Formel 1

Formel 1, Baku: Mercedes profitiert doppelt von Leclerc-Crash

Mercedes ließ Sebastian Vettel im F1-Qualifying in Baku keine Chance. Valtteri Bottas und Lewis Hamilton nach Leclerc-Unfall gleich doppelt im Vorteil.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Mercedes hat es schon wieder getan. Im Qualifying der Formel 1 in Baku kauften Valtteri Bottas und Lewis Hamilton den das ganze Wochenende scheinbar unantastbaren Ferrari den Schneid ab. Die silberne erste Reihe mit Bottas auf der Pole war zweifelsohne eine Überraschung. Das Weltmeister-Team profitierte doppelt vom Unfall des Ferrari-Favoriten Charles Leclerc.

"Ich denke, Charles hätte heute auf Pole stehen sollen. Wenn er ins Q3 gekommen wäre, hätte er auf Pole gestanden", sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff am Mikrofon von Sky. An der Favoritenrolle des Monegassen hatte nach den Trainings kaum ein Zweifel bestanden.

Im Q2 wurde der Scuderia ihre starke Form aber scheinbar zum Verhängnis. Bei dem Versuch sich auf Medium für das Q3 zu qualifizieren, landete Leclerc in Kurve acht nach einem Verbremser in der Wand. Nachdem sich der erste Hauptkonkurrent damit selbst eliminiert hatte, lief es für den übrig gebliebenen Gegner in Rot plötzlich gar nicht mehr.

Sebastian Vettel war weder im Q2 noch im Q3 dazu in der Lage, die schnelle Ferrari-Pace aus den Trainings umzusetzen. "Je länger das Qualifying gedauert hat, desto besser wurden wir", so Wolff. Er vermutet, dass die beiden langen Rotphasen seinem Team in die Karten spielten. Die Unfälle von Robert Kubica und Charles Leclerc zogen zwei jeweils 30-minütige Reparaturpausen nach sich.

Mercedes profitiert von Unterbrechungen

Normalerweise wäre das Qualifying um 18:00 Uhr Ortszeit vorbei gewesen. Durch die Verzögerungen sahen sich die Teams plötzlich mit deutlich kühleren Bedingungen konfrontiert. "Die Reifen ins Temperaturfenster zu bekommen, war der Schlüssel. Das haben wir zuvor nicht hinbekommen. Wir waren nie da, aber je kälter es wurde, desto besser wurde es", erklärt Wolff.

Der Vorsprung der Silberpfeile fiel letztendlich mehr als deutlich aus. Drei Zehntel knüpften Bottas und Hamilton dem verbliebenen Ferrari ab. "Das ist ein großartiges Resultat für uns. Wir sind hier ohne Upgrade hinbekommen, und die Ferraris sahen besonders stark aus", sagt Hamilton, der die Pole um eine halbe Zehntel verpasste. "Ich bin wirklich dankbar dafür, dass wir unter diesen Umständen die erste Startreihe geholt haben."

Hamilton nimmt Niederlage gegen Bottas sportlich

Der Kampf um die Pole wurde erst in den letzten Sekunden entschieden, mit dem besseren Ende für Bottas. "Es ist ein gutes Gefühl, es auf der letzten Runde hinzubekommen", so der Finne, der nach China seine zweite Pole Position in der laufenden Saison feierte. "Es geht um kleine Unterschiede. Ich hatte auf meiner letzten Runde einen guten Windschatten", erklärt er.

"Die Kurven musste ich zwar auch noch fahren, aber es ging um die feinen Details und die habe ich erwischt." Hamilton nahm den Ausgleich seines Teamkollegen zum 2:2 im internen Duell sportlich. "Valtteri ist hier immer sehr schnell und ich musste mich dieses Wochenende wirklich ranhalten", sagt der Weltmeister.

Sein letzter Schuss war nicht von Erfolg gekrönt. Zwei absolute Bestzeiten in den Sektoren zwei und drei reichten nicht: "Leider waren meine ersten beiden Kurven ziemlich schockierend. Es war in Kurve eins eng und dann in Kurve zwei. Und bei Kurve vier lag ich drei Zehntel hinten. Ich habe das in den nächsten beiden Abschnitten aufgeholt, aber das war leider nicht genug."

Mercedes hat für das Rennen gearbeitet

Mit der ersten Startreihe hat Mercedes an diesem Wochenende völlig unverhofft einen wichtigen Etappensieg gelungen. Schon nach den Trainings hatten Fahrer und Team erklärt, dass man den F1 W10 im Rennen für deutlich konkurrenzfähiger hält. "Wir sind in Sachen Pace im Rennen etwas näher dran als im Qualifying", hält Hamilton auch nach der Doppelpole seines Teams an dieser Sichtweise fest.

"Es ist wichtig, für morgen bei den Reifen und beim Setup richtig zu liegen. Wenn du alles auf eine Runde optimierst, kann es sein, dass der Reifen nicht hält. Das hat man bei Red Bull und Ferrari gesehen", sag Wolff gegenüber dem ORF. "Man muss auch mit einem Tick an morgen denken."


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