Formel 1

Formel-1-Absagen wegen Coronavirus? Teamchef bezweifelt Sinn

Das Coronavirus breitet sich weltweit weiter aus. Das beschäftigt auch die Formel 1. Saisonstart und erste Rennen absagen? Wäre das angemessen?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Mercedes neues Lenksystem DAS, Aufregung um Racing Points Mercedes-Klon und natürlich die ewige Frage nach der Ferrari-Performance. Der Formel 1 mangelt es bei den Wintertestfahrten zur Saison 2020 wahrlich nicht an Themen. Dieses Jahr dreht sich die Königsklasse jedoch nicht nur um sich selbst. Mit dem Coronavirus beschäftigt die F1 ein externes Thema fast mehr als alle anderen zusammen.

Der China GP - in der Volksrepublik hat der Erreger seinen Ursprung - wurde bereits abgesagt, respektive auf unbestimmte Zeit verschoben. Zuletzt kamen Zweifel an der Austragung weiterer Rennen im ersten Saisonviertel auf, allen voran dem neuen Vietnam GP wegen jetzt strikter Einreisebestimmungen. Selbst der Saisonstart in Australien und der nur eine Woche später folgende Bahrain GP (Flugeinschränkungen aus Dubai und Singapur) sind in den Fokus geraten.

Formel-1-Teams reagieren auf Coronavirus

Noch dazu haben diverse Teams bereits Maßnahmen ergriffen oder ergreifen müssen. Ferrari etwa sperrte auf Anweisung der Regierung sämtliche Museen in Italien zu und verordnete intern diverse Maßnahmen im Hinblick auf Hygiene, Reisen & Co. McLaren verbietet in Barcelona jedem, der Länder mit Coronavirus-Infektionen besucht hat, den Zutritt zu seinem Motorhome. Ähnliches gilt für AlphaTauri.

Formel 1 2020: Coronavirus - Drohen noch mehr Rennabsagen?: (09:30 Min.)

„In der Fabrik mussten wir unsere Leute informieren, wie sie sich verhalten sollen. Wir wollen keine Besucher, auch hier beim Test nicht. Reisen sind ebenfalls eingeschränkt. All das geschieht, um Problemen vorzubeugen“, berichtet Teamchef Franz Tost in Barcelona. „Wir haben am Montag teamintern beschlossen, dass Reisen nur in notwendigen Fällen gemacht werden dürfen. Ansonsten sollen die Leute in der Fabrik bleiben, weil wir einfach alle Hebel in Bewegung setzen müssen, dass da nicht irgendjemand angesteckt wird.“

Tost: Wir fahren nach Australien!

Auch Flüge nach Melbourne wurden umgebucht. „Denn die meisten waren via Singapur oder Hongkong gebucht, das war nicht leicht“, so Tost. Abgeschlossen seien die Umplanungen noch nicht. „Es ändert sich ja alles stündlich, das macht es so schwierig“, sagt Tost. Ende nächster Woche sollen die ersten Mitarbeiten gen Down Under abheben. Doch noch steht eben nicht einmal fest, ob das Rennen wirklich ausgetragen werden kann. Wie gesagt: Die Lage ändert sich mehr stündlich denn täglich.

Doch Tost gibt sich optimistisch. „Wir fahren nach Australien, es ist ein schönes Land!“, scherzt der Österreicher auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. „Ich erwarte Stand jetzt nicht, dass da Probleme entstehen. Genauso in Bahrain. Sie prüfen dort, soweit ich informiert bin, wenn Leute aus Italien einreisen [im Motorsport jüngst durch einen anstehenden Formel-2-Test der Fall, Anm. d. Red.] mit einem Medizincheck. Wenn sie nicht krank waren und das Coronavirus nicht hatten, dann konnten sie dort natürlich auch arbeiten. Das ist in Ordnung. Ich erwarte dasselbe für die Formel 1.“

Formel 1 will fahren, aber Gesundheit geht vor

Unfair wäre es jedenfalls, sollten einzelne Teams - aktuell sind wegen der zuletzt stark gestiegenen Fallzahlen in Italien Ferrari und AlphaTauri besonders im Fokus - nicht an einem GP teilnehmen können, so Tost. Konkrete Hinweise, dass eine Absage akut droht, gibt es nach aktuellem Stand nicht. „Ich habe gerade mit Chase Carey gesprochen“, berichtet Tost am Freitagmittag in Barcelona.

Sobald es relevanten Nachrichten gebe, würde Liberty Media die Teams unverzüglich informieren.“ Aber das Beste ist, wenn wir gar keine Information bekommen, denn das bedeutet dann weiter so. Keine Information ist gute Information.“ Geht es nach Tost sollte die Formel 1 jedenfalls fahren.

„Die Formel-1-Entscheidung ist klar. Wir fahren Rennen! Das ist zumindest, wie ich das sehe. Deshalb ist es so schwierig, da irgendeine Entscheidung zu treffen. Wir sind abhängig von Regierungsentscheidungen, da kann sich dann leicht einmal etwas ändern“, sagt der Teamchef. „Ich denke aber, Melbourne wird da sehr offen sein für das Rennen.“

Falsch verstanden wissen will sich Tost dabei keinesfalls. „Wenn es um die Gesundheit und die Sicherheit der Leute geht, dann darf da nichts drüberstehen. Wir können nicht hergehen und sagen, wie machen ein Rennen, wissend, dass Leute krank werden, angesteckt werden können“, betont er. „Wenn wirklich Gefahr besteht für die Gesundheit, sei es jetzt der Mitarbeiter, sei es der Fan, der Zuschauer, dann kann man kein Rennen veranstalten.“

Saisonstart absagen? Epidemie in x Monaten überhaupt im Griff?

Der Knackpunkt im Hinblick Absagen sei jedoch ein anderer. Die langfristig unvorhersehbare Entwicklung der Lage. „Wenn du wüsstest, dass nach zwei Monaten alles vorbei ist oder nach drei. Dann könntest du sowas in Betracht ziehen“, sagt Tost auf Nachfrage, ob eine Absage der ersten drei oder vier Rennen nicht besser sei. „Aber wir wissen es ja nicht. Wo beginnst du und wo hörst du auf?“

„Wenn man die Berichte liest, manche sagen, es ist nicht so tragisch und wird alles nur hochgespielt und betrifft nur Leute, deren Immunsystem angegriffen ist, die älter sind und so weiter. Aber ansonsten kann eine Grippe bösartiger sein. Wenn du dann hergehst und sagst, okay, wir fahren die ersten vier Rennen nicht, aber in der Zwischenzeit, in diesen drei, vier Monaten gibt es 10.000 Leute mehr, die angesteckt worden sind, dann musst du sagen, jetzt sind wir am Anfang nicht gefahren, da hat es 10.000 weniger gegeben, dann dürfen wir jetzt erst recht nicht fahren. Das ist schwierig. Also: Wo beginnt das und wo hört das auf?“


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