Formel 1

Formel 1, Kvyat: Barcelona-Boxendrama kostet Top-Ergebnis

Daniil Kvyat fährt einen starken Spanien GP. Dann überrascht das Safety Car Toro Rosso eiskalt. Warum beim Russen der Frust dennoch nicht überwiegt.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Für Daniil Kvyat hätte der Spanien GP 2019 ein regelrechtes Top-Resultat liefern können. Mit Platz neun im Formel-1-Rennen in Barcelona egalisierte der Russe zwar dennoch das bis dato beste Ergebnis der laufenden Saisons seiner Scuderia Toro Rosso. Doch wäre noch deutlich mehr drin gewesen, glaubt Kvyat. Wäre da nur ein ganz bitterer Moment in der Safety-Car-Phase ausgeblieben.

Aber der Reihe nach. Nach einem starken Qualifying von P9, damit zwei Ränge vor Teamkollege Alex Albon in das Rennen gestartet, knüpfte Kvyat am Sonntag nahtlos daran an. Albon folgte dem Russen zwar wie dessen Schatten, doch zum Angriff kam es nie.

Kvyat liefert Überholfeuerwerk - in Barcelona!

Stattdessen begann Kvyat schließlich aufzudrehen und eine regelrechte - insbesondere in Barcelona erstaunliche - Überholshow zu liefern. "Es war echt unterhaltsam, jede Menge Action", schwärmt Kvyat, selbst überrascht. "Es gab jede Menge Überholmanöver. Ich habe beide Haas auf der Strecke überholt, Kimi [Räikkönen, ganz starkes Manöver über die Außenbahn in Kurve vier], Ricciardo - das war echt eine sehr gute Leistung von mit und auch vom Team", lobt Kvyat.

Dieser letzte Satz ist entscheidend, hätte Kvyat guten Grund, sich auch ganz anders zu äußern. Nachdem er mit Magnussen selbst einen der im Mittelfeld eigentlich leicht überlegenen Haas kassiert hatte, sorgte Toro Rosso durch einen Flüchtigkeitsfehler nämlich dafür, dass Kvyat die Position gleich wieder verlor.

Toro Rosso verpatzt Doppelstopp

Die Rennsituation: Safety-Car-Phase. Der Schauplatz: Boxengasse. Um zeitsparend auf frische Reifen zu wechseln, holt Toro Rosso Kvyat und Albon in derselben Runde rein. Doppelstopp. Eine Kunst, aber möglich. Das bewies in diesem Jahr etwa Mercedes. Doch bei Toro Rosso ging es daneben.

Gleich doppelt: Nicht nur, dass Albon zu nah dran war, hinter Kvyat warten musste. Noch dazu verzögerte es sich noch weiter, weil die Reifen für den Russen noch nicht bereit lagen. So verbrachte Albon 14 Sekunden länger in der Boxengasse als normal (vgl. Tabelle), während auch Kvyat wertvolle Zeit verlor (rund 11 Sekunden) - und wieder hinter Magnussen rutschte.

Fehlkommunikation zwischen Kommandostand und Pitcrew

"Das war vielleicht eine Fehlkommunikation. Ich weiß nicht genau, wie das passieren konnte. Normalerweise sind unsere Stopps schnell", grübelt Kvyat. Diese Vermutung bestätigte kurz darauf STR-Performance-Chef Guillaume Dezoteux: "Es gab Probleme bei der Kommunikation mit unserer Crew, sodass wir beim Ablauf viel Zeit verloren haben." Kvyat sah nur noch das Resultat: "Wir haben so viel Zeit in der Box verloren, weil die Reifen leider nicht fertig waren. So habe ich einen potentiellen siebten Platz verloren", glaubt Kvyat.

Boxendurchfahrtszeiten beim Spanien GP 2019

Fahrer Runde Zeit in Boxengasse (Sek.)
Carlos Sainz Jr. 24 21,468
Carlos Sainz Jr. 46 21,545
Lando Norris 26 21,579
Charles Leclerc 46 21,638
Sebastian Vettel 40 21,643
George Russell 44 21,846
Robert Kubica 31 21,954
Valtteri Bottas 45 22,018
Kevin Magnussen 23 22,025
Valtteri Bottas 26 22,034
Daniil Kvyat 21 22,049
Pierre Gasly 46 22,095
Robert Kubica 44 22,142
Nico Hülkenberg 35 22,193
Lewis Hamilton 27 22,265
Kimi Räikkönen 28 22,342
Daniel Ricciardo 24 22,379
Romain Grosjean 26 22,379
A.Giovinazzi 6 22,381
Max Verstappen 20 22,417
George Russell 32 22,442
Lewis Hamilton 46 22,511
Max Verstappen 43 22,540
Kimi Räikkönen 45 22,549
Pierre Gasly 22 22,563
Daniel Ricciardo 45 22,702
Romain Grosjean 46 22,732
Sergio Pérez 24 22,781
Sergio Pérez 45 22,896
Kevin Magnussen 45 22,992
Lance Stroll 22 23,321
A.Giovinazzi 41 23,507
Alexander Albon 25 23,591
Charles Leclerc 25 23,646
Sebastian Vettel 19 23,746
Daniil Kvyat 45 33,821
Alexander Albon 45 37,345

Kvyat entspannt: kein Drama, starke Pace wichtiger

Einen Strick dreht er seiner Crew daraus jedoch nicht. Fehler würden passieren. "Es ist schade, aber wir lernen daraus. Man braucht da jetzt kein Drama rausmachen. Es war ein Call in letzter Minute und am Ende trotzdem ein sehr guter Tag, auch wenn das etwas frustrierend war", sagt Kvyat.

"Wir haben uns noch immer zwei wertvolle Punkte geschnappt und alles sieht sehr gut aus für die nächsten Rennen." In Barcelona sei Toro Rosso zumindest im Rennen nämlich die erste Kraft im Mittelfeld gewesen, auch vor Haas, meint der Russe. Franz Tost zeigt sich ebenfalls erfreut. "Das Auto hat eine starke Performance gezeigt und die Fahrer haben einen wirklich guten Job gemacht", lobt der Teamchef. "Leider haben wir dann durch Fehlkommunikation zwischen Boxenmauer und Mechanikern alles verloren."

Albon fordert Verbesserungen: P8 & P9 verschenkt

"Ich habe Grosjean überholt und auch Carlos eingeholt", schildert Kvyat selbst die Schlussphase seines Rennens. "Es war echt eng mit Carlos, noch eine Runde mehr und ich hätte ihn vielleicht bekommen. Aber dann kam eben das Safety Car und er hatte da die Soft-Reifen, die er offenbar besser auf Temperatur bekommen konnte, sodass er mich überholt hat. Als meine Reifen dann auch warm waren, konnte ich aber gleich wieder auf ihn aufholen. Doch dann gingen mir wieder die Runden aus."

Ausschließlich geknickt, weil punktlos, dagegen das zweite Boxenopfer Albon. "Es war ein frustrierendes Rennen. Schlechter Start, gute erste Runde und dann sahen wir eigentlich stark aus. Wir sind bei unserer Zweistopp-Strategie geblieben, deshalb kam uns das Safety Car sogar genau richtig. Aber dann hat uns dieser Stopp leider zurückgeworfen", so der Brite mit thailändischen Wurzeln. "Das müssen wir anschauen. Denn wir hätten Achter und Neunter werden sollen. Jetzt sind es aber nur P9 und P11 geworden."


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