Noch heute wirkt die Szenerie der Podiumszeremonie des Großen Preises von Malaysia ebenso beeindruckend wie surreal. Zum einen stand dort in der tropischen Hitze von Sepang ein überglücklicher Drittplatzierter Nick Heidfeld, der strahlend und topfit den Champagner verspritzte. Auf der anderen Seite flankierte ihn ein Wechselbad der Gefühle: Ein körperlich vollkommen ausgelaugter Sieger Fernando Alonso und ein in sich geknickter Zweiter Jarno Trulli, der über den Tod seines besten Freundes trauerte.

Heidfelds Bruder Sven tat Nick in diesem Moment leid. An eine ausgelassene Feier seines zweiten Podestplatzes war nicht zu denken. Aber zumindest Svens Hoffnung auf eine baldige Wiederholung mit einer richtigen Jubelfeier sollte nicht lange auf ihre Erfüllung warten müssen.

Die Misserfolge bereiten Sir Frank schon lange Schmerzen., Foto: Sutton
Die Misserfolge bereiten Sir Frank schon lange Schmerzen., Foto: Sutton

Schon in Monaco stand Quick Nick das nächste Mal auf dem Podest - diesmal sogar auf dem zweithöchsten Treppchen. Eine Woche später durfte er bei seinem Heimspiel auf dem Nürburgring, nach seiner ersten Pole Position einen weiteren zweiten Platz bejubeln und mit Freunden sowie Familie feiern.

Der Saisonstart verlief für ihn und BMW-Williams also besser als angenommen und sogar besser als es die Verantwortlichen in Grove erwartet hatten.

Schließlich hatte Entwicklungschef Patrick Head noch vor dem ersten Saisonrennen in Melbourne prophezeit, dass man "zu Saisonbeginn noch nicht der Klassenprimus des Feldes" sein werde. Dennoch besitze der FW27 ein "großes Entwicklungspotenzial". Davon jedenfalls ging Head zu Saisonbeginn aus, als alle Welt mit einem erneuten Fehlstart der Weiß-Blauen rechnete und Windkanalprobleme als Entschuldigung vorgeschoben wurden.

"Es ist zutiefst beschämend und wir müssen uns in den nächsten Monaten schnell erholen", zeigte sich damals auch Frank Williams reumütig. "Aber wir werden unsere Performance mit einer schnelleren Rate denn je zuvor verbessern."

Nick hatte nicht immer das Material um die Schmerzen zu lindern., Foto: Sutton
Nick hatte nicht immer das Material um die Schmerzen zu lindern., Foto: Sutton

Das zu Jahresbeginn vom Teamboss ausgegebene Saisonziel "in die Erfolgsspur" zurückzukehren, konnte die britisch-bayrische Allianz trotzdem nicht erfüllen.

Ironischerweise begann der Leistungsabfall mit dem Debüt eines der von Sir Frank angekündigten Performance-Fortschritte. Nämlich des 'Mark II' getauften neuen Aerodynamikpakets. Mark II - Das klang wahnsinnig toll und unheimlich schnell; leider war es das aber nicht.

Nachdem Williams also nicht nur das zweite Fahrzeugdebüt eines komplett neuen Autos, sondern auch das zweite Debüt eines überarbeiteten Boliden innerhalb eines Jahres mächtig in den Kies gesetzt hatte, standen unzählige Testkilometer und Analysen auf dem Programm.

Am Steuer eines der unerwartet langsamen FW27 nahm unter anderem der junge Deutsche Nico Rosberg Platz. Dieser bestätigte uns, dass man zwischen Silverstone und Hockenheim in Jerez "Fortschritte erzielt" habe. Allerdings auf "anderen Gebieten" als man die noch unidentifizierten Probleme wähnte respektive noch immer wähne.

Das neue Bodywork bescherte nicht nur Sam Michael Kopfschmerzen., Foto: Sutton
Das neue Bodywork bescherte nicht nur Sam Michael Kopfschmerzen., Foto: Sutton

Nach zwei katastrophalen Wochenenden in Magny Cours und Silverstone, konnte das Team immerhin den Abwärtstrend stoppen und diesen in Hockenheim sowie besonders Budapest leicht ins Gegenteil umkehren. Aber von den hohen Ansprüchen des besten Formel 1 Rennstalls der Neunziger Jahre ist Williams immer noch kilometerweit entfernt.

Dabei hatte Frank Williams schon zu Jahresbeginn 2004 festgestellt, dass die sechs Jahre ohne Titelgewinn ihn "geschmerzt" hätten und es für ihn nur eine Frage gebe: Jene ob sein Auto vor allen anderen ins Ziel komme. "Von daher sind meine Ambitionen klar: Wir wollen jedes Rennen gewinnen, Ferrari die WM-Krone wegnehmen und unserer Chronik einen weiteren Titel hinzufügen." Seither gewann Williams von 31 Grand Prix nur einen einzigen.