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Formel 1, Grosjean will Abu-Dhabi-Comeback: Mental voll da

Romain Grosjean plant nur zwei Tage nach seinem Feuerunfall im Formel-1-Rennen in Bahrain seine Rückkehr. Teamchef Günther Steiner traut ihm Comeback zu.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kehrt Romain Grosjean nach seinem heftigen Feuerunfall beim Großen Preis von Bahrain in der Formel-1-Saison 2020, seine mit hoher Wahrscheinlichkeit letzte überhaupt, noch einmal zurück ins Cockpit seines Haas VF-20? Am Montag nach dem Crash gab das US-Team bereits bekannt, der Franzose werde am kommenden Wochenende in Sakhir durch Reservefahrer Pietro Fittipaldi ersetzt. Damit kommt für Grosjean einzig eine Rückkehr beim Saisonfinale in Abu Dhabi am 13. Dezember in Frage.

Ob es zu dem Comeback kommen wird, ist derzeit noch offen. Das bestätigte Teamchef Günther Steiner am Dienstag in eine Videokonferenz mit Journalisten, darunter auch Motorsport-Magazin.com. Einberufen hatte Haas die Schalte vor allem wegen der kurz zuvor erfolgten Bestätigung Nikita Mazepins als Stammfahrer für 2021, in dem Call wechselte das Gesprächsthema allerdings, wenig überraschend, mehrfach zurück zu Grosjean und seinem Unfall am Sonntag.

Steiner: Grosjean will "unbedingt" in Abu Dhabi starten

Eines steht in Sachen Comeback allerdings fest. Grosjean ist gewillt, zurückzukehren. „Romain würde es gerne machen. Ich habe gestern mit ihm darüber gesprochen. Er will unbedingt in Abu Dhabi sein“, sagte Steiner. Regelrecht bremsen musste der Teamchef seinen Fahrer. „Ich habe gesagt, ‚sieh’ erst mal zu, dass es dir besser geht. Wir sprechen am Sonntag oder Montag nochmal darüber, wie du dich fühlst und ob du denkst, dass es machbar ist’.“

Bis dahin werde Haas nun schlicht abwarten. „Wir haben jede Menge Zeit. Pietro ist hier, Romain ist hier, wir haben genug Zeit. Das müssen wir jetzt noch nicht entscheiden. Da habe ich keine Eile. Das hängt von seiner Gesundheit ab“, sagte Steiner. Mental bestehe jedenfalls ganz sicher kein Problem, so der Südtiroler. „Absolut. Er hat klar gesagt, dass er in Abu Dhabi fahren will. [...] Schon gestern war er mental sehr stabil und sehr gut drauf. Er will einfach wieder im Auto sitzen. Das zeigt, dass er weitermachen will.“

Mental keine Zweifel, Sakhir-Rennen für Verbrennungen zu früh

Schon beim zweiten Rennen in Sakhir (6. Dezember) sei das aus physischen Gründen nicht möglich. „Dieses Wochenende könnte er mit den Verbrennungen nicht fahren“, sagte Steiner. Persönlich inspiziert hat Grosjean seine Hände bislang noch nicht. Zumindest geht das aus dem jüngsten Instagram-Post des Franzosen hervor. „Der Körper erholt sich gut von dem Unfall. Hoffentlich gilt dasselbe für die Verbrennungen an meinen Händen“, schrieb der Franzose zum ersten Bild, das Grosjean wieder aus eigener Kraft auf eigenen Beinen stehen zeigt. Laut Bildunterschrift habe er da schon wieder mit Eigengewicht trainiert.

Die Genesung des Franzosen verläuft Steiner zufolge unterdessen planmäßig. Dennoch wird Grosjean nun doch nicht, wie ursprünglich angekündigt, am Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen. „Er wird noch eine weitere Nacht im Krankenhaus bleiben“, berichtete Steiner. „Das ist aber nichts, weshalb man sich Gedanken machen müsste. Sie haben einfach gesagt, dass das einfach ein sichereres Umfeld ist, auch wegen der Untersuchung und der Behandlung der Verbrennungen. Deshalb behalten sie ihn noch eine Nacht da, aber alles läuft gut.“

Grosjean: Weitere Nacht im Krankenhaus, aber keine Komplikationen

Die Ärzte hätten mitgeteilt, der Heilungsprozess verlaufe wie erwartet, so Steiner. „Es gibt also keine Rückschläge, nichts dergleichen. Er bleibt jetzt noch eine Nacht. Aber das ist kein Problem oder Rückschlag. Er bleibt einfach noch eine Nacht, um die Heilung zu beschleunigen“, versicherte Steiner.

An den Unfall - laut Steiner mit 53G und gut 130mph (221 km/h) beim Einschlag erfolgt - selbst soll sich Grosjean kaum erinnern. In ihrem Gespräch am Montag habe der Franzose sich ohnehin mehr für die Unfallursache interessiert. „Das hat er mich gefragt“, so Steiner. „Ich will deshalb nicht sagen, dass er keine Erinnerung hat. Ich denke, er hat das einfach direkt nicht realisiert. Und das andere [die Befreiung aus dem Feuer] ging einfach so schnell, dass du dich da nicht erinnern kannst.“

FIA analysierte Unfallauto sechs Stunden lang

Zumindest ein erstes, aber vorsichtiges Update lieferte Steiner auch zur Analyse des Unfalls. Die Überreste des Boliden habe Haas nach einer sechsstündigen Untersuchung durch Jo Bauer und den Sicherheitsdelegierten der FIA am Montag inzwischen zurückerhalten. Für weitere Untersuchungen hätte die FIA keine Teile einbehalten. Folgen würde nun noch en Meeting mit Ingenieuren von Haas.

Zweigeteilt! Warum fing Grosjeans Formel 1-Auto Feuer?: (12:27 Min.)

Bis dato habe man nichts Verdächtiges gefunden, so Steiner. „Alles hat funktioniert, wie es sollte. Jetzt geht es darum, dass wir dafür arbeiten, es noch besser zu machen“, sagte Steiner. Eine explodierte Batterie habe jedenfalls nicht zu dem Feuerball geführt. „Die haben sie herausgenommen und sie ist abgekühlt“, sagte Steiner. Eine Motorenstrafe für Grosjean-Ersatz Fittipaldi erwartet der Teamchef nicht, geht davon aus, auf eine ältere Power Unit zurückgreifen zu können.

Für nähere Details sei es noch zu früh. „Es sind sehr komplexe Autos, da brauchen wir noch etwas Geduld“, sagte Steiner. Eines steht für den Teamchef allerdings fest: „Die Sicherheitsprozesse haben funktioniert, deshalb ist Romain okay. Dafür können wir uns bei vielen Leuten bedanken!“


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