Verstappen heißen. "Es gibt hier eine Gruppe guter junger Talente. Wenn sie die Möglichkeit bekommen, sehe ich in Lando [Norris] und Charles [Leclerc] enorm viel Potential. Ich kann nicht abschätzen, wer von ihnen im Sport das Sagen haben wird", so Hamilton.

Die aktuelle Generation mit der eigenen zu vergleichen, fällt ihm noch schwerer. "Ich weiß nicht, ob das was ich denke, von Bedeutung ist. Ich weiß nicht, ob ich beurteilen kann, ob diese Generation gut oder schlecht ist. Es sind immer Fahrer zusammen angekommen. In meinem Fall kam ich mit Nico [Rosberg] und [Robert] Kubica. [Fernando] Alonso war kurz davor, da war die Schumacher-Ära. Es wird immer irgendeine Ära geben", sagt er.

Einzig fest steht, dass seine eigene in absehbarer Zeit enden wird: "Ich glaube nicht, dass ich ewig fahren werde. Auch, wenn das hier das Größte in meinem Leben gewesen ist. Es gibt noch viele Dinge, die ich machen möchte. Ich habe hier vielleicht noch fünf Jahre, aber ich glaube nicht, dass ich dann noch fahren werde - auch wenn man niemals nie sagen sollte."


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