Formel 1

Formel 1, Russell: Williams mit 4 Rädern im Ziel schon Erfolg

Vor dem Formel-1-Saisonstart 2019 in Australien gilt Williams als klar schwächste Kraft. Geht der Horror weiter? George Russell: So immerhin kein Druck!
von Jonas Fehling
Williams: Formel-1-Saisonvorschau 2019: (08:35 Min.)

Wenn Ferrari der Favorit auf Auftaktsieg - und für viele auch den WM-Titel - ist, dann ist Williams vor der Formel-1-Saison 2019 das genaue Gegenteil. Nach katastrophalen Testfahrten mit um zweieinhalb Tagen verspätetem Beginn, Ersatzteilengpässen am Ende und noch dazu nötigen Nachjustierungen am Boliden - Spiegel und Radaufhängung des FW42 entsprachen noch nicht den neuen Formel-1-Regeln 2019 - rechnet beim F1-Saisonstart in Melbourne niemand mit dem Team aus Grove.

Erwartungen? Sind praktisch nicht vorhanden. Bitter für jemanden wie George Russell, der in Melbourne unter solchen Umständen sein Formel-1-Debüt geben muss. Oder darf, wie der Brite selbst anmerkt. Williams-Probleme hin oder her, für Russell dominiert noch immer der gewordene Traum, Formel-1-Stammfahrer geworden zu sein.

Russell lässt sich Vorfreude auf Formel 1 nicht vermiesen

"Natürlich freue ich mich ganz extrem. Das ist die Formel 1. Es gibt tausende Leute, die davon träumen, an meiner Stelle zu sein", so Russell zu Motorsport-Magazin.com. "Die Formel 1 ist kein Sport wie Fußball, wo du in der ersten Liga 20 Teams mit jeweils 20 oder 30 Spielern hast. Wenn du es nicht in die erste Liga schaffst, dann gehst du in die Liga darunter oder spielst eben in Holland oder Deutschland oder Italien. Und in der Formel 1 gibt es nur die 20 besten Fahrer. Es nur hierher geschafft zu haben, ist bereits ein großer Erfolg!"

Natürlich sei bei Williams auch intern gerade jede Menge los. "Aber es ist nicht mein Job, mir darüber Sorgen zu machen. Mein Job ist, das Auto so schnell wie möglich zu fahren", winkt Russell ab. Viel zu holen sein werde aber sicher nicht. Russell geht davon aus, sich mit Teamkollege Robert Kubica um P19 zu duellieren. Wobei es für den Briten in diesen Gefilden ohnehin mehr um Zusammenarbeit geht: "Wir sind gar nicht interessiert, um P19 zu kämpfen. Wir wollen das Team aufbauen, um dann in Zukunft hoffentlich um etwas mehr zu kämpfen."

Niemand erwartet Irgendetwas von Williams

Zumindest kurzfristig habe die kritische Gesamtsituation aber auch ihre Vorteile. "Von meiner Seite und auch von Teamseite gehen wir ohne Druck an die Sache heran", so Russell. Kein Druck? Will Williams denn gar nicht Weg vom erwarteten Ende des Feldes? Doch, natürlich. "Aber es erwartet doch einfach jeder, dass wir klar Letzter werden. Oder aus der Garage kommen und die Räder vom Auto abfallen. Ich denke, dass wir deshalb mit allem anderen, was wir schaffen sollten, schon einen Erfolg verbuchen würden", erklärt Russell bei Motorsport-Magazin.com.

Williams müsse ohnehin alles andere als kurzfristig denken. "Das ist gerade natürlich alles überhaupt nicht ideal", sagt Russell. "Aber sie hatten vergangenes Jahr ein schweres Jahr und das bekommst du über Nacht eben nicht korrigiert. Du musst Schritt für Schritt gehen und es nicht überhasten." Williams müsse langsam wieder aufbauen.

Russell: Williams mit großem Vorteil gegenüber 2018

Der erste Schritt dahin sei zudem bereits gelungen, beteuert Russell. In einem Punkt sieht er sein Team schon wesentlich weiter als es 2018 je gekommen war. "Die Grundlagen im Auto sind gut. Die Fahrbarkeit fühlt sich gut an und die Jungs können sich deshalb wirklich nur darauf fokussieren, das Auto schneller zu machen, mehr Downforce zu bringen, statt wie im vergangenen Jahre ihre gesamte Zeit mit diesen Balance-Problemen, die es da gab, zu verbringen", schildert Russell. "Darauf können wir aufbauen."

In Melbourne werde davon aber noch nicht viel bis nichts zu sehen sein. "Wir waren in Barcelona so weit zurück, dass wir hier einen echt großen Schritt brauchen würden", erinnert der Brite. Ähnlich sieht es Kubica. "Wir waren leider spät dran beim Test. Das holst du nicht in einer Woche auf. Wir müssen noch immer einige Dinge herausbekommen, hier und in der Fabrik", sagt der Pole. "Es ist eine schwierige Situation. Wir können es aber nicht ändern und nur versuchen, das Beste daraus zu machen."

Ersatzteile knapp? Russell: Plane eh keinen Crash!

Doch stehen dem Team inzwischen zumindest ausreichend Teile für alle Eventualitäten zur Verfügung? "Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, wie die Situation mit den Ersatzteilen ist", winkt Russell ab. "Ich habe auch nicht gefragt, denn ich plane nicht, zu crashen. Mein Job ist, auf dem schwarzen Zeug zu bleiben. Dafür werde ich bezahlt!" Seinen Humor hat der Brite also auf jeden Fall (noch) in vollem Umfang behalten.


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