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Formel 1 Bahrain 2019: 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen

Charles Leclerc neben Sebastian Vettel vor zwei Mercedes in der Startaufstellung. Das verspricht heute Formel-1-Spannung pur in Bahrain. Nicht nur das.
von Jonas Fehling

1. - S wie Startaufstellung

Die Startaufstellung für den Bahrain GP 2019 allein verspricht einen furiosen Auftakt in das zweite Saisonrennen der Formel 1 (Startzeit 17:10 Uhr - heute live auf RTL, Sky im Live-Stream F1 TV und Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com). Charles Leclerc startet bereits in seinem 23. Formel-1-Rennen als zweitjüngster Polesitter der Geschichte von ganz vorne. Gleich neben ihm im Grid: der Rekordhalter in dieser Disziplin, Teamkollege Sebastian Vettel.

Hinter dem Ferrari-Lockout in der ersten Startreihe lauern direkt die beiden Mercedes von Lewis Hamilton und Valtteri Bottas, erneut nur knapp vom Weltmeister geschlagen. Unmittelbar darauf folgt schon Max Verstappen. Der andere Red Bull von Pierre Gasly fährt wieder nur von außerhalb der Top-10 los.

Diese wiederum komplettieren der Haas von Kevin Magnussen, Carlos Sainz im ersten McLaren vor Kimi Räikkönen im Alfa Romeo und Lando Norris im zweiten MCL34 sowie Daniel Ricciardo. Nico Hülkenberg schaffte es durch erneut grobe Probleme am Renault nicht über P17 im Grid hinaus.

2. - S wie Start

346 Meter sind es auf dem Bahrain International Circuit bis zur ersten, einer ziemlich spitzen, Kurve. Eine gute Gelegenheit also für Ausbremsmanöver, aber auch jede Menge Gefahrenpotential für Crashs. Das beweisen mehrere Startunfälle in Bahrain aus den vergangenen Jahren.

Traktionsvorteile sind in den Top-10 mit Blick auf die Reifen nicht vorhanden. Wie schon in Australien muss die erste Hälfte der Startaufstellung mit gleichem Material, den weichen Pirelli-Pneus, losjagen. Alle hatten sich mit dem Soft für Q3 qualifiziert.

Ziehharmonika-Effekt am Bahrain-Start 2018 - Foto: Sutton

Weil dieser Faktor wegfällt, richtet sich der Fokus somit fast vollständig auf den Schauplatz Ferrari. Wie werden Sebastian Vettel und Charles Leclerc ins Rennen geschickt? Mission 1-2 halten? Mission Vettel vor? Oder einfach, der Bessere möge gewinnen?

Letztere präferiere er natürlich, so Leclerc. Doch der Rennrat von Maranello muss erst noch tagen. Leichtfertig riskieren wollen wird man die nach dem Australien-Debakel unverhofft exzellente Ausgangslage jedenfalls sicher nicht gleich am Start.

3. - S wie Strategie

Interessant: Normalerweise gilt Bahrain durch Hitze und den rauen englischen Granit im Asphalt als derartiger Reifenfresser, dass Pirelli hier noch mehr als ohnehin schon, mehr als einen Stopp empfiehlt. 2019 ist es anders. Die schnellste Variante, die 57 Rennrunden zu bezwingen, sei ein Stopp mit Start auf Medium und Wechsel auf Hard nach 20 Runden. Doch diese Option steht den Top-10 nicht zur Verfügung. Daher rät Pirelli hier zu 15 Runden Soft, dann Hard bis zum Rennende.

Den härtesten Reifen meiden die Team jedoch bekanntlich meist wie der Teufel das Weihwasser. Auch die Longruns am Freitag werden vorrangig auf den beiden weichen Mischungen gedreht. Dementsprechend sind auch hier die größeren Erfahrungswerte vorhanden. Wirklich bekennen zu einer Strategie will sich vorab jedoch niemand - auch abseits der üblichen Geheimniskrämerei.

Doch legen selbst mit der zweitlängsten Boxengasse des Rennkalenders (420,1 Meter) einige Faktoren nahe, dass Zweistopper zumindest in den Top-10 - außerhalb mag mit Start auf Medium die optimale Strategie attraktiv sein - durchaus beliebt werden könnten (s.u.).

Sinnbild für viele Bahrain Spektakel: Duel in the Desert zwischen Hamilton und Rosberg 2014 - Foto: Sutton

4. - S wie Spektakel

Der erste Faktor ist die dritte DRS-Zone. In Bahrain lässt sich ohnehin exquisit gut überholen, schon vor den neuen Aero-Regeln 2019, mit denen dieses Jahr allein schon alles noch leichter fallen sollte. Doch noch dazu hat die FIA dem Bahrain International Circuit nach Kurve drei eine weitere DRS-Zone spendiert.

Damit gibt es nicht nur insgesamt vier lange Geraden, sondern verfügen jetzt insgesamt drei davon über lange Abschnitte, auf denen der obere Flap geöffnet werden darf. Und dessen Öffnung geht 2019 weiter, reduziert den Luftwiderstand also effektiver. Max Verstappen und Lewis Hamilton mahnten deshalb bereits, da Überholen jetzt womöglich viel zu leicht sei, ein regelrechtes Kinderspiel.

Genau deshalb wird jedoch jeder weitere Stopp umso wahrscheinlicher. Wo, wenn nicht in diesem DRS-Schlaraffenland Bahrain, ist Track Position mal regelrecht egal? Für das Rennen ist das nur genial: Spektakel durch viele Überholmanöver ist garantiert.

5. - S wie Speed

Noch leichter fällt das Überholen, wenn dein Auto besser als alle anderen auf Topspeed getrimmt ist. Hier scheint im Gegensatz zu Australien plötzlich wieder Ferrari klar die Federführung zu übernehmen. Im Training hieß es noch - auch von Ferrari selbst - man habe nur früh zur Testzwecken leistungsstärkere Motormodi eingelegt. Doch dann waren die Topspeeds der Roten auch im Qualifying überlegen. Nicht nur am Ende der Geraden, sondern an allen Messtellen. Vettel und Leclerc dürften also kontern können, sollten sie Positionen verlieren.

6. - S wie schnellste Runde

Fast schon vergessen, aber in Bahrain unbedingt zu beachten: Der WM-Punkt für die schnellste Rennrunde. Der Zähler ist ein zusätzliches Lockmittel für einen zweiten Boxenstopp. In Australien hatte dieses Risiko noch niemand eingehen wollen, doch in der Wüste dürfte das schon ganz anders aussehen. Das Problem der verlorenen Track Position fällt weg.

Bleibt nur mehr ein Patzer der Boxencrew. Vielleicht sollte zumindest Ferrari hier weiter auf Nummer sicher spielen, um kein Deja-vu-Erlebnis zu kreieren. 2018 hatte sich Mechaniker Francesco Cigarani beim Pitstop Kimi Räikkönens ein Bein gebrochen. Für den Finnen schlug ein Ausfall zu Buche.

7. - S wie Silberpfeil vs. Scuderia vs. Supermax

Bleibt der wichtigste aller Faktoren: Wer hat das schnellste Rennauto? Mercedes gibt sich hier zuversichtlich, den Spieß gegenüber Ferrari umdrehen zu können. Dafür spricht, dass die Scuderia im Qualifying ihren Vorsprung auf den Geraden herausfuhr. Mercedes dagegen punktete in den Kurven.

Das legt nahe: Silber hat mehr auf das Rennen getrimmt, auf schonenderen Umgang mit den Reifen. Die Rechnung ist einfach: Mehr Kurvenspeed kommt durch besseren Abtrieb, der wiederum weniger rutschen lässt. Die Reifen halten besser. Dafür ist der Luftwiderstand größer, der Topspeed leidet.

Im Rennen kann das einen Vorteil generieren. Kann der Mercedes frei fahren, in den Kurven so seine Performance umsetzen, nimmt er Ferrari auf lange Sicht durch besseren Umgang mit den Reifen Zeit ab. Die Longruns am Freitag legten bereits nahe, dass Mercedes hier stark aussieht.

Durch mangelnden Topspeed, wird überholen dann allerdings schwierig - und die Gefahr eines schnellen Konters geradeaus wird omnipräsent. Doch schafft es Mercedes, sich über die Strategie einen Puffer zu schaffen, kann das Rennen kippen. Allerdings fuhr auch Ferrari keine Longruns hinterm Mond. Und dann ist da noch Max Verstappen, der auf Medium geradezu brillierte und Reifenmanagement trotz seines jungen Alters inzwischen perfektioniert hat wie kaum ein Zweiter.


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