Formel 1

Formel 1, Hamilton und die Umwelt: So grün ist er wirklich

Lewis Hamilton sorgte mit einem Instagram-Post für mächtig Wirbel und wurde heftig für seine Doppelmoral kritisiert. So grün lebt Hamilton wirklich.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton sorgte in der vergangenen Woche einmal mehr in den Sozialen Medien für große Aufregung. In einer kryptischen Nachricht auf Instagram schrieb er: "Ehrlich gesagt, fühle ich mich gerade danach, alles hinzuschmeißen. Komplett runterzufahren. Die Welt ist ein kaputter Ort. Warum soll man sich kümmern, wenn die Welt ein solches Chaos ist und die Menschen nicht den Eindruck machen, dass sie das interessiert."

Anschließend erklärte Hamilton, worum es ihm wirklich ging. Er wollte nicht etwa die Rennhandschuhe an den Nagel hängen, sondern auf für den Umweltschutz aufmerksam machen. "Es macht mich so traurig zu sehen, dass so viele Leute, selbst enge Freunde, das ignorieren, was jeden Tag passiert", schrieb er. "Erziehung ist der Schlüssel, uns wurde beigebracht, dass es gut für uns ist, tierische Produkte zu konsumieren. Aber wir sind Hunderte von Jahren lang angelogen worden."

Heftige Worte des Formel-1-Weltmeisters, die längst nicht jedem gefielen. Schließlich ist Hamilton eher für Privatjet - den er inzwischen nicht mehr hat -, viele Transatlantikreisen und schnelle Autos bekannt. Auch Fernando Alonso warf seinem ehemaligen Konkurrenten Doppelmoral vor.

In der Pressekonferenz am Donnerstag in Mexiko war Hamiltons Post das bestimmende Thema. Die Kritik von Fernando Alonso wies er von sich: "Ja, wir reisen um die Erde und fahren Formel-1-Autos. Unser ökologischer Fußabdruck ist größer als der des Durchschnitts. Aber das heißt nicht, dass man sich davor fürchten muss, Dinge zu sagen, die man verändern kann." Hamilton gab tiefe Einblicke, wie er sein eigenes Leben der Umwelt zuliebe umgekrempelt hat: "Ich erlaube niemandem in meinem Büro oder in meinem Haushalt, Plastik zu kaufen. Alles sollte recyclebar sein, bis hin zur Zahnbürste."

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Mexiko GP: (10:06 Min.)

Seinen Einfluss nutzt Hamilton auch im geschäftlichen Bereich aus: Nahezu 70 Prozent der Kleidung seiner Modelinie seien bereits nachhaltig, gibt der Weltmeister an. "Das Ziel ist, 100 Prozent zu erreichen", sagte er. Auch mit seinem Arbeitgeber Mercedes arbeitet er daran, die Produkte - sprich die Fahrzeuge - nachhaltiger zu gestalten. Eine Baustelle sei unter anderem das Interieur aus Leder.

Als eine "große Veränderung" in seinen bisherigen Gewohnheiten beschreibt der Brite die Tatsache, dass er aktuell viel weniger Fliege als es in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. Außerdem nutze er nun Fluglinien und keine privaten Flüge mehr. "Ich versuche, am Ende des Jahres CO2-neutral zu sein", gab er als Devise aus.

Hamilton will außerdem bereits einige seiner Mercedes-Dienstwagen mit Verbrennungsmotor gegen Fahrzeuge mit Elektromotor eingetauscht haben. Dass er zudem seine Ernährung umgestellt hat und inzwischen vegan lebt, war schon vorher bekannt. Schließlich war das auch der Auslöser seiner Instagram-Story.

In den Augen des fünffachen Weltmeisters sollten die Kritiker nicht zu viel auf einmal erwarten: "Ich gucke immer, wie ich Dinge verändern kann. Es braucht Zeit und ich werde immer bewusster drüber." Außerdem betont er, dass das Bewusstsein über das Thema mit dem Wissen über die Auswirkungen zusammenhänge.

Aus diesem Grund mit dem Motorsport aufzuhören, kommt für Hamilton allerdings nicht in Frage. "Ich liebe Racing", erklärte er, fügte aber kritisch hinzu: "Die Formel 1 kann mehr tun. Aber sie hat einen Plan." Er sieht es auch in seiner Verantwortung, die Umsetzung des Plans voranzutreiben. "Wir müssen die Industrie und die Formel 1 pushen", lautete seine Ansage. Was eigentlich der Auslöser für seine Nachricht gewesen sei, wurde Hamilton in Mexiko gefragt. "Ich habe eine Dokumentation gesehen und fand es traurig zu sehen, dass die Dinge so sind und wir uns darüber nicht im Klaren sind. Das hat mich inspiriert, mehr zu tun." Die Unterstützung von den Fans und der Familie habe ihm schließlich gezeigt, dass der Post die richtige Entscheidung gewesen sei.


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