Formel 1

Formel 1, Mercedes' Kühlungsdrama: Hitzewelle als WM-Changer?

Mercedes musste in Spielberg die erste Formel-1-Pleite 2019 einstecken. Kühlung fraß Performance. Macht die Hitzewelle in Europa die WM nun wieder spannend?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Mercedes war der große Verlierer des Österreich GP 2019. Wie schon im Vorjahr erwischten die Silberpfeile ausgerechnet beim Heimrennen von Teamchef Toto Wolff ein schwarzes Wochenende. Einen Doppelausfall gab es zwar nicht gleich wieder zu verkraften, aber den ersten verpassten Sieg der Formel-1-Saison 2019.

Und das nicht zu knapp. Valtteri Bottas und Lewis Hamilton waren völlig chancenlos. Allerdings nicht ohne Not. Im Gegenteil. Wie Mercedes verriet, wäre die Pace schon da gewesen. Wäre da nur die unfassbare Hitze in Spielberg nicht gewesen.

Mercedes: Wussten um diese Achillesferse

Deshalb habe man die Motoren drastisch herunterdrehen müssen, durch extreme Öffnungen zur Kühlung auch Bodywork-seitig Performance geopfert, um ja keine zweite Nullnummer wie vor Jahresfrist einzustecken. Schadenbegrenzung also.

Überrascht war Mercedes von diesen Problemen nicht einmal. "Wir wussten, dass es unsere Achillesferse ist. Wir schleppen das Problem seit dem Saisonstart mit uns", sagte Wolff. Das Ausmaß jedoch schockte zumindest Bottas dennoch. "Es war schlimmer als erwartet", so der Finne. "Wir waren darauf eingestellt, Lift & Coast zu betreiben, aber nicht derart viel. So haben wir größere Batzen Zeit verloren als erwartet."

Wetter: Europa-Hitzekeule gefährlich für Mercedes?

Aussagen, welche die Silberpfeile nun vor den kommenden Wochen zittern lassen. Mehr als das übliche Tiefstapeln, Understatement und Warnen. Immerhin befindet sich Europa aktuell in einer regelrechten Hitzewelle. Zwei der drei kommenden Grands Prix - Deutschland und Ungarn - gelten noch dazu ohnehin als häufige Hitzerennen.

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Macht das die Formel-1-WM bis zur Sommerpause doch noch einmal spannend? Wir Mercedes erst einmal weiter leiden? "Erst einmal hoffe ich wirklich auf das typisch englische Wetter in Silverstone [das kommende Rennen], sodass wir etwas Zeit gewinnen, um unsere Probleme auszusortieren", scherzt Wolff noch. "Aber dann - gar keine Frage - gibt es keine Alternative, als unsere Probleme für die kommenden Europa-Rennen in Hockenheim und Budapest zu beheben. Es gibt einfach keine andere Option", weiß Wolff.

Wolff hofft auf kühles Silverstone: Zeitpuffer für Reaktion

Hamilton unterdessen vertraut darauf, dass sich ein Ausmaß wie auf dem Red Bull Ring ohnehin wohl kaum mehr zeigen werde. "Ich weiß gar nicht welche Kurse bis Budapest noch anstehen. Ich muss mich noch mit dem Team austauschen, aber ich denke nicht, dass es an vielen Orten so sein wird. Aber ich bin sicher, dass es nochmal so wird, vielleicht in Mexiko", sagt der Weltmeister.

Dabei handelt es sich um kein zufälliges Beispiel. In Spielberg verschärfte auch die dünnere Luft durch die größere Höhenlage als üblich die Kühlungsprobleme, Mexiko liegt nur noch höher. Das jedoch spendet zumindest für den Rest wieder etwas Entwarnung. In Hockenheim, Budapest droht somit nur die Hitze allein.

Mercedes: Schmerzgrenze bei 26 bis 27 Grad

Wobei das bereits mehr als genug ist, hört man sich nur die Mercedes-Schmerzgrenze in Sachen Temperaturen an. "Ich denke, wir hatten heute 34 oder 35 Grad. 28 in Le Castellet waren das Limit. Also sind es 26 oder 27", sagt Wolff.

Mercedes in Hitzesorgen - da hilft auch der kühlste Finne nichts - Foto: LAT Images

Das jedoch reicht jedem im Mercedes-Lager daher, um auf eine Lösung zu drängen. "Wir müssen daraus lernen und Verbesserungen treffen, denn es kommen noch mehr heiße Rennen", sagt Valtteri Bottas. "Es war wirklich sehr heikel, wir waren die ganze Zeit am Limit. Und dieser Motor muss natürlich noch viele, viele Rennen halten. Deshalb haben wir auf Nummer sicher gespielt."

Hamilton gewarnt: Die anderen konnten voll pushen

Auf Dauer geht das jedoch nicht. Trotz eines noch immer komfortablen WM-Vorsprungs in beiden Wertungen ist es für reines Verwalten selbst für Mercedes zu früh. Zumal die Konkurrenz hier nicht im Ansatz Schwäche zeigte. "Ich bin nicht sicher, warum wir das Problem hatten und die anderen da gar nichts machen mussten, die ganze Zeit pushen konnten, wie es in der F1 auch sein sollte", schildert Hamilton.

Selbstgefällig sei Mercedes jedoch keinesfalls gewesen. "Wir wussten ja schon, dass es schwierig werden würde. Die Jungs haben sehr hart gearbeitet. Es war einfach einer dieser Tage", meint Hamilton. Oder doch etwas mehr, wie die Wolff-Aussage von der Achillesferse mehr als verdeutlicht?

Eines sei jedenfalls klar, so der Österreicher. "Es war ein schlechter Tag für uns, aber wie wir zu sagen pflegen, sind es die schlechten Tage, an denen wir am meisten lernen, um stärker zurückzukommen", sagt Wolff mit seiner Lieblingswarnungen im Fall selten gewordener Mercedes-Niederlagen. "Die Frage ist also nicht, wie oder ob wie reagieren. Wir werden reagieren!"


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