Formel 1

F1, Hamilton: Ferrari muss mehr liefern, Mercedes fast perfekt

Vier Formel-1-Rennen, vier Doppelsiege. Lewis Hamilton sieht Mercedes als Team stärker denn je. Der Weltmeister erklärt, was Ferrari besser machen muss.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Mercedes ist nicht mehr die alleinige dominante Kraft in der Formel 1 wie noch zu Beginn der Hybrid-Ära. Diesen Status Quo erreichte die Königsklasse bereits 2018. Ferrari hatte es endlich weitgehend auf Augenhöhe geschafft. Doch 2019 beginnt die F1-Saison nun mit vier Doppelsiegen für die Silberpfeile. Ein neuer Formel-1-Rekord. Wurde das Kräfteverhältnis also zurückgespult in Richtung 2014?

Zumindest auf dem Papier ganz klar. Allerdings zeigte der große Rivale Ferrari bis dato durch aus, dass alle Mittel vorhanden sind, um ein mindestens ebenbürtiges Niveau zu erreichen. Doch kamen die Mittel bis dato nie wirklich alle zusammen. Fahrfehler, strategische Patzer, Defekte, falsches Setup - irgendwas ging immer schief.

Hamilton erklärt Mercedes-Form: Team nah an 100 Prozent

Ganz anders bei Mercedes. Gnadenlos nutze Mercedes alle Schwächen der Konkurrenz eiskalt während man selbst so gut wie kugelsicher schien. Genau dieser Unterschied ist es, der in den Augen des Weltmeisters hauptverantwortlich für den in Relation zu nur vier Grand Prix schon riesigen Punktevorsprung in der Teamwertung von 74 WM-Zählern zeichnet. "Es braucht 100 Prozent, um über das ganze Wochenende zu liefern. Und da sind wir so nah wie nur eben möglich dran, denke ich", sagt Lewis Hamilton.

Hamilton vs. Bottas: Sprengstoff im Titelkampf?: (14:32 Min.)

"Wir haben an den Wochenenden versucht, so gut wir können zu liefern und sie waren unglaublich für uns. Unter dem Strich denke ich, dass wir als Kollektiv, als Team wirklich am oberen Ende der Neunziger operieren", schwärmt der Brite. "Diese paar Prozente Unterschied zwischen uns und Ferrari sorgen dafür, dass wir auch dieses Wochenende wieder ein sehr gutes Auto hatten", so der Brite in Baku. "Da müssen sie [Ferrari] besser liefern wenn sie mit uns kämpfen wollen!"

Hamilton: Ferrari hat die Pace, bringt es aber nicht zusammen

Genau das hofft Hamilton sogar. Einzig und allein mit seinem Teamkollegen, wenngleich einem 2019 erstarkten Valtteri Bottas, um die WM rittern - wie vor Jahren gegen Nico Rosberg - will Hamilton gar nicht wieder. "Ich hoffe, dass es zwischen Ferrari und uns gehen wird", so der Brite mit Blick auf das nächste Rennen in Spanien. "Ferrari war dort bei den Testfahrten schnell und sicher werden sie auch ein paar Upgrades bringen." Entspannt zurücklehnen könne sich Mercedes keinesfalls. Auch Hamilton ist nicht entgangen, dass Ferrari durchaus über scharfe Waffen verfügen kann, diese eben nur mal richtig schleifen muss. Das obligatorische Tiefstapeln hat Hamilton also nicht vergessen.

"Sie hatten die Performance, um mit beiden Autos in der ersten Reihe zu sein", sagt Hamilton. "Seb hat nach unseren Daten zum Beispiel keinen Windschatten, der vier oder fünf Zehntel bringt. Also wäre er womöglich auf Pole gewesen wenn er diesen Windschatten gehabt hätte und das Rennen wäre vielleicht aufregender geworden", schildert Hamilton. Hinzu komme, dass Leclerc sich mit seinem Unfall aus der Verlosung befördert hatte. "Wenn bei ihnen beide Autos geliefert hätten wie sie bei uns geliefert haben, wenn die Fahrer geliefert hätten, wie wir es haben, dann wäre es sehr viel enger geworden", ergänzt der WM-Zweite.

Toto Wolff mahnt weiter, aber: Mercedes redet sich nicht klein

"Klar, die ersten paar Rennen waren jetzt herausragend für uns. Aber wir müssen uns weiter auf die Fußspitzen stellen. Du weißt nie, wann den anderen Teams ein Schritt nach vorne gelingt", mahnt Hamilton. Teamchef Toto Wolff sieht all das ähnlich - und darin kein Tiefstapeln. Der Österreicher weiß inzwischen ganz genau, wie seine stets mahnenden Worte in der internationalen Presse eingeschätzt werden. "Wir reden uns nicht klein", widerspricht Wolff nach dem Rennen in Baku auf eine entsprechend pointierte Frage, ob Ferrari denn wirklich schneller sei - mit starker Betonung auf 'wirklich'.

Nach Formel 1 in Baku: Wie gut ist Ferrari wirklich?: (18:45 Min.)

Sein Argument: "Wir haben am Freitag und am Samstag ein starkes Ferrari gesehen. Sie waren im dritten Training 1,6 Sekunden schneller - und wir haben da nicht einfach etwas völlig anderes gemacht." Damit nicht genug. "Ich glaube weiter, dass Charles auch heute der vielleicht schnellste Mann auf der Strecke war. Aber wie in Bahrain kam es nicht zusammen."

Wolff: Deshalb schmeicheln die vier Doppelsiege Mercedes

Da ist sie wieder, die Warnung vor einem großen, nur bisher nie ausgeschöpften Potential bei Ferrari. Und nicht nur bei Ferrari, sondern auch Red Bull. Obwohl Mercedes sich in Baku darauf konzentrierte, ein starkes Auto für das Rennen, weniger für das Qualifying, zu haben, sei im Rennen Max Verstappen nämlich phasenweise der Schnellste gewesen. "Und Charles flog am Anfang auf dem Medium", ergänzt Wolff.

Den im Resultat großen Unterschied erklärt auch für Wolff die nahezu perfekte Exekutive bei Mercedes. "Was wir in den ersten Rennen geschafft haben, ist, tatsächlich auch alles zusammen zu bekommen. Das Team hat keine Fehler gemacht, die strategischen Entscheidungen waren richtig, die Fahrer haben keine Fehler gemacht und das hat uns die ersten vier Rennen gewinnen lassen. Wenn du auf die andere Seite [Ferrari] schaust, dann hatten die mehr Probleme", bestätigt Wolff die Aussage Hamiltons.

Über mehr als genug potentielle Pace verfüge Ferrari jedoch ganz klar. "Du kannst bei der Performance aber Schwankungen sehen … Ferraris Performance in Bahrain war in einer eigenen Liga, so wie es unsere in Melbourne und China war", schildert Wolff. Ein Zurück zur klaren Mercedes-Dominanz gebe es nicht. "Ich sehe nicht, dass sich das Kräfteverhältnis insgesamt verändert hat [gegenüber 2018]", so Wolff. "Es sind noch immer dieselben Hauptdarsteller. Ich denke, dass uns die ersten vier Rennen mit den vier Doppelsiegen schmeicheln."


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