Seit Jahren betreibt das kleine, aber höchst sympathische Minardi Team einen finanziellen Hochseilakt ohne jedwedes Sicherheitsnetz. Man darf sogar so weit gehen zu sagen, dass der von Gian Carlo Minardi gegründete Rennstall seit seinem F1-Einstieg ums nackte Überleben kämpft; und dies ohne jemals richtig die Chance gehabt zu haben Erfolge einzufahren.

In diesem Jahr ist aber etwas anders. Spätestens seit den ersten Rennen mit dem neuen PS05, dem ersten wirklich neuen Boliden aus Faenza seit einigen Jahren, hat sich ein entscheidender Faktor geändert: Minardi hat wieder einen Gegner.

Besonders deutlich, wenn auch auf eine erschreckende Art und Weise, wurde dieser Zustand des fortlaufenden Duells beim US 'Grand Prix' in Indianapolis. Als nur sechs Autos in der Startaufstellung Position bezogen und sich die Formel 1 der Lächerlichkeit preisgab, konnte jeder am hinteren Ende des Grid das Hinterbänklerduell klar erkennen: Zwei schwarz-weiße Minardi kämpften gegen zwei gelb-schwarze Jordan.

Paul Stoddart hatte es 2005 nicht nur mit Max Mosley zu tun..., Foto: Sutton
Paul Stoddart hatte es 2005 nicht nur mit Max Mosley zu tun..., Foto: Sutton

Zwar ging Jordan aus jenem entscheidenden Duell um WM-Zähler und den dritten freien Podestplatz als Sieger hervor, doch darf sich insgesamt nach dreizehn Rennen die kleine Truppe aus Faenza und Ledbury als moralischer Sieger des Duells um die letzten Startreihen sehen.

Wie fühlt es sich also an nach so vielen Jahren des Hinterherfahrens wieder einen echten Gegner auf der Strecke zu haben? "Es ist ein gutes Gefühl", sagt Teamchef Paul Stoddart. "Und es war schon lange überfällig."

Dabei verfolgte der Australier schon vor Saisonbeginn nur ein Ziel: Er wollte zu Jordan aufschließen und das Ex-Team von Eddie Jordan wenn möglich überflügeln. Gelingen sollte dies mit dem angeblich "radikalen" PS05 sowie dem neuen kraftvollen Cosworth-Aggregat.

Die erste Runde im Kampf Minardi gegen Jordan begann jedoch erst in Imola. Zuvor setzte man einen modifizierten Vorjahreswagen ein, der seinerseits noch ein mehrfach modifizierter Bolide der jeweiligen Vorjahre war. "Das hat uns etwas zurückgeworfen", gesteht Stoddart rückblickend ein.

Besonders problematisch gestaltete sich für das finanziell chronisch angeschlagene Team die Tatsache, dass man die geplanten Testfahrten absagen und stattdessen den PS04B an das neue Reglement anpassen musste. Ein Aufwand, den Stoddart eigentlich zu umgehen gedachte, was Max Mosley aber berechtigterweise nicht zuließ.

Aber nicht nur die Testfahrten der Italiener belaufen sich Jahr für Jahr auf eine verschwindend geringe Kilometeranzahl. Auch die Windkanalstunden sind im Vergleich zur Konkurrenz "bei Null" anzusiedeln. "Wir haben ein Potenzial von weiteren drei Sekunden im Auto, welches wir ausnützen müssen", verriet Stoddart im Gespräch mit unserem Kollegen Adam Cooper für Autosport-Atlas. "Aber wir verbringen nur 40 Stunden pro Monat im Windkanal, also vier Tage zu zehn Stunden. Die meisten anderen Teams betreiben zwei Windkanäle 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und an 365 Tagen im Jahr."

Die demzufolge beeindruckenden Vorstellungen seines Teams im Kampf gegen Jordan seien somit ein Zeugnis der "Fähigkeiten und unglaublichen Hingabe" der Minardi-Crew. "Minardi bedeutet Leidenschaft. Es geht darum niemals aufzugeben."

Hat Minardi die Nase 2006 weiter vorne?, Foto: Sutton
Hat Minardi die Nase 2006 weiter vorne?, Foto: Sutton

Folgerichtig planen Stoddart und sein Team auch im kommenden Jahr nicht aufzugeben. Ganz im Gegenteil: Sie wollen auch 2006 den Kampf gegen Jordan und um WM-Punkte aufnehmen. Eine wichtige Hilfe ist ihnen dabei das Reglement, welches es ihnen erlaubt mit einem gedrosselten V10-Aggregat an den Start zu gehen.

"Wir sind das einzige Team, das heute schon genau die Charakteristiken und Leistungsdaten seines Motors für die nächste Saison kennt", zeigt Stoddart den Vorteil auf. "Das bringt uns in eine wahnsinnig starke Ausgangslage."

Der Australier ist sich deshalb sicher, dass sein "kleines Team" im kommenden Jahr "ein starkes Auto mit einem starken Motor" besitzen wird. "Damit können wir um Punkte kämpfen. Es ist endlich ein Zeitpunkt gekommen, in welchem Minardi sich richtig gut schlagen könnte."