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Formel 1, McLaren: Startplatzstrafen nach Qualifying-Desaster

In der Türkei fuhr McLaren das schlechteste Qualifikationsergebnis der Saison 2020 ein. Im Anschluss erhielten Carlos Sainz und Lando Norris Grid-Strafen.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - In der verregneten Qualifikation zum Türkei GP erlebte McLaren ein böses Erwachen. Während Racing-Point-Fahrer Lance Stroll überraschend zur Pole Position fuhr und mit den Alfa-Romeo-Fahrern Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi zwei Underdogs ins Q3 einzogen, erreichten Carlos Sainz und Lando Norris das letzte Segment des Qualifyings nicht. Erstmals in der Formel-1-Saison 2020 schieden beide gemeinsam am Ende von Q2 aus. Sie belegten die Plätze elf und 13. Diese Positionen dürfen die Fahrer beim Rennstart am Sonntag aber nicht einnehmen. Sainz wird drei Positionen und Norris fünf Plätze weiter hinten starten.

Gegen Norris wurde eine Untersuchung eingeleitet, da er unter doppelt geschwenkten gelben Flaggen eine persönliche Bestzeit gefahren hatte. Die Analyse der vorhandenen Beweismittel ergab, dass er an der Stelle, an der sich Nicholas Latifi zuvor von der Strecke gedreht hatten, verlangsamte. Da der McLaren-Fahrer insgesamt dennoch eine schnellere Rundenzeit fuhr, verstieß er gegen Appendix H Artikel 2.5.5.1.b) des International Sporting Code. Der verbietet es, unter gelben Flaggen eine "bedeutsame" Rundenzeit zu fahren. Gegen Sainz wurde eine Rückversetzung um drei Startpositionen ausgesprochen, weil er Sergio Perez behinderte.

Falsche Reifenwahl wirft Sainz und Norris zurück

Die falsche Reifenwahl war dafür verantwortlich, dass beide Fahrer Probleme im Qualifying bekamen. In der Schlussphase von Q1 nutzten sie wie alle Konkurrenten Regenreifen. In Q2 wechselte zunächst McLaren als einziges Team auf Intermediates. Erst in der zweiten Hälfte des zweiten Segments steuerten die Fahrer die Box an, um erneut Regenreifen aufziehen zu lassen.

"Zurückblickend muss man sagen, dass wir mit unserem jetzigen Wissen sicherlich anders vorgegangen wären", räumte Sainz ein. "Aber diesen Erfahrungsvorsprung hast du in der Situation nicht. Bei uns hatte der Intermediate-Reifen bei einem ähnlichen Wasseraufkommen vorher gut funktioniert." Diese setzte ein Großteil des Feldes zu Beginn von Q1 ein. "Nach dem Wechsel auf Full-Wet-Reifen konnte ich mit denen keine Pace aufbauen. Als ich die Reifen aufgeheizt hatte, war das Qualifying auch schon vorbei. Ich war das erste Auto, das nach dem Ablaufen der Zeit über die Ziellinie gefahren ist. Aber die Strecke wurde mit jeder Runde etwas schneller. Es war ein schlechtes Timing", sagte Sainz.

Dem Spanier fehlten 1.1 Sekunden auf Platz zehn. Knapper war es für seinen Teamkollegen Norris. Er lag rund 0.7 Sekunden hinter Daniel Ricciardo, dem als Letzten der Einzug in Q3 gelang. Der Brite erklärte: "Wir haben ehrlicherweise nicht erwartet, viel besser zu sein. Wir wussten, dass es tricky sein würde. Das Auto war heute nicht gut genug. Ich würde nicht sagen, dass es Glück war, die Reifen ins richtige Fenster zu bringen. Wenn es andere schaffen, ist deren Auto dazu in der Lage. Wir haben aber gestrauchelt."

McLaren hatte nicht nur auf nasser Strecke Schwierigkeiten, Reifen zum Arbeiten zu bringen. Schon am Freitag kämpfte das Team auf der frisch asphaltierten Strecke mit den Problemen. Pirelli setzt in der Türkei die drei härtesten Reifentypen ein.

Norris erwartet Durcheinander beim Start

Bei trockenen Bedingungen, die am Sonntag vorherrschen sollen, rechnet Norris mit einer actionreichen Startphase. "Es wird eine riskante und schwierige erste Kurve werden mit einer hohen Unfallgefahr. Die Aufwärmrunde wird vermutlich das Gegenteil bewirken. Die Reifen werden abkühlen. Es wird sehr einfach, Fehler zu machen."

Teamchef Andreas Seidl will zwar nicht auf die Fehler der Konkurrenten hoffen, aber auf die Gelegenheiten, die sich bei schwierigen Bedingungen ergeben. "Wir müssen in unserer Ausgangslage auf die Möglichkeiten hoffen, die sich ergeben", erklärte der Bayer.


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