Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1, Grosjean akzeptiert Crash als Karriereende: Ohne Reue

Romain Grosjean hat mit der F1 abgeschlossen. Comeback ohne Sinn, Expertenrolle ohne Reiz. IndyCar-Zukunft nimmt Formen an. Verletzungen nicht ausgeheilt.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Romain Grosjean erholt sich im Januar 2021 immer noch von seinem Feuerunfall beim Bahrain GP 2020. Der Horrorcrash beendete seine Formel-1-Karriere im November vorzeitig - und auch endgültig. Knappe zwei Monate danach hat der Franzose mit der Königsklasse abgeschlossen. Eine Rückkehr als Fahrer ist ausgeschlossen, andere Rollen interessieren ihn nicht. Die Gerüchte um einen IndyCar-Deal verdichten sich, doch die Ovalrennen sind immer noch ein Knackpunkt.

"Aus Sicht eines Rennfahrers denke ich, dass es vorbei ist", sagt Grosjean im Interview mit der französischen Tageszeitung Ouest France. Unmittelbar nach seinem Unfall hatte er sogar ein Comeback für das Finale in Abu Dhabi angestrebt, damit die schreckliche Erfahrung von Bahrain nicht sein letztes Erlebnis in der F1 bleibt. Doch mittlerweile sieht er die Dinge entspannter.

"Ich bereue nichts. Auch, weil die finale Entscheidung, nicht nach Abu Dhabi zu kommen, meine eigene war", erklärt er. "Bevor ich zum Arzt ging, um zu schauen, ob ich fahren kann, realisierte ich, dass ich es nicht kann. Ich war mir darüber im Klaren und er hat mein Gefühl nur bestätigt. Solange du die Entscheidung selbst triffst, verkraftest du es besser."

Dass er 2021 nicht in der Formel 1 starten würde, war ohnehin seit langem klar. Nach dem Aus bei Haas spielte Grosjean für die offenen Cockpits keine Rolle. Die Teams, die seinen Vorstellungen gerecht werden, sind in Zukunft kaum eine Option. "Ich will nicht zurückkommen, nur um zurückzukommen. Das interessiert mich nicht. Und wenn du auf das Grid schaust, sind alle guten Cockpits schon belegt. Es macht wenig Sinn, zurückzukehren", stellt Grosjean klar.

Rolle als F1-Experte reizt Grosjean nicht

Eine Rolle in der Fahrergewerkschaft GPDA will Grosjean auch nach seiner Zeit als aktiver Pilot einnehmen, doch eine andere Position kann er sich in der Formel 1 nicht vorstellen. "Im Moment reizt mich das nicht", sagt er mit Blick auf eine Rolle als Kommentator oder Berater. Auch eine Funktion als Team-Manager, in welcher er sich mit seinem eSports-Projekt R8G bereits versucht, käme für ihn zu früh.

"Ich entdecke mich dabei selbst. Sich im Management eines Teams wiederzufinden und so zu arbeiten, ist sehr interessant. Ich habe gute Leute um mich herum, die das Team leiten. Aber im Moment will ich nichts mehr, als Rennfahren. Ich werde meinen Rennfahrerhelm für den Moment noch nicht an den Nagel hängen", so Grosjean.

Grosjean vor IndyCar-Deal mit Dale Coyne?

Für ihn ist trotz des Unfalls klar, dass er seine Karriere als Profi-Rennfahrer fortsetzen will. "Ich bin mehr an der Perspektive interessiert, ein neues Kapitel in meiner Karriere aufzuschlagen. Ich mag das Rennfahren und das ist es, was ich weiterhin machen möchte", so der 34-Jährige. Nach anfänglichen Überlegungen über die Formel E orientierte er sich schnell in Richtung IndyCar.

Einem Bericht des US-amerikanischen Motorsportportals Racer zufolge soll die Unterschrift von Grosjean bei Dale Coyne Racing in Kürze zu Papier gebracht werden. "Es ist eine tolle Meisterschaft mit guten Fahrer und eine Serie, die ich immer verfolgt habe", sagt er. Was den Status der Verhandlungen angeht, will er sich jedoch nicht in die Karten schauen lassen.

"Ob es schon erledigt ist oder kurz davor ist, es ist immer noch ein langer Weg", sagt er. Seine anfänglichen Zweifel angesichts der Ovalrennen verflogen, als er realisierte, dass der IndyCar-Kalender nur drei der gefährlichen Hochgeschwindigkeitsrennen enthält. Dennoch scheint diese Art der Rennen etwas zu sein, das bei seinem Engagement in den USA eine Rolle spielt.

Familien-Veto wegen Ovalrennen in der IndyCar

"Es gibt die Ovalrennen und das ist kompliziert. Ich muss das auch mit meiner Familie besprechen", erklärt Grosjean. "Wir diskutieren das und arbeiten daran. Wenn es klappt, umso besser. Wenn nicht, machen wir etwas anderes. Ich mache mir da keinen Stress." Das neue Hypercar-Reglement in der WEC interessiert ihn ebenso wie die IndyCar.

Im Jahr 2010 trat er in der GT1-Kategorie an. Diesmal darf es allerdings schon eher der Angriff auf den Gesamtsieg im Prototyp sein. "Ein Auto mit Teamkollegen zu teilen, ist etwas, das mich sehr anspricht. In der F1 ist das Ziel immer, für dich selbst so schnell wie möglich zu fahren. Mittlerweile finde ich die Idee interessant, mit anderen zusammen schnell zu sein. Ich habe das kürzlich virtuell schon mal mit meinem eSports-Team gemacht". sagt er.

Heilungsprozess dauert weiter an

In jedem Fall wird sich Grosjean gedulden müssen, bis er wieder ins Lenkrad greifen kann. Der Heilungsprozess seiner linken Hand dauert auch zwei Monate nach dem Unfall weiter an. "Ich habe mir die Bänder im Daumen abgerissen. Das wurde operiert und danach wurden hauptsächlich die Verbrennungen weiter behandelt", so der 179-fache Grand-Prix-Teilnehmer.

Die Verbände sind mittlerweile ab, doch die dünne Haut ist empfindlich und bereitet Schmerzen. Die größten Probleme bereitet ihm aber nach wie vor der Bänderriss: "Mein Daumen stört mich. Ich muss mit den Bändern immer noch sehr aufpassen. Selbst wenn ich Wasser aus einem Topf abgieße, kann mit dem Daumen etwas schiefgehen. Ich bin da wirklich vorsichtig."