Formel 1

Formel 1, Hülkenberg zollt Kubica Respekt: Schaffen nicht viele

Endstation Abu Dhabi. Für Robert Kubica wartet das letzte F1-Rennen. Nico Hülkenberg ist vom Polen beeindruckt: Hut ab vor Comeback nach Verletzung.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Für Nico Hülkenberg und Robert Kubica bedeutet das Formel-1-Rennen in Abu Dhabi den vorerst letzten Auftritt in der Königsklasse. Einst als Top-Talente in den Sport gekommen, könnte ihr Aus kaum unterschiedlicher sein. Hülkenberg verlässt die F1 letztendlich doch mit dem einen oder anderen weinenden Auge. Kubica hingegen hat trotz einer frustrierenden Saison eines seiner großen Ziele doch noch erreicht. Etwas, das Hülkenberg durchaus Respekt abverlangt.

Der Pole verlor bei seinem schweren Rallye-Unfall Anfang 2011 fast seinen rechten Arm. Nicht nur er glaubte lange Zeit nicht mehr daran, dass er wieder in die Formel 1 zurückkehren würde. "Mir war das schon klar, dass das für ihn nicht einfach wird und dass das eigentlich nicht sein kann, quasi mit nur einem gesunden Arm auf dem Niveau der anderen Jungs zu fahren", gesteht auch Hülkenberg.

Doch obwohl Kubica gegen Rookie-Teamkollege George Russell kein Land sah, schlug sich der 34-Jährige unter dem Strich wacker. Immerhin ist Russell als Formel-2-Champion und Mercedes-Junior zumindest was sein Potential angeht durchaus mit dem Kaliber eines Charles Leclerc zu vergleichen, während Kubica acht lange Jahre keine Rundstrecken-Rennen fuhr und dadurch auch ungeachtet seiner Verletzung schon völlig den Anschluss verloren hatte.

Kubicas Arm für Hülkenberg nie ein Risiko

Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve, heute als Chef-Kritiker des Fahrerlagers bekannt, sparte im Verlauf der vergangenen zwölf Monate nicht mit Kritik am Kubica-Comeback. "Ich denke, das ist schlimm. Es ist nicht gut für den Sport", hatte der Kanadier gesagt. "Die Formel 1 soll die Königsklasse des Motorsports sein. Es ist nicht gut für den Sport, wenn jemand mit einer Behinderung mitmachen kann."

Viele fürchteten angesichts der körperlichen Einschränkungen sogar, dass er mit den schnellsten Autos der Welt ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte. Und das, obwohl Kubica bereits 2017 bei Testfahrten problemlos ganze Renndistanzen für Renault und Williams absolvierte.

Hülkenberg sah das nicht. "Nein, eine Gefahr nicht", wiegelt er ab. Dass die Resultate im schwachen Williams und auch im Vergleich zum Stallgefährten nicht berauschend waren, schmälert Kubicas Leistung für ihn keineswegs. "Hut ab davor, dass er das doch so schafft. Ich glaube, das würden nicht viele schaffen", zollt er dem Mitstreiter seinen Respekt.

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Hülkenberg würde auf Negativrekord lieber verzichten

So seltsam es an diesem Punkt im Jahr 2019 scheint, tatsächlich wiesen die Karrieren der beiden Piloten in jungen Jahren einige Parallelen auf. Beiden ließen mit unterlegenem Material ihr Können aufblitzen, woraufhin ihnen lange Zeit eine glorreiche Zukunft bei Top-Teams wie Ferrari vorhergesagt wurde. Am Ende stehen bei beiden nicht die Zahlen zubuche, die sie sich ursprünglich erhofft hatten.

Hülkenberg wird die Formel 1, sofern am kommenden Sonntag kein Wunder passiert, mit 177. GP-Starts ohne Podest verlassen. "Das ist natürlich ein Fakt, aber es ist was es ist. Ich bin deshalb nicht verbittert. Natürlich hätte ich den [Rekord] lieber nicht. Aber es gab einige Gründe und immer irgendwelche Umstände, welche dieses Podest verhindert haben", sagt er.

Kubica hingegen hakte diesen Punkt auf seiner To-do-Liste bereits beim dritten Rennen ab. 2006 fuhr er in Monza hinter Michael Schumacher und Kimi Räikkönen das erste Mal auf das Podest. Insgesamt holte er in 96. Grands Prix zwölf Mal Edelmetall, inklusive eines Sieges 2008 in Montreal. Seine Ambitionen, an der Seite Fernando Alonso bei Ferrari um WM-Titel zu kämpfen, fielen seinem schweren Rallye-Unfall zum Opfer.

Hülkenberg weint Brasilien 2012 nach: Herz blutet immer noch

Nicht im dritten Rennen, aber in der zweiten Saison wäre auch Hülkenberg beinahe der Erfolg gelungen, der seiner Karriere eine ganz andere Richtung hätte geben können. 2012 in Brasilien kollidierte er im Kampf um den Sieg mit Lewis Hamilton und verlor dadurch ein sicheres Podest.

Dieses 39. Rennen seiner Karriere lässt den Emmericher auch sieben Jahre später nicht ganz los. "Ironischerweise saß ich letzte Woche im Bett und habe Sky Classic Races gesehen. Ich hatte gerade eingeschaltet und dann zeigten sie dieses Rennen. Ich lag immer noch in Führung und ich habe es mir alles nochmal angeschaut. Und mein Herz hat geblutet", erzählt Hülkenberg.

In Diensten von Force India hatte er im Regen von Interlagos, wo er 2010 im Williams sensationell auf die Pole Position gefahren war, abermals gezaubert. "Das war der Tag... vor dem Safety Car lag ich mit 50 Sekunden in Führung. Es war ein sehr besonderes Rennen, ein sehr besonderer Tag für einen sehr jungen Hulky", schmunzelt er. "Eine besondere Leistung für die Geschichtsbücher"

Dass ihm ein Erfolg an diesem Tag ganz neue Möglichkeiten hätte eröffnen können, kann er nicht abstreiten: "Vielleicht... möglicherweise. Es ist immer schwer zu sagen, was passiert wäre, wenn es nicht zu dieser Situation gekommen wäre. Ich weiß es nicht."


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