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Formel 1, Russell: Fahrer sahen in der Türkei aus wie Idioten

Williams-Fahrer George Russell findet, dass die Piloten beim Türkei GP wirkten wie Idioten. Schuld waren der neue Asphalt und die schwierigen Bedingungen.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Die schwierigen Streckenverhältnisse auf dem Istanbul Park Circuit haben die Fahrer beim Türkei GP während des gesamten Wochenendes vor Probleme gestellt. Am Freitag bot der neue Asphalt kaum Grip und die Freien Trainings wurden zu Rutschpartien. Am Samstag und Sonntag kam Regen hinzu, der den Teilnehmern der Formel-1-Saison 2020 das Leben nicht einfacher machte. Für George Russell waren die Bedingungen unwürdig für die Königsklasse des Motorsports.

"Dieses Wochenende haben wir nicht das gesehen, was die Formel 1 eigentlich ist", sagte der Williams-Fahrer. "Die Rundenzeiten lagen zwei bis drei Sekunden auseinander. Ich bin mir sicher, dass die Show gut ausgesehen hat und ich es auch geliebt hätte, wenn ich vom Sofa aus zugeschaut hätte. Ich liebe es im Nassen zu fahren. Aber das hier war etwas anderes. Es war eine Lotterie.

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Viele Fahrer hatten bei der Rückkehr der Formel 1 an die Strecke in der Nähe Istanbuls Probleme. Valtteri Bottas drehte sich im Rennen insgesamt sechs Mal. Die TV-Kameras fingen zwei Dreher Max Verstappens ein. Auch dessen Teamkollege Alexander Albon büßte durch eine Pirouette Zeit und Positionen ein.

"Wenn man Chaos, Gemetzel und Fahrer mag, die wie Idioten aussehen, gibt es andere Sportarten, die man sich anschauen kann", ging Russell mit den Verantwortlichen hart ins Gericht. "In der Formel 1 geht es um die besten Autos, die besten Fahrer und die besten Teams, die auf den besten Strecken fahren und ihr Können zeigen. Das war an diesem Wochenende aber nicht so."

Mehr Grip neben der Rennstrecke

Russell machte ungewöhnliche Erfahrungen, wenn er von der Piste abkam. In den asphaltierten Auslaufzonen habe er mehr Grip gespürt als auf der eigentlichen Rennstrecke. "Und auch die Betonspur in der Boxengasse, die normalerweise ziemlich rutschig ist, hatte so viel mehr Grip. Ich glaube, dass kein einziger Fahrer diese Bedingungen genossen hat", war er überzeugt.

Wegen der Wetterverhältnisse starteten Russell und sein Teamkollege Nicholas Latifi aus der Boxengasse in den Grand Prix. Der Plan: Während die Reifen der Konkurrenten im Laufe der Einführungsrunde auskühlten, sollten die Williams-Fahrer mit Reifen starten können, die erst kurz vor dem Rennstart aus den Heizdecken genommen wurden und dadurch einen Vorteil in der ersten Runde haben. Beide nutzten Intermediate-Reifen, während alle anderen Piloten zunächst auf Full-Wet-Reifen auf der Strecke fuhren.

Dieses Vorhaben ging nur bedingt auf. Beide konnten sich zwar aus dem Durcheinander in der ersten Kurve heraushalten. Als Latifi auf der Gegengeraden Esteban Ocon im Renault überholen wollte, drehte er selbst beim Anbremsen auf Kurve zwölf, was ihn an das Ende des Feldes zurückwarf. Der Kanadier stellte das Auto später nach einer Kollision mit Romain Grosjean vorzeitig in der Box ab.

Russell hatte Punkte vor Augen

Im ersten Renndrittel wurde Russell auf die elfte Position nach vorne gespült, da er sich den Wechsel auf Intermediates im Gegensatz zu seinen Konkurrenten sparte. Später fiel er wieder zurück und kam als 16. ins Ziel. "Das Rennen war am Anfang echt tricky. Aber dann waren wir auf Platz elf, was vielversprechend war. Das Auto und die Reifen haben sich gut angefühlt. Dann brachen die Reifen ein und wir haben auf einen neuen Satz Intermediates gewechselt, was nicht funktioniert hat. Keiner von uns bewegte das Auto am Limit, weil wir herumrutschten."

Wie glatt es war, erlebte der 22-Jährige vor dem Rennstart bei den Besichtigungsrunden, die die Piloten absolvieren, bevor sie in die Startaufstellung abbiegen. Russell rutschte in der Boxeneinfahrt in die Streckenbegrenzung und beschädigte dabei seinen Frontflügel.


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