Formel 1

Formel 1, Vettel räumt in Monza Stroll ab: Keine Art und Weise

Sebastian Vettel warf in Monza sein Rennen weg. Erst Dreher, dann 'unsafe rejoin' plus Kollision mit Lance Stroll. Der Ferrari-Pilot nimmt Schuld auf sich.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Während Charles Leclerc mit seinem Sieg im Formel-1-Rennen in Monza endgültig die Herzen der Tifosi eroberte, erlebte sein Ferrari-Teamkollege Sebastian Vettel in Italien den nächsten Sonntag zum Vergessen. Bei seinem Dreher in der Anfangsphase leistete sich der viermalige Weltmeister gleich zwei Fehler auf einmal. Die Strafe für den 'unsafe rejoin' akzeptierte er ohne Umschweife.

"Ich habe schon mit Lance gesprochen. Ich habe ihn nicht gesehen und die Art und Weise, wie ich da zurückgekommen bin, war natürlich nicht gut", nimmt Vettel die Schuld am RTL-Mikrofon auf seine Kappe. Nach seinem Dreher am Eingang der Variante Ascari war er ohne den Verkehr zu beachten von der Wiese zurück auf die Strecke gefahren.

Dabei erwischte er mit seinem Frontflügel das rechte Hinterrad das vorbeifahrenden Racing-Point-Piloten Lance Stroll, der sich daraufhin drehte. Während der Kanadier das Rennen mit seinem 'unsafe rejoin' seinerseits fortsetzte, musste Vettel für eine neue Nase an die Box kommen. Bis dahin hatte er an vierter Position hinter Valtteri Bottas gelegen.

Vettel pusht zu hart: Eine kleine Unachtsamkeit

"Ich glaube, ich kam ein bisschen näher an Valtteri heran und dann war es eine kleine Unachtsamkeit und ich habe das Auto verloren", erklärt Vettel seinen Fahrfehler. Der 32-Jährige wurde in der ersten Linkskurve der Variante Ascari von einem Übersteuern überrascht, das er nicht mehr erfolgreich einfing.

"Ich habe das Heck am Eingang leicht verloren, und dann immer mehr bis ich es nicht mehr halten konnte", sagt er. Das unsichere Einfädeln erklärt er mit der Hektik, die bei ihm nach dem Dreher im Cockpit herrschte.

"Ich habe ein paar Mal versucht die Gänge zu finden, um den Anschluss wieder herzustellen. Das hat ein bisschen länger gedauert, aber man schaut in dem Moment nicht nach links wer da kommt. Da war keine Absicht dahinter", stellt Vettel klar. Stroll versuchte auszuweichen, doch es passte gerade so nicht.

Vettel kollidiert in der Variante Ascari mit Stroll - Foto: LAT Images

Stroll ohne Chance: Vettel hat ganze Strecke blockiert

"Ich habe alles getan, was ich konnte", so der Kanadier. "Ich war extra vorsichtig wegen der gelben Flaggen und bin vom Gas gegangen, habe mich an die Regeln gehalten. Aber er kam einfach zurück auf die Strecke, mitten in der Ascari. Ich konnte nichts tun, um ihm auszuweichen, selbst bei der geringen Geschwindigkeit. Er hat einfach die gesamte Strecke blockiert und mich touchiert."

Die Rennleitung sprach für das Vergehen eine 10 Sekunden Stop-and-Go-Strafe gegen Vettel aus. Jegliche Chancen auf den Sieg, den Teamkollege Charles Leclerc daraufhin mit den Mercedes-Teamkollegen unter sich ausmachte, waren für ihn aber sowieso längst gegessen: "Mit dem Dreher war klar, dass der Zug nach vorne abgefahren ist."

Vettel überquerte die Ziellinie schlussendlich als 13. und blieb damit nach Silverstone zum zweiten Mal in der laufenden Saison ohne Punkte. Wieder war es ein eigener Fehler, der dem Ferrari-Piloten ein gutes Resultat kostete.

Vettel frustriert: Mit meiner Leistung nicht zufrieden

Dass der junge Teamkollege mit seinem zweiten Sieg in Folge mittlerweile ein starkes Momentum hat, spielt für ihn deshalb keine Rolle "Na ja, ich bin nicht zufrieden mit meiner Leistung", so Vettel. "Was die andere Seite der Garage angeht, ist das dann eigentlich egal. Natürlich war es ein guter Tag für das Team, aber kein guter für mich."

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto fühlte nach dem Rennen mit seinem Fahrer. "Es ist schade für ihn, denn er hatte heute den Speed und war in einer guten Position. Er ist näher an Bottas herangekommen und war gerade im DRS-Fenster", so der Italiener gegenüber RTL. "Dann hat er diesen Fehler gemacht und sein Rennen weggeworfen."

Binotto schützt Vettel: Werden ihn wieder aufbauen

Gleichzeitig stellte er sich abermals schützend vor Vettel. "Das ist wirklich schade, aber das ist ein Teil des Motorsports. Die Autos sind auf dieser Rennstrecke sehr schwer zu fahren, und andere Fahrer haben ja auch Fehler gemacht. Charles zum Beispiel, in der ersten Kurve", sagt er.

Nachdem Vettel nun über ein Jahr kein Rennen mehr gewonnen hat und sich obendrein einem Teamkollegen erwehren muss, der immer stärker wird, weiß Binotto um die ihm nun bevorstehende Aufgabe: "Wir werden mit ihm darüber reden, wir werden ihn jetzt wieder aufbauen. Das ist wichtig für ihn und auch für uns."

Die kommenden Wochen werden für Vettel auch aus einem anderen Grund kritisch. Neben der Stop-and-Go-Strafe erhielt der für sein regelwidriges Manöver drei Strafpunkte und hat damit nun neun auf seinem Konto. Fängt sich ein Fahrer innerhalb von zwölf Monaten zwölf Strafpunkte ein, wird er für ein Rennen gesperrt. Für Vettel verjähren erst mit dem Rennen in Suzuka am 13. Oktober wieder Strafpunkte.


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