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Formel 1 Russland 2019: Die heißesten Fragen zum Rennen

Ferrari reist mit Hattrick im Gepäck nach Sotschi. Haben Mercedes und Red Bull eine Antwort auf die rote Siegesserie? Die Brennpunkte für den Russland GP.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 spurtet durch den September. Nur eine Woche nach dem Rennen in Singapur steht am kommenden Sonntag der Grand Prix von Russland auf dem Programm. Nach der anfänglichen Mercedes-Dominanz hat die Saison mit Siegen von Red Bull und Ferrari im Sommer eine unerwartete Wendung genommen. Finden die Weltmeister eine Antwort auf die wiedererstarkte Konkurrenz? Die Brennpunkte für Sotschi.

#1 Kann Ferrari die Siegserie fortsetzen?

Mit 96 Punkten Vorsprung auf Charles Leclerc müsste Lewis Hamilton bei noch sechs ausstehenden Rennen eigentlich ruhig schlafen können. Doch an den vergangenen fünf Wochenenden waren der Brite und sein Team nicht mehr die Hauptdarsteller. Lediglich in Ungarn war Mercedes in dieser Zeit siegreich, und das auch nur wegen einem gelungenen Strategie-Poker.

In Sachen Performance hat Ferrari mit drei Siegen das Kommando übernommen - und nach Singapur muss mit den Roten nun offenbar überall gerechnet werden. "Sotschi könnte der nächste Ferrari-Kurs sein", mahnt Valtteri Bottas. Denn nachdem Ferrari mit dem Topspeed-Wunder SF90 in Spa und Monza als Favorit ins Wochenende ging und abräumte, wurde den Italienern für das Nachtrennen eigentlich die dritte Geige hinter Mercedes und Red Bull prophezeit.

Ob es die Singapur-Updates waren oder ob Ferrari beim Setup eine Patentlösung für die Probleme der ersten Saisonhälfte gefunden hat, lässt sich nach nur einem Rennen schwer sagen. Außer Frage steht hingegen, dass die Moral der gebeutelten Scuderia und ihrer Piloten sich nach den Erfolgserlebnissen auf einem absoluten Hoch befindet, während Mercedes sein Mojo verloren hat. Ferrari ist damit in jedem Fall in der Rolle des Gejagten.

#2 Revanchiert sich Bottas in Sochi für die Teamorder?

Schicksalsort Sotschi: Valtteri Bottas und das Autodrom verbinden Triumph und Trauma. 2017 fuhr der Finne in Russland seinen ersten Sieg ein, vor genau einem Jahr wurde das Rennen am Schwarzen Meer für ihn zum Karrieretiefpunkt. Nach einer schwierigen Saison endlich auf Siegkurs liegend, musste er der Anweisung vom Team Folge leisten und Lewis Hamilton vorbeilassen.

Ein Jahr später ist Bottas mental zweifelsohne in einer besseren Verfassung. Zwar liegt sein letzter Sieg in Baku fünf Monate zurück, doch der Finne hält trotz Durststrecke seine Motivation am Leben und bleibt dadurch weiter gefährlich. Daran ändert auch die kürzlich in Singapur zu seinem Nachteil ausgesprochene Stallregie nichts. Weder ging es um den Sieg, noch war es eine Demütigung wie vor einem Jahr in Sotschi.

Ferrari-Siegserie: Ende der Mercedes-Dominanz?: (16:47 Min.)

Auf einer seiner Paradestrecken muss man Bottas kommenden Sonntag auf der Rechnung haben. Auch, weil er häufig der schnellere der beiden Silberpfeil-Piloten war, wenn es bei Mercedes mal nicht perfekt lief. Möglicherweise kommen für Bottas damit die für einen Sieg notwendigen Faktoren zusammen und er wird derjenige sein, der die Serie von Ferrari beendet. Auch statistisch stehen die Chancen gut: Mercedes gewann jeden der fünf bisherigen Russland GP.

#3 Wie geht es weiter im Duell Vettel vs. Leclerc?

Der erste Sieg seit über einem Jahr wird in Sebastian Vettel zweifelsohne neue Motivation freisetzen, mit der er in den vergangenen Monaten zunehmend zu hadern schien. Allerdings hat sein Triumph in Singapur auch einen Haken, und der heißt Charles Leclerc. Vettel zeigte ein starkes Wochenende, doch der Monegasse war erneut der schnellere Mann im Team.

Im Qualifying hatte Leclerc auf jede von Vettels Runden eine Antwort und im Rennen wäre er ohne die Niete in der Strategie-Lotterie kaum hinter den Heppenheimer zurückgefallen. Sein Unmut über den unverschuldeten Verlust des Sieges wird den Youngster nur noch mehr antreiben.

Formel 1 2019: Sieg als Befreiungsschlag für Vettel?: (24:27 Min.)

Die Kombination des ohnehin schon völlig entfesselten Selbstvertrauens von Leclerc und einem revitalisierten Vettel, der nun möglicherweise wie zu besten Red-Bull-Zeiten die Ellenbogen ausfährt um die Machtverhältnisse klarzustellen, birgt großes Konfliktpotential. Ferraris momentane Form macht die Lage nur noch brisanter. Wenn es um Siege geht, will keiner der Fahrer Gefangene machen.

#4 Erholt sich Red Bull vom Rückschlag in Singapur?

Max Verstappen rief nach dem Rennwochenende in Singapur beinahe schon den Notstand aus. Der Niederländer hatte genau wie sein Team erwartet, auf dem Marina Bay Street Circuit um den Sieg zu kämpfen. Doch früh wurde klar, dass Red Bull hinter Ferrari und Mercedes nur die dritte Geige spielt. Der dritte Platz am Sonntag war der Strategie geschuldet und für Verstappen nicht genug: "Ich würde sagen, das ist ein kleiner Weckruf."

Ob Red Bull aufwacht, ist fraglich. Bisher war Russland für die Österreicher kein gutes Pflaster. Kein Sieg, keine Pole, ja nicht einmal einen Podestplatz fuhren die Bullen dort bisher ein. Dr. Helmut Marko erklärte die schwache Singapur-Performance hinterher zwar mit einem Irrweg im Simulator, doch in Sotschi muss vor allem die Philosophie des Autos passen.

Was das angeht trägt der RB15 immer noch die Gene seiner Vorfahren in sich. Red Bull wird sich auf einen Kraftakt einstellen müssen, um Ferrari und Mercedes Konkurrenz machen zu können. Andererseits ist Verstappen immer für eine Überraschung gut. Vielleicht macht der Teamleader auch in Russland das Unmögliche möglich.

#5 Wer wird vierte Kraft?

McLaren war in Singapur klar die stärkste Kraft im Mittelfeld. Nach zwei schwierigen Wochenenden in Spa und Monza sind die Briten wieder auf Kurs. In Russland ging das Team die vergangenen zwei Jahre zwar leer aus, doch mit dem MCL34 sollte ohne jeden Zweifel mehr gehen. Die Dominanz aus Singapur zu wiederholen dürfte aber schwierig werden.

Alfa Romeo und Racing Point waren letzte Saison in Russland bärenstark. Beide Teams sind auch momentan gut aufgelegt und könnten McLaren auf dem Sochi Autodrom gefährlich werden. Haas hingegen dürfte angesichts der anhaltenden Krise auch auf einer der einst stärksten Strecken ein schwieriges Wochenende haben. Ebenso Renault, die 2018 in Russland einen ihrer schlechtesten Tage hatten und auch dieses Jahr recht unbeständig sind.


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