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Formel 1, Bestzeit unter Gelb: Darum bleibt Stroll auf Pole

Lance Stroll fährt beim Türkei GP sensationell auf Pole Position - doch seine Runde fuhr er unter Gelb. Warum er Startplatz eins dennoch behalten darf.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Die Stewards um ihren Vorsitzenden Dr. Gerd Ennser hatten nach dem Qualifying zum Türkei GP jede Menge zu tun. Bei regnerischen Bedingungen gab es unzählige Gelb-Phasen während des Zeittrainings. Weil sich die Bedingungen ständig veränderten, wurden auch Bestzeiten gefahren, während Teile der Strecke unter Gelb standen.

Kevin Magnussen beschwerte sich noch direkt aus dem Cockpit: "Wie zur Hölle kann es sein, dass sie sich unter Gelb alle verbessern?" Die Rennleitung wollte nach dem Qualifying jeden Fall in Ruhe beurteilen. Der prominenteste Fall, der schließlich vor den Stewards landete, war Lance Stroll.

Der Racing-Point-Pilot passierte auf seiner Pole-Runde im Q3 Teamkollege Sergio Perez, der sich vor ihm in Kurve sieben von der Strecke gedreht hatte. Um 18:30 Ortszeit musste Stroll deshalb bei den Stewards vorsprechen. Kapp eine Stunde später, um 19:21 Uhr kam das Urteil: Freispruch, Stroll darf seine Pole behalten.

Das Urteil verwundert auf den ersten Blick, weil Lando Norris, der in seiner schnellsten Runde bei Doppelt Gelb klar vom Gas ging, fünf Startplatzplätze nach hinten muss. Wieso darf ein Pilot Pole behalten - obwohl er Sektorbestzeiten fährt - und ein anderer muss fünf Plätze nach hinten, obwohl er sehr deutlich vom Gas ging und seine Runde abbrechen wollte?

Norris im Pech: Bestzeit bei Doppelt Gelb

Der große Unterschied liegt darin, dass bei Stroll nur 'einfach' Gelb geschwenkt wurde. Norris hingegen passierte Kurve acht, als Doppelt Gelb ausgegeben wurde. Bei Gelb, so verlangt es das Regelwerk, müssen die Piloten die Geschwindigkeit reduzieren und bereit sein, auszuweichen.

Lando Norris ging klar vom Gas - aber fuhr noch immer persönliche Bestzeit - Foto: LAT Images

Bei Doppelt Gelb heißt es, dass die Fahrer die Geschwindigkeit signifikant reduzieren und bereit sein müssen, anzuhalten. Norris kam der Vorgabe zweifellos nach, bei Stroll ist das nicht so ganz klar. Aber Renndirektor Michael Masi schreibt in den Event Notes auch: Bei Doppelt Gelb sollte der Fahrer die Runde abbrechen und keine bedeutsame Rundenzeit fahren.

Weil Norris nach der Gefahrenstelle wieder aufs Gas ging, fuhr er seine persönlich schnellste Zeit in ebenjener Runde. Deshalb mussten die Stewards den McLaren-Piloten bestrafen. Bei Stroll hingegen mussten sie ins Detail gehen, weil die Regeln hier Spielraum lassen.

Telemetrie entlastet Lance Stroll

Stroll fuhr nicht nur im Mittelsektor, wo die Gelbe Flagge geschwenkt wurde, Bestzeit, sondern verbesserte sich auch in jedem einzelnen Minisektor. Sektor zwei ist in insgesamt sieben dieser Minisektoren untergliedert. In allen sieben verbesserte sich Stroll persönlich, in vier davon fuhr er absolute Bestzeit.

Warum aber blieb Strolls Runde ohne Konsequenzen? "Die Telemetrie zeigt, dass Auto 18 (Stroll) klar vom Gas gegangen ist und sich in die Kurve hineinrollen hat lassen. Erst als er an der Stelle vorbei war, hat er wieder beschleunigt", schreiben die Stewards in ihrem Urteil und fügen an: "Die Sektorzeiten zeigen das nicht deutlich, weil die Strecke stark abgetrocknet ist und jede Runde schneller als die vorhergehende war."


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