Formel 1

Formel 1 USA, Vettel-Strafe erklärt: Alle Hintergründe

Sebastian Vettel wird in Austin strafversetzt. Der Ferrari-Pilot ist nicht einverstanden mit der Strafe. Motorsport-Magazin.com kennt alle Hintergründe.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - War das der endgültige K.O. für Sebastian Vettel im Kampf um die Formel-1-Weltmeisterschaft 2018? Der Ferrari-Pilot muss beim USA GP in Austin drei Startplätze zurück, nachdem er bei roter Flagge zu schnell fuhr. Die Strafe könnte ihm teuer zu stehen kommen: Wenn Hamilton am Sonntag gewinnt, muss Vettel nämlich mindestens Zweiter werden.

Vor allem angesichts der WM-Situation ist die Strafe also eine Katastrophe. Deshalb stieß sie nicht nur bei Vettel selbst auf wenig Gegenliebe. Musste das wirklich sein?

Sebastian Vettel selbst hat nach den Freien Trainings am Freitag eine klare Ansicht: "In meinen Augen bin ich gleich ausreichend vom Gas gegangen. In den Augen der Stewards offenbar nicht. Sie meinen, 27,7 Sekunden hat das gedauert. Der Rückstand auf den Vordermann hat sich aber sogar vergrößert, das System ist nicht perfekt. Gestern gab es schon Probleme mit den Loops."

Wofür wurde Sebastian Vettel in Austin bestraft?

Doch was ist an den Vettels Vorwürfen wirklich dran? Motorsport-Magazin.com kennt die Details. Was wird Vettel überhaupt vorgeworfen? Das 1. Freie Training wurde kurze Zeit unterbrochen, um die Strecke zu reinigen. Ausgerechnet Vettels zukünftiger Teamkollege Charles Leclerc hatte sich gedreht und Kieselsteine auf die Strecke gebracht.

Um die Strecke gefahrlos reinigen zu können, wurde das Training unterbrochen. Vettel war zu diesem Zeitpunkt auf der Strecke und musste, als die rote Flagge kam, langsam zurück an die Box fahren. Auf diesem Weg soll er zu schnell gefahren sein.

Zunächst einmal die Regel an sich. Lange Zeit gab es keine klaren Regeln bei roten Flaggen. Es hieß schlicht: Deutlich verlangsamen, zum Anhalten bereit sein und niemanden überholen.

Inzwischen ist das gänzlich anders. Auslöser ist der Unfall von Jules Bianchi. Bei doppelt Gelb hatte der Franzose nicht ausreichend verlangsamt und rutschte deshalb mit fatalen Folgen von der Piste. Daraufhin wurde für derlei Situationen das Virtuelle Safety Car eingeführt.

Beim Virtuellen Safety Car liegt es nicht mehr im Ermessensspielraum der Piloten, wie sehr sie verlangsamen. Modernste Technologie erlaubt es der FIA, über die Einheitselektronik eine Geschwindigkeit vorzugeben und zu überprüfen. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Fahrprofil.

In jedem Marshalling-Sektor - von denen es auf dem Circuit of The Americas 20 gibt - wird dann überprüft, ob der Fahrer sich an dieses vorgegebene Profil hält oder nicht. Ist er in einem dieser Sektoren zu schnell, hat er genau einen weiteren Sektor lang Zeit, um langsamer zu machen und die Delta-Zeit wieder ins Positive zu bringen.

Diese Regeln gelten nicht nur für VSC-Phasen. Auch wenn das echte Safety Car kommt, müssen sich alle Piloten daran halten, bis sie zum Safety-Car-Zug aufgeschlossen haben - und bei Trainingsunterbrechungen müssen sie sich daran halten, wenn sie langsam auf dem Weg zurück zur Box sind.

Hat Vettel ausreichend unter Rot verlangsamt?

Vettels Argument, er hätte sofort verlangsamt, lässt sich anhand den Onboard-Aufnahmen nur teilweise überprüfen. Natürlich hat er verlangsamt. Die Frage ist nur, ob es ausreichend war. Und das FIA-System ist hier gnadenlos. Er fuhr im ersten Sektor zu schnell und glich den Geschwindigkeitsüberschuss im darauffolgenden Marshalling-Sektor nicht aus.

Ferrari und Vettel argumentierten bei der Anhörung damit, dass keine Gefahr bestand, keine Marshalls auf oder neben der Strecke gestanden wären. Gleichzeitig fuhr Vettel an der Gefahrenstelle, wo Charles Leclerc Kieselsteine verteilt hatte, extrem langsam vorbei.

Doch auch das half ihm recht wenig: Das Fahrprofil gilt für die gesamte Strecke und Vettel hatte bereits einige hundert Meter vor der Gefahrenstelle den entscheidenden Fehler gemacht und war zu schnell gewesen. Dass keine Gefahr bestand hilft ebenfalls nicht: Wer bei Rot über die Ampel fährt, begeht ein Verkehrsdelikt. Egal, ob gerade ein anderes Auto kommt oder nicht.

Genau für diesen Zweck wurde die Regel auch eingeführt: Man kann nun klar unterscheiden, was zu schnell war und was nicht. Es gibt keine Grauzonen mehr. Deshalb sind eigentlich alle Diskussionen überflüssig. Daniel Ricciardo erwischte es beim ersten Saisonlauf in Australien, Esteban Ocon erst zuletzt in Japan.

Gibt es bei der Formel 1 in Austin Probleme mit der Zeitnehmung?

Und was hat es mit der von Vettel angesprochenen fehlerhaften Schleife auf sich? Schließlich will er auf seinen Vordermann verloren haben. Dass der Vordermann seinen Vorsprung vergrößerte ist aber kein Argument. Denn es handelt sich um ein Geschwindigkeitsprofil, nicht um eine konstante Geschwindigkeit.

Und bei der von Vettel angesprochenen Schleife handelte es sich nicht um ein offizielles FIA-System. Am Donnerstag hatte es lediglich auf der Start- und Zielgeraden Probleme mit einer FOM-Schleife Probleme gegeben. Die FOM-Systeme sind aber nicht relevant, sie liefern ausschließlich Daten für die Zuschauer.


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