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Formel 1, Red Bull ohne Plan B für Albon: Alles oder nichts

Alexander Albon muss am verkürzten Formel-1-Wochenende in Imola liefern. Verliert er sein Red-Bull-Cockpit, gibt es keinen echten Plan B.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Wochenende der Wahrheit für Red-Bull-Pilot Alexander Albon beim auf zweite Tage verkürzten Emilia Romagna Grand Prix 2020. In Imola muss der Brite thailändischer Herkunft dringend glänzen, will er sein Cockpit bei den Bullen für die kommende Formel-1-Saison 2021 behalten. Die Teamführung um Teamchef Christian Horner und Berater Dr. Helmut Marko verlangte zuletzt eine Leistungssteigerung, um die Zweifel an der Entwicklungsfähigkeit Albons zu überwinden und sich nicht in Richtung externer Lösungen wie Sergio Perez oder Nico Hülkenberg zu orientieren.

Dass Red Bull seinen aktuellen Fahrer unbedingt halten möchte, gilt allerdings nach wie vor. Das beteuerte Horner am Freitag vor dem Rennen in Imola erneut. „Es ist Alex’ Platz. Er hat seinen Hintern in diesem Auto und alle wollen, dass er diesen Platz behält“, sagte Horner. Gleichzeitig bekräftigte der Brite allerdings abermals, von Albon etwas sehen zu wollen. Horner: „Ich denke, dass er den Lärm von außen ausblenden, den Kopf runternehmen und einfach ein gutes Wochenende haben muss.“

Horner: 2020er Red Bull macht es Albon schwer

Dem stimmte Albon - in der Pressekonferenz am Freitag diesmal nicht nur Seite an Seite mit Teamkollege Max Verstappen, sondern auch Horner platziert - in Imola zu. „Es gibt Gerede. Aber das ändert auf der Strecke nichts. Ich konzentriere mich lieber auf meinen Job auf der Strecke. Das ist alles, was zählt“, sagt der Red-Bull-Pilot.

Albons letzte Chance in der Formel 1: Kommt danach Hülkenberg?: (13:14 Min.)

Horner unterdessen gab sich zuversichtlich, dass Albon abliefern wird. Immerhin würden die Probleme seines zweiten Fahrers auch von den Problemen des diesjährigen Red Bull RB16 rühren, welche die Ingenieure nun allerdings zunehmend gelöst hätten. „Ein schnelles Auto ist manchmal auch ein schwieriges Auto und natürlich versuchen wir, unsere Rundenzeit am Kurveneingang zu holen. Das Auto ist da dieses Jahr komplex, mehr noch als vergangenes Jahr, würde ich sagen. Deshalb hat ihm das das Leben schwer gemacht“, sagte Horner.

Red Bull arbeitet gegen Eigenarten des RB16

Horner weiter: „Wir haben begonnen, das als Team zu verstehen und bringen jetzt Entwicklungen, die anfangen, das anzugehen. Wir arbeiten alle hart, um ein runderes Paket zu bekommen, das diese Eigenarten nicht hat.“ Ohnehin: Das Risiko, dass ein anderer Fahrer sich ähnlich schwertun würde, bestehe ganz klar, so Horner. Verstappen sei schlicht unglaublich gut darin, die Eigenarten zu kaschieren, hatte Horner zuvor schon in Portimao erklärt.

Deshalb setze Red Bull derzeit voll und ganz auf Plan A. A wie Albon. „Wir sind vollständig auf Plan A fokussiert und darauf, sicherzustellen, dass Plan A eintritt. Gerade richten wir einfach all unsere Aufmerksamkeit darauf“, sagte Horner auf Nachfragen nach einem Plan B für Albon, sollte es für den Thai-Briten 2021 eben nicht bei Red Bull weitergehen. Dieser Plan existiert nicht. Horner: „Wenn Plan B nötig wäre, bin ich sicher, dass ihr die ersten wärt, die es wüssten.“

Albon will nicht zurück zu AlphaTauri: Red Bull ohne Plan B

Das bedeutet für Albon womöglich Alles oder Nichts. Bei AlphaTauri ist Pierre Gasly bereits bestätigt - übrigens langfristig, wie Horner in Imola verriet. Noch dazu erklärte Helmut Marko kürzlich klar, Yuki Tsunoda sei ganz klar für das zweite Cockpit vorgesehen. Der Formel-2-Pilot müsse nur noch die nötigen Superlizenzpunkte sammeln. Aktuell liegt der Japaner auf Kurs.

Sonderlich großes Interesse an einer Rückkehr zu AlphaTauri zeigte Albon in Imola ohnehin nicht. Den Weg seines bei AlphaTauri wieder aufblühenden RBR-Vorgängers Gasly wolle er nicht beschreiten. „Nein, überhaupt nicht. Es ist der Traum eines jeden Fahrers für ein Top-Team wie Red Bull zu fahren und meine Absicht ist, zu bleiben“, betonte Albon in Imola.

Sergio Perez drängt Red Bull

Druck auf Red Bull macht unterdessen Sergio Perez. „Bis sie es bestätigt haben, sind sie eine Option. Genauso wie jedes andere Team, das nichts bestätigt hat“, sagte der Mexikaner in Imola. „Es ist eine Zeit, in der du das Risiko eingehst und wartest, was passiert. Aber die Saison neigt sich ihrem Ende entgegen, deshalb ist es für die Teams wichtig zu wissen, wie es weiter geht - und auch für die Fahrer. Ich schaue mir alle möglichen Optionen an und ja ... allzu viel Zeit kann ich mir nicht mehr nehmen.“

‚Checo‘ weiter: „Ich bin jetzt zehn Jahre in diesem Sport und so sehr ich einfach weitermachen will, muss es auch das richtige Paket sein. Mein einziges Problem ist jetzt das Timing. Die Zeit ist nicht auf meiner Seite. Ich muss definitiv sehr bald Entscheidungen treffen.“

Zuletzt hatte bereits Williams-Pilot George Russell geäußert, er vermute das Perez-Lager hinter Gerüchten, wonach sein Cockpit bei Williams wegen des Mexikaners trotz Vertrags in Gefahr sei. So wolle man Druck auf Red Bull ausüben, sagte der Brite. Dieses Druckmittel ist seit Freitag in Imola verschwunden. Williams bestätigte seine aktuellen Fahrer für 2021, verkniff sich diesmal kein Dementi in der ‚Causa Checo‘.


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