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Formel 1 Ungarn: Bottas verwechselt Lenkrad- mit Ampel-Licht

Valtteri Bottas verliert beim Ungarn GP die WM-Führung an Lewis Hamilton. Schuld für ein schwaches Rennen ist ein kurioser Patzer am Start.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Valtteri Bottas wird den Ungarn GP 2020 nicht in guter Erinnerung behalten. Der Mercedes-Pilot durfte zwar am Ende die Trophäe für Platz drei entgegennehmen, verlor aber die WM-Führung an Teamkollege Lewis Hamilton.

"Das war ein ziemlich schlechtes Rennen für mich", ärgerte sich Bottas und fügte an: "Ich habe es am Start verloren." Von Platz zwei gestartet fiel der Finne bei feuchten Bedingungen direkt weit zurück, fand sich nach der ersten Runde lediglich auf Rang sechs hinter beiden Ferrari wieder.

Schuld daran war ein völlig verpatzter vermeintlicher Frühstart. "Ich habe auf die Lichter am Lenkrad reagiert. Ich habe mich auf die Ampel fokussiert, dort waren alle fünf Lichter an. Plötzlich ist am Haupt-Display wohl eine Seite umgesprungen, sehr helle Farben erschienen", erklärte Bottas.

Formel 1: Ferrari überrundet! Warum keine Strafe für Bottas?: (09:27 Min.)

Weil Bottas den Start sofort abbrach, sprang das Auto in den Anti-Stall-Modus, damit der Motor nicht ausgeht. "Ich musste noch einmal starten", so Bottas. "Es war eine komische Situation, wir werden die Onboard-Aufnahmen ansehen und sicherstellen, dass in einem so wichtigen Moment nichts mehr umspringt."

Warum keine Strafe für den Bottas-Frühstart?

Glück im Unglück: Immerhin untersuchten die Stewards den Fall nicht. Auf den ersten Blick sah es stark nach einem Frühstart aus. Allerdings schlug der Sensor, der sich direkt unter dem Auto im Asphaltband befindet, nicht aus. Allein das Signal des Sensors ist für eine Bestrafung relevant.

Von da an ging es für den Österreich-Sieger nur noch um Schadensbegrenzung. Nach und nach konnte Bottas wieder Position gutmachen: Den ersten Platz gewann er bereits durch den frühen Boxenstopp in Runde drei. Sebastian Vettel kam eine Runde später und reihte sich hinter Bottas wieder ein.

Gegen Charles Leclerc musste Bottas schon richtig kämpfen. In einem rundenlangen Kampf verlor Bottas das Auto in Runde acht auf einem nassen Fleck fast, was ihn einige Sekunden zurückwarf. Zwei Runden später hatte er den Weg auch am Monegassen vorbeigefunden.

Die beiden Haas von Romain Grosjean und Kevin Magnussen, die bereits in der Einführungsrunde zum Reifenwechsel gekommen waren, stellten für Bottas keine Schwierigkeiten dar. Von da an ging es für Bottas aber deutlich langsamer nach vorne.

Aufholjagd endet bei Verstappen

An Lance Stroll ging der Mercedes-Pilot mit einem Undercut vorbei. Ein zwei Runden früherer Reifenwechsel in Runde 34 brachte ihn vor den Racing Point auf Platz drei. An Platz zwei biss sich Bottas aber die Zähne aus: Mit seinen Medium-Reifen holte er zunächst in großen Schritten auf Verstappen auf Hard auf.

Doch der Reifenvorteil egalisierte sich schnell, weshalb Mercedes Bottas in Runde 50 noch einmal zum Reifenwechsel holte. Weil sich Bottas schon deutlich von Stroll abgesetzt hatte, verlor der Finne durch den Stopp keine Position und konnte auf frischen Gummis seine Aufholjagd auf Verstappen sofort starten.

Hamilton holte im vergangenen Jahr mit einer ähnlichen Strategie den Sieg gegen Verstappen kurz vor Rennende, bei Bottas ging der Poker nicht auf. Bottas schloss erst in den letzten Kurven des Rennens auf Verstappen auf und überquerte die Ziellinie weniger als eine Sekunde nach dem Niederländer.

War der zusätzliche Reifenwechsel die falsche Strategie? Bottas glaubt nicht: "Der Reifenunterschied im dritten Stint war ziemlich gering und auf dieser Strecke ist es sehr schwer zu überholen. Ich war zuversichtlich, dass es die richtige Entscheidung war, weil ich dann einen größeren Reifenvorteil hatte. Am Ende hat es fast funktioniert. Ich habe leider Zeit beim Überrunden verloren, deshalb hätte ich noch ein, zwei Runden mehr gebraucht."


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