Formel 1

Formel 1, Österreich: Renault im Teufelskreis des Red Bull Ring

Bei Renault passte es am Freitag in Spielberg vorne und hinten nicht. Hülkenberg & Ricciardo weit hinter Top-10. Balance und Rhythmus fehlen. Fahrer ratlos.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Renaults Achterbahnfahrt in der Formel-1-Saison 2019 ist offenbar noch nicht vorbei. Nach zuletzt starken Wochenenden waren Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo am Freitag in Österreich nach langer Zeit wieder chancen- sowie ratlos. Der R.S.19 bockt in der Steiermark mit der Balance und einem ungewöhnlichen Flatterflügel. Hülkenberg außerdem mit Kleinholz im FP1 und beim Motoren-Update weiter auf der Warteliste.

"Das war einfach eine kleine Unaufmerksamkeit. Blöd von mir", nimmt Hülkenberg den kleinen aber verhängnisvollen Fehler am Vormittag auf seine Kappe. Er hatte zwischen den beiden letzten Kurven die aggressiven Kerbs abseits der Track Limits etwas zu hart überfahren und sich dabei das Auto verhältnismäßig stark beschädigte.

"Das hat mir den Frontflügel zerschlagen, die Bargeboards waren komplett weg. Da war einiges im Eimer", sagt er gegenüber Motorsport-Magazin.com und kritisiert selbst als Verfechter der Track Limits die Kerbs auf dem Red Bull Ring: Ich habe einen Fehler gemacht und den Preis gezahlt. So sollte es auch sein. Aber dass wir von diesen Kerbs solche Schäden davontragen, ist vielleicht etwas extrem."

Renault fehlt Anschluss ans Mittelfeld

Am Ende des Tages war sein Malheur im ersten Training sein geringstes Problem. Die in Mitleidenschaft gezogenen Teile wären für das FP2 sowieso gewechselt worden. Mit den Positionen 16 und 17 für ihn und den Teamkollege konnte man im Lager der Franzosen alles andere als zufrieden sein.

"Es war heute nicht so viel, was wirklich rund und gut lief", sagt Hülkenberg. "Wir haben heute einfach keine gute Balance gefunden und den Rhythmus dann natürlich auch nicht. Demensprechend hat sich das natürlich auch auf der Stoppuhr bemerkbar gemacht." Auf die Top-10 fehlten drei Zehntel - auf einer nur knapp über eine Minute langen Runde eine Welt.

"Am Morgen war es noch okay, dann haben alle mehr Zeit gefunden und wir nicht", sagt Ricciardo, der vor allem die Balance auf der Hinterachse als Ursache ausgemacht hat: "Uns fehlt im Moment hinten der Grip. Das ist das große Problem." Mit dem bei offenem DRS massiv flatternden Hauptelement des Heckflügels hatte das aber nichts zu tun. "Ich habe nichts davon gemerkt", so Hülkenberg.

Hülkenberg: Renault in Spielberg im Teufelskreis

Was der 31-Jährige hingegen schon merkte, war die festgefahrene Situation bei der Setup-Irrfahrt. "Ein oder zwei Sachen haben schon ein bisschen etwas bewirkt, aber eher verschoben als verbessert, würde ich sagen. Also die Lösung haben wir nicht gefunden." Nach dem Aufschwung der letzten Rennen kommt die Ernüchterung in Spielberg für ihn aber gar nicht einmal so überraschend.

"Diese Rennstrecke hat ihre eigenen Gesetze. Und mit dem Auto, das wir dieses Jahr haben, hatte ich schon befürchtet, dass das hier nicht so gut zusammenpasst", sagt er. Er vermutet, dass sein Auto die Kerbs nicht so gut schluckt wie die Konkurrenz: "Diese großen Kerbs am Ausgang, wo es hoch und runter geht. Es fühlt sich so an, als ob wir mehr Abtrieb verlieren als die Konkurrenz."

"Dadurch rutschen wir mehr, was zu noch heißeren Reifen führt und noch weniger Grip. Das ist so ein Teufelskreis. Denn auf dieser Strecke musst du die Kerbs nutzen, sonst hast du zwei Meter weniger Strecke und fährst die Kurven viel langsamer." Er bleibt dennoch optimistisch, was den Sprung in die Top-10 angeht: "Ich glaube, wir können über Nacht schon noch etwas bewirken."

Ricciardo sieht positiven Ansatz für Renault

Das einzig Positive ist laut Ricciardo, dass er und Hülkenberg im gleichen Boot sitzen. "Nico und ich kämpfen mit den gleichen Problemen in denselben Bereichen. Zumindest gibt dem Team das eine Richtung, die sie verfolgen und verstehen können, ohne durcheinander zu geraten", so der Australier.

Sollte es nicht klappen, hält er das Q3 am Samstag ohnehin nicht für sonderlich erstrebenswert. Ähnlich wie am vergangenen Wochenende in Frankreich sieht er den Soft-Reifen bei den heißen Temperaturen als Schwarzen Peter: "Ich denke, der Medium wird fürs Quali ein guter Reifen sein. Auf Soft zu starten ist nicht wünschenswert. Ich will zwar ins Q3, aber vielleicht will ich es eigentlich gar nicht."

Renault-Update für Hülkenberg noch nicht abgeschrieben

Hülkenberg hat sich über das Qualifying noch gar keine Gedanken gemacht: "Wir haben noch nicht so weit vorausgeschaut an diesem Wochenende. Wir haben Pace- und Balance-Probleme und wir müssen die in den Griff bekommen. Was die Strategie angeht, weiß ich noch nichts."

Am Ende könnten sämtliche dieser Überlegungen für ihn sowieso hinfällig sein. Es besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass seinem R.S.19 am Samstag doch noch die neueste Ausbaustufe der Power Unit verpflanzt wird - so zumindest der Plan. "Es ist noch nicht bestätigt. Aber es sieht etwas besser aus als gestern, es besteht mehr Hoffnung", erklärt er.

Die damit einhergehende Grid Penalty von fünf Positionen wäre an einem derart schwierigen Wochenende wohl leichter zu verkraften. Hülkenberg wäre das Update die Strafe wert: "Strafen sind immer schwer in Kauf zu nehmen, aber wenigstens ist es dann eine, wo man mehr Leistung im Heck hat, die in dem Fall natürlich auch helfen sollte, die Strafe wieder wettzumachen."


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