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Formel 1, Team verteidigt Stroll: Corona schuld an Formtief

Lance Stroll steckt in der Krise. Seit Monza-Podium ist er ohne WM-Punkt. In Imola fiel er durch gefährliche Fahrweise auf. Racing Point hat eine Erklärung.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lance Stroll befindet sich in der Formel-1-Saison 2020 nach einem soliden Start ins Jahr in der Krise. Seit dem überraschenden Podium in Monza geht es für den Racing-Point-Pilot sportlich bergab. Darüber hinaus fiel er in Imola mit gefährlichem Verhalten auf. Sein Team nimmt ihn nach den jüngsten Fehlschlägen in Schutz. Coronavirus soll für Formtief verantwortlich sein.

"Offenbar ist er nicht mehr in der Form, in der er war", so Racing Points Technik-Chef Andrew Green. Stroll fuhr zwischen dem zweiten Rennen in Spielberg sowie seinem bisherigen Saisonhöhepunkt in Monza sieben Mal in Folge in die Punkte. In vier der letzten fünf Grands Prix ging der Kanadier jedoch leer aus und musste am Nürburgring außerdem einmal krankheitsbedingt aussetzen.

In Mugello war er bis zu seinem durch einen Defekt ausgelösten Highspeed-Unfall in der Arrabiata-Kurve noch auf dem Weg, an seine erfolgreiche Serie anzuknüpfen. Doch dieser unverschuldeten Ausfall stoppte sein Momentum. "Er hat physisch sowie mental ordentlich einstecken müssen. Das in Mugello war ein ziemlich heftiger Unfall. Das hat wahrscheinlich sein Vertrauen angeschlagen, und dazu noch für ein paar Rennen nicht fit zu sein", mutmaß Green.

Racing Point vermisst Strolls Selbstvertrauen

Durch weitere Rückschläge und Fehler verlor Stroll immer mehr den Anschluss an Teamkollege Sergio Perez, der seinerseits nach einem schwierigen Saisonstart wieder zurück zu alter Stärke gefunden hat. "Zwischen Monza und jetzt hat er an Selbstvertrauen verloren", diagnostiziert Green, der glaubt, dass auch die unfreiwillige Aufgabe des Nürburgring-Wochenendes dabei eine Rolle spielte.

Stroll hatte bis zuletzt versucht, den Samstag in der Eifel zu bestreiten und musste kurz vor dem 3. Freien Training einsehen, dass er körperlich nicht in der richtigen Verfassung ist. Was zunächst nach einem Mageninfekt klang, stellte sich wenig später als eine Infektion mit dem Coronavirus heraus.

Beim darauffolgenden Rennen in Sotschi war Stroll zwar wieder mit von der Partie, lag jedoch das gesamte Wochenende deutlich hinter Perez zurück. Doch nicht nur die Pace fehlte seitdem. In Portugal kam es im Rennen zu einer Kollision mit Lando Norris, die ihm die Kritik seines Unfallgegners einbrachte. Der Grund: Stroll hatte im Training mit Max Verstappen dieselbe Situation erlebt und war dort schon einmal gecrasht.

Stroll von der Rolle: Corona für Fehler verantwortlich?

In Imola war der 22-Jährige dann noch mehr von der Rolle. Beim Boxenstopp fuhr er seine Crew zu aggressiv an und stieß dabei einen Mechaniker um. Wenig später fuhr er während der Safety-Car-Phase an einer Unfallstelle mit doppelt geschwenkter gelber Flagge vorbei, ohne seine Geschwindigkeit anzupassen, wobei er den dort arbeitenden Streckenposten gefährlich nahe kam.

"Die Krankheit hat es [Selbstvertrauen] ihm genommen, da bin ich sicher. Das ist etwas, das wir so nicht haben kommen sehen", glaubt Green. "Wir haben aber davon gehört, dass es eine Zeit dauern kann, um sich von der Krankheit zu erholen. Deshalb denke ich, dass es noch eine Weile brauchen wird."

Racing Point braucht Stroll für WM-Kampf gegen Renault und McLaren

Das Team braucht einen Stroll in Bestform jedoch dringend. In der Weltmeisterschaft kämpft Racing Point gegen Renault und McLaren um den dritten Platz. In Imola fielen die Pinken wieder auf die fünfte Position hinter die Rivalen zurück. "Es sind wirklich nur kleine Details und wir müssen ihn zurück in die Spur bringen", mahnt Green. "Wir können das, denn wir haben die Möglichkeiten und die richtigen Leute dafür."

Zwar sieht der Technikdirektor auch die Auswirkungen des Coronavirus als Ursache, dennoch ist es wie so oft im Motorsport hauptsächlich Kopfsache. "Er muss einfach sein Selbstvertrauen zurückgewinnen und wieder an sich glauben", sagt Green. "Dann werden wir den Lance zurückbekommen, den wir in den ersten Saisondritteln hatten."

Um das zu erreichen, ist jetzt vor allem die Teamführung gefragt: "Ein Teil davon besteht sicher nur darin, mal den Arm um ihn zu legen und ihm zu sagen, komm reiß dich zusammen und hake die letzten paar Rennen ab, wir bringen das Team zurück auf Platz drei in der WM. Er kann das absolut, es ist nur im Moment etwas schwierig für ihn."


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