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Formel 1

Ferrari sieht Nachteil in Regelverschiebung: SF1000 zu schlecht

Die neuen Formel-1-Regeln kommen als Sparmaßnahme wegen Corona erst 2022. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto sieht darin einen Nachteil für die Scuderia.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Regel-Revolution in der Formel 1 kommt erst 2022. Als direkte Folge der Coronavirus-Epidemie entschieden FIA, kommerzieller Rechteinhaber und alle zehn Teams, dass es 2021 mit den gegenwärtigen F1-Boliden der Saison 2020 weitergehen soll. Die Chassis werden also weitgehend eingefroren - eine Sparmaßnahme wegen der finanziell bedenklichen Lage aller Parteien.

Vor der ersten offiziellen Bestätigung durch die FIA am Donnerstag, den 19. März (mit heute 31.3. auch durch den WMSC ratifiziert), gab es bereits eine erste Wasserstandsmeldung. Alle Teams hätten in einer ersten Telefonkonferenz zugestimmt, einzig Ferrari bitte noch um Bedenkzeit für eine interne Diskussion des Themas. Zumal die Roten mit der in Italien besonders schwierigen Corona-Lage im Kampf gegen das Virus ohnehin alle Hände voll zu tun hatten.

Binotto: Auto-Basis macht Chassis-Freeze zum Nachteil

Gleichzeitig vermeldete das aktuell nur virtuelle Radio Fahrerlager, unter den Teamchefs hätte es in der Telefonkonferenz heftig gekracht, weil Ferrari sich zunächst querstellte. Also nicht nur Bedenkzeit, sondern eher eine klare Positionierung? Letztlich ließ Teamchef Mattia Binotto über die offizielle Homepage der Formel 1 wissen, man habe sich am Ende dafür entschieden, was dem Gesamtbild, also der gesamten Formel 1, am besten diene. Es sei nicht die Zeit für Egoismus und Taktik.

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Das hieß im Umkehrschluss in letzter Konsequenz: Ferrari dient die Verschiebung der Regeln, das Einfrieren der aktuellen Autos offenbar weniger als anderen. Nun hat Binotto genau das auch selbst eindeutig bestätigt. „Wenn wir unsere gegenwärtige Basis und das Feedback der Tests berücksichtigen, dann denken wir, dass wir mit dieser Entscheidung keinen Vorteil haben“, sagte der Ferrari-Teamchef nun bei Sky Italia.

Aero-Entwicklung: Ferrari-Teamchef hofft auf Spielraum

Heißt im Klartext: Ferrari hat erkannt, dass der SF1000 wohl nicht auf dem Niveau des Mercedes oder gar Red Bull operiert. Werden die aktuellen Autos auch 2021 eingesetzt, müsste Ferrari also gleich zwei Saisons mit dem mutmaßlichen langsamsten der drei Top-Pakete bestreiten.

„Es war keine leichte Entscheidung“, so Binotto. „Aber sie musste getroffen werden. Es ist ein besonderer Moment und es war wichtig, ein verantwortungsbewusstes Zeichen für die Zukunft zu setzen“, betonte der Italiener erneut das wichtigere größere Wohl.

Hoffnung gibt es in Maranello dennoch. Binotto versichert: „Die Regeln bleiben gleich, aber es wird noch Raum für aerodynamische Entwicklung geben.“ Das müsse noch im Detail definiert werden. „Wir besprechen das mit den Verantwortlichen aller Teams und mit der FIA, um zu verstehen, was eingefroren und was für die Entwicklung freigegeben sein wird. Wir wollen die DNA der Formel 1, die Wettbewerb und Kräftemessen bleibt, beibehalten.“

Tatsächlich ist dieses Thema auch nach den jüngsten durch den WMSC bestätigten Regeländerungen nicht final geklärt. Bislang ist nur klar, dass die Überlebenszelle, also das Kern-Chassis, eingefroren wird. Eine Einigung, welche Komponenten weiter entwickelt werden dürfen und welche nicht, erzielten Formel 1, FIA und Teams noch nicht. Aero-Entwicklung für 2021 bleibt voraussichtlich erlaubt.

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