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Formel 1

Formel 1 heute vor 16 Jahren: Ein Jordan auf dem Roten Platz

Formel-1-Teams hatten immer schon revolutionäre Ideen für Auto-Präsentationen. Jordan wagte sich heute vor 16 Jahren bis zum Kreml.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Das neue Formel-1-Auto vor hübschem Hintergrund präsentieren? Immer schon eine populäre Idee, von Barcelona bis Venedig, mit möglichst glamourösem Hintergrund. Was aber, wenn der neue Eigentümer Russe ist? Nun, was ist russischer als Moskau, der rote Platz, der Kreml? Dachte sich Jordan, und zog 2005 alle Register.

Formel 1 heute vor 16 Jahren: Launch mit Russland-Flair

Eddie Jordans Formel-1-Team war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr Eddie Jordans Formel-1-Team. Erfolg und damit Geld hatte es in den letzten Jahren nicht mehr viel gegeben, also verkaufte Jordan das Team an den kanadisch-russischen Geschäftsmann Alex Shnaider und dessen Investment-Organisation, die Midland-Gruppe.

Shnaider mochte zwar aus Toronto stammen, war aber großer Russland-Fan. Anders gesagt - finanzielle Interessen an russischer Industrie. "Wir wollen unserem Team einen Touch russischer Eigentümlichkeit geben", hieß es daher vom Team-Direktor Colin Kolles.

"Ein Touch" ist vielleicht eine Untertreibung für das, was Shnaider und Co. aufzogen. Nicht nur, dass sie den Launch des neuen Jordan - das letzte Auto mit diesem Namen - in Moskau organisierten. Sie mieteten sich direkt auf dem berühmten Roten Platz ein. Mit dem Kreml, dem Amtssitz des russischen Präsidenten, im Hintergrund, und nur wenige Meter vom Mausoleum des Sowjet-Revolutionärs Vladimir Lenin entfernt.

Russland bringt Jordan keinen Formel-1-Erfolg

Bei Minusgraden wurde der Jordan EJ15 am 25. Februar 2005 auf dem verschneiten Roten Platz enthüllt. Ein Armeechor sorgte für Musik, die Fahrer Tiago Monteiro und Narain Karthikeyan traten mit traditionellen russischen Pelzmützen auf. Für den Portugiesen und den Inder nicht der größte Spaß. "Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen [Indien und Russland], aber nicht beim Klima!", so der frierende Karthikeyan.

Frostige Präsentation in Moskau - Foto: LAT Images

Für den Abend wurde ein Zelt aufgebaut, auch die F1-Elite war unter anderem durch Bernie Ecclestone und Flavio Briatore vertreten, und die Party ging drinnen mit nächtlichem Showprogramm weiter. Vielleicht war es das, was Neo-Eigentümer Shnaider unter "russischem Flair" verstand.

Ja, ein echtes Foto von der After-Show-Party - Foto: LAT Images

Shnaiders Hoffnungen auf die russische Revolution in der Formel 1 erfüllten sich jedoch nicht. "Midland ist bereit, das Team vollständig zu finanzieren, aber unsere einzigartige Position wird uns helfen, Sponsoren anzulocken", hatte er beim Kauf noch gesagt. Auf einen neunten WM-Platz 2005 folgte die offizielle Umbenennung auf Midland, und ein zehnter WM-Platz ohne Punkte in der Saison 2006.

Die schöne Kulisse auf dem Roten Platz - Foto: LAT Images

Damit war das Russland-Experiment zu Ende, Shnaider verkaufte an die niederländische Automarke Spyker. Nach einem Zwischenspiel als Force India ist es mittlerweile aber wieder in kanadischer Hand, und als Aston Martin eingeschrieben. Shnaider hingegen wurde in der Formel 1 nicht mehr gesehen. Stattdessen tauchte sein Name zuletzt in der Russland-Ermittlung gegen den Ex-US-Präsidenten Donald Trump auf. Shnaider hatte laut 'Wall Street Journal' Millionen aus dem Verkauf von Anlagen an eine russische Staatsbank in ein Trump-Projekt in Toronto investiert.

Formel 1 heute vor 75 Jahren: Jean Todt wird geboren

Motorsport-politisch ist der 25. Februar ebenfalls von Bedeutung, denn eine der größten Persönlichkeiten feiert heute ihren 75. Geburtstag. Jean Todt wurde 1946 im französischen Pierrefort geboren, und ist nun, in den letzten Jahren seiner Motorsport-Karriere, bis zum FIA-Präsidenten aufgestiegen.

Todt hatte 1966 als Rallye-Beifahrer begonnen und sich dort schon eine erstklassige Reputation erworben. Unter anderem arbeiteten Rallye-Legenden wie Ove Andersson und Hannu Mikkola mit ihm zusammen. 1981 verpasste Guy Frequelin, mit Todt auf dem Beifahrersitz, nur knapp den Titel. 1982, kurz nach Todts Rücktritt, wurde er zum Direktor von Peugeots Sport-Abteilung ernannt, und war die treibende Kraft hinter Peugeots Rallye-WM-Programm (2 WM-Titel und Dakar-Siege), und danach hinter dem Sportwagen-Programm (2 Le-Mans-Siege).

Frequelin/Todt 1981 in Schweden - Foto: LAT Images

1993 warb ihn der neue Ferrari-Boss Luca di Montezemolo für das strauchelnde F1-Team der Scuderia an. Todt, der erste Nicht-Italiener an der Spitze der Rennabteilung in Maranello, baute das Team wieder auf und brachte mit Michael Schumacher, Ross Brawn und Rory Byrne ein Erfolgs-Team an Bord, mit dem er zwischen 1999 und 2004 sechs Team- und fünf Fahrer-Titel feierte.

Michael Schumacher und Jean Todt führten Ferraris Wende herbei - Foto: Sutton

Ein letzter Titel folgte 2007, bevor er sich vom Tagesgeschäft verabschiedete. 2009 legte er alle Posten zurück und kandidierte für den Posten des FIA-Präsidenten. Er gewann gegen Ari Vatanen (der ihn 1981 in der Rallye-WM geschlagen hatte), und wurde seither zwei Mal ohne Gegenkandidaten wieder gewählt. Unter seiner Führung wurden Sicherheits-Innovationen weiter gefördert, Elektro- und Hybrid-Motoren kamen auf, und auch am neuen F1-Reglement für 2022 hat er mitgearbeitet.

Was sonst noch geschah:

Vor 77 Jahren: Francois Cevert wird geboren. Cevert begann seine Karriere in den 60ern, wurde französischer F3-Meister, und erregte schließlich in einem F2-Rennen die Aufmerksamkeit von F1-Weltmeister Jackie Stewart. Als im F1-Team Tyrrell der Platz neben Stewart frei wurde, empfahl dieser Cevert für den Job. Zwischen 1970 und 1973 feierte er als Stewarts Nummer zwei einen Sieg und 13 Podien. 1973 war er oft auf Stewarts Level, und nach dessen Rücktritt sollte Cevert ab 1974 Tyrrells Nummer eins werden. Beim Saisonfinale in Watkins Glen jedoch verunfallte er tödlich.
Vor 89 Jahren: Tony Brooks wird geboren. Der Brite (und gelernter Zahnarzt) startete 38 Grands Prix zwischen1956 und 1961, mit sechs Siegen war er durchaus erfolgreich. 1958 holte er für Vanwall den dritten, 1959 für Ferrari den zweiten WM-Platz.