Formel 1

Formel 1 nach F3-Crash in Monza: Debatte um Wurst-Kerbs

Der schwere Unfall eines Formel-3-Piloten nach Kerb-Berührung in Monza wirft für die Formel 1 Fragen auf. FIA analysiert, Fahrer kritisieren Sicherheit.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Am Monza-Wochenende sorgte wieder eine Nachwuchs-Serie der Formel 1 für Schlagzeilen und in Folge für eine Sicherheitsdebatte. Am Samstag crashte Alex Peroni im Formel-3-Rennen in der Parabolica spektakulär. Nachdem er weit in die asphaltierte Auslaufzone gerutscht war, nahm er einen dort verschraubten hohen Wurst-Kerb voll mit.

Als Folge hob sein Auto ab und flog meterweit durch die Luft, ehe es mit dem Cockpit voraus in Reifenstapel und Fangzaun einschlug. Peroni kam mit gebrochenem Wirbel davon. Die FIA-Rennleitung reagierte sofort: Noch vor dem letzten F1-Training wurde der Kerb abgebaut. Die Debatte um hohe Kerbs und asphaltierte Auslaufzonen hatte da aber gerade erst begonnen.

Formel-1-Fahrer von Flugeinlage in Monza überrascht

"Ich hätte nie gedacht, dass so ein kleiner Kerb da so eine große Auswirkung haben könnte", sagt Daniel Ricciardo danach. Andere Fahrer, wie Carlos Sainz, Lando Norris oder Alex Albon, zeigten sich genauso überrascht. Der Kerb an der Ausfahrt der Parabolica ist nur kurz, und wurde dort vor einigen Jahren platziert. Ziel war, die Fahrer dadurch zu zwingen, wieder auf die Strecke zu schwenken. Eine weite Linie durch die dort seit einiger Zeit asphaltierte Auslaufzone bringt nämlich viel Tempo und Schwung für die Zielgerade.

Ähnliche Kerbs, aufgrund ihrer Form "Sausage-Kerbs", sprich Wurst-Kerbs genannt, sind häufig auf Formel-1-Strecken anzutreffen. Meistens innen am Scheitelpunkt von Kurven, oft auch am Ausgang. Immer sollen sie Verstöße gegen Track Limits verhindern. Genauso gut können sie aber Autos aushebeln, Aufhängungen zerstören, und im schlimmsten Fall für eine Flugeinlage sorgen.

Alex Peronis Monza-Flug war nicht das erste Mal. 2014 etwa rutschte im GP3-Rennen von Spa Konstantin Tereshchenko rückwärts über einen hohen Wurst-Kerb am Scheitelpunkt der Bus-Stop-Schikane und flog meterweit durch die Luft, bevor er sich in der Auslaufzone überschlug.

Formel-1-Fahrer warnen: Hohe Kerbs gefährlich und sinnlos

"Ich denke, viele Kerbs um die Strecke herum können einen großen Unfall auslösen", merkt Lando Norris an. "Aber nur, wenn etwas ungewöhnliches passiert." Und nicht alle Fahrer geben sich überrascht über den Peroni-Unfall. Nico Hülkenberg wird deutlicher: "Ich will nicht sagen, dass das überfällig war, aber wir haben so oft gesagt, dass diese Kerbs gefährlich sind."

Romain Grosjean ergänzt: "Dieser Wurst-Kerb hat dort nichts zu suchen. Warum ist der dort? Weil dort Asphalt ist. Wir wollen überall Kiesbetten!"

Hohe Kerbs sind in Schikanen oft zu finden - Foto: LAT Images

Für Grosjean ist die asphaltierte Auslaufzone genauso ein Problem wie der Kerb. Nicht weil er gefährlich ist, sondern weil nur aufgrund des Asphaltes dort überhaupt so ein Kerb installiert werden musste: "Zwei Jahre lang habe ich gebeten, dort Kies statt Asphalt zu haben." Auch Lewis Hamilton und Charles Leclerc äußerten einen Wunsch nach einem Kiesbett oder einen Grasstreifen.

Formel 1 nach wie vor mit Track-Limit-Problemen

Die hohen Kerbs sind nach Monza jedenfalls auf der Untersuchungs-Liste der FIA gelandet. "Die Sicherheits-Abteilung hat schon begonnen, das zu analysieren", sagt Formel-1-Rennleiter Michael Masi. Viel kann er noch nicht sagen - nur, dass der Kerb wohl nicht, wie manche vermuteten, schon vor der Kollision locker war.

Generell verteufeln will Masi Wurst-Kerbs noch nicht: "Ich glaube, du kannst da gar nicht generalisieren. Das war ein außergewöhnlicher Unfall." Von FIA-Seite sind also aktuell keine Umbauten auf den nächsten Strecken geplant, erklärt Masi: "Nein, ich glaube unser aktueller Ansatz bleibt so."

In Österreich kommen hohe Wurst-Kerbs in mehreren Kurven zum Einsatz - Foto: LAT Images

Wenn Änderungen kommen, dann nach sorgfältigen Untersuchungen. Was Track Limits und das Abkürzen angeht, so würde Masi eine Lösung wie in Spa, genauer gesagt in Raidillon, bevorzugen. Dort wurden Sensoren aufgebaut, die der Rennleitung automatisch meldeten, ob ein Auto mit allen vier Rädern die Strecke verlassen hatte. Im Training und Qualifying wurden diese Zeiten gestrichen, im Rennen gab es dafür drei Warnungen, dann eine schwarz-weiße Flagge, dann eine Strafe.

Aber Masi ist offen für alles: "Ein Kiesbett zurückbringen? Ein doppelter Kerb? Gras? Das sind alles verfügbare Lösungen, die müssen wir alle anschauen. Ist diese Lösung unter diesen Umständen optimal? Bei ein paar Sensor-Schleifen kommt es einfach auf dem Bildschirm und ist erledigt. Ich würde nichts ausschließen. Man kann nicht einfach sagen 'so, das machen wir'. Da gibt es viele Faktoren, die zu beachten sind."

"Verschiedene Kurven haben verschiedene Profile, Geschwindigkeiten, alles", erinnert Masi. Entscheidungen stehen auf Fallbasis an. Zumindest die Fahrer haben da eine etwas einfachere Vorstellung, wie Daniel Ricciardo sagt: "Wir wissen, wir können die bei keinen Highspeed-Kurven haben."


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