Formel 1

Zu wenig Reifen für F1-Test? Pirelli wehrt sich gegen Kritik

Nach zwei Testwochen in Barcelona steht Pirelli mehrfach in der Kritik. Unter anderem hätten die Formel-1-Teams gerne mehr Reifen. Unnötig, meint Pirelli.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 schränkt ein. Das ist in den vergangenen Jahren ein gewohntes Bild. Dem Wunsch untergeordnet, Kosten zu sparen, führen die Regelhüter der FIA immer neue Beschränkungen ein. Von Motoren über Getriebe bis zu den Reifen.

Die Reifen sind auch für die offiziellen Testfahrten limitiert. Doch diese Reifenbeschränkungen wurden während den letzten Tests in Barcelona von den Teams in Frage gestellt. Am Ende seien es zu wenig Reifen gewesen, um für die acht Tage in Barcelona durchzutesten. Reifensparen also schon beim Testen? Pirelli glaubt nicht.

Pirellis Reifenlimit: 80 Sätze für zwei Test-Wochen

Als am Montag, dem 18. Februar, die Test-Saison der Formel 1 in Barcelona begann, da begann auch die von der FIA vorgeschriebene Reifenbegrenzung. Die funktioniert so: Zwölf Testtage gibt es in der aktuellen Formel 1 pro Jahr. Acht davon werden im Winter als Vorsaison-Test gefahren. Die restlichen vier finden im Verlauf der Saison statt. 2018 waren das je zwei Tage nach Silverstone und nach Ungarn.

Tests 2019: So liefen die Rennsimulationen in Barcelona: (07:11 Min.)

Für diese zwölf Testtage stellt Pirelli einem jeden Team 110 Reifensätze in den Spezifikationen der Saison 2019 bereit. 80 Reifensätze entfielen 2019 auf die acht Winter-Testtage. Der Rest wird den Teams bei den vier Tagen während der Saison zur Verfügung gestellt.

80 Reifensätze, zu denen außerdem noch vier Sätze von Prototyp-Reifen kommen. Diese entsprechen nicht den 2019er-Reifen - damit experimentiert Pirelli selbst mit neuen Konstruktionen, Mischungen und dergleichen. Für die Teams relevant sind diese aber kaum, da sie ja keine Rückschlüsse auf das Zusammenspiel des eigenen Autos mit den aktuellen Reifen liefern.

Teams wollen mehr Reifen, Pirelli zweifelt

Kern der Sache sind also die 80 Sätze pro Team. Einige Teams meinten schon während den Tests, dass diese 80 Sätze zu stark einschränkten. Schließlich fuhren viele Teams täglich über 100 Runden, das sind mehr als zwei Renndistanzen. Und weichere Reifensätze werden oft nur kurz montiert. Etwa um ein Qualifying zu simulieren.

Mehr Reifen bedeutet mehr Flexibilität beim Testprogramm. Darin sieht Pirelli aber keine Notwendigkeit. Am Freitag rechnet Pirelli-Sportchef Mario Isola vor den versammelten Medien die Reifen-Begrenzungen herunter - und kommt zu dem Schluss: Mehr als die 80 Reifen bereitzustellen wäre eine Annehmlichkeit, aber keine Notwendigkeit.

Reifen zu testen ist in der Formel 1 enorm wichtig - Foto: LAT Images

"Sie haben diese Woche mit 42 bis 50 Sätzen angefangen, für vier Tage", summiert Isola die Reifenversorgung pro Team in der zweiten Testwoche. "Und man muss bedenken, dass sie viele Rennsimulationen gefahren sind. Da fährt man viele Kilometer mit dem gleichen Reifen, sonst ist die Rennsimulation ja sinnlos."

"Ich denke nicht, dass ihnen die Reifen ausgegangen sind", folgert Isola. Eine große Rolle spielten 2019 die Rahmenbedingungen. Die Testtage waren durchgängig von perfekten Wetterbedingungen gezeichnet, und die Hybrid-Motoren der aktuellen Generation sind inzwischen enorm zuverlässig. Das führte bei allen Teams zu sehr hohen Rundenzahlen.

Pirelli versteht Reifenlimit: Sonst Explosion

2019 war also bis zu einem gewissen Grad schon ein Ausnahmefall. Schließlich gilt die aktuelle Grenze schon seit mehreren Jahren. Obwohl Isola kaum glaubt, dass selbst bei solch perfekten Bedingungen unbedingt ein erhöhtes Reifenlimit notwendig sei. Natürlich würde es für die Teams mehr Optionen öffnen, wenn sie unendlich viele Reifen für die Testtage zur Verfügung hätten. Aber eine Eskalation ist da nicht weit.

8 Tage Traumwetter sorgte in Barcelona für viel Test-Betrieb - Foto: LAT Images

"Ich bin sicher, dass sie 500 Reifensätze pro Jahr nehmen würden, wenn man es nicht begrenzt", meint Isola auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. Das sei aber komplett unvernünftig, von einem Kostenstandpunkt aus. Die gegenwärtige Grenze sollte "allen Teams die Gelegenheit zum Testen geben, aber nicht auf eine Art, die verschwenderisch ist und die Kosten unakzeptabel in die Höhe treibt."

Mit der aktuellen Grenze ist Isola also zufrieden. Die Teams haben auch innerhalb des Limits noch Freiraum, erklärt er zum Schluss: "Ihnen steht es völlig frei, welche Mischungen sie wählen. Nach Abu Dhabi haben wir sie gefragt, welche Reifen sie wollen. Und sie haben die volle Zuteilung selbst gewählt."


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