Formel 1

Formel 1, Hamilton kritisiert Presse wegen Vettel: mehr Respekt

Sebastian Vettel geriet nach dem Japan GP erneut massiv in die Kritik. Ausgerechnet Lewis Hamilton verteidigt seinen Gegner: Presse soll mehr Respekt zeigen
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Für Sebastian Vettel und Ferrari endete der Japan GP in Suzuka mit einem Desaster. Dem nächsten Desaster. Die reine Quantität der Rückschläge im WM-Kampf gegen Mercedes und Lewis Hamilton in der Formel 1 2018 führt dazu, dass jetzt beide WM-Titel - für die Scuderia und für Vettel - so gut wie verloren sind. Nur durch ein großes Wunder kann Maranello, kann Vettel das Blatt noch wenden.

Rechnerisch ist der WM-Titel für Sebastian Vettel zwar noch möglich, doch glaubt Ferrari im Angesicht der Tatsachen, 67 Punkten Rückstand bei nur noch 100 zu holenden Zählern, schon selbst nicht mehr an den Turnaround. Das zeigt allein, dass Ferrari am Ende des Rennens Kimi Räikkönen nicht noch hinter Sebastian Vettel beorderte.

Sebastian Vettel als Sündenbock

Für zahlreiche Medien ist das Grab allerdings schon sehr viel länger geschaufelt. Spätestens seit Vettel bei seinem Heimrennen in Hockenheim den Ferrari im Motodrom in die Bande stopfte, nehmen die Misstöne insbesondere aus der bekannt dramatischen italienischen Presselandschaft zu.

Formel 1 2018: Top-Themen nach dem Japan GP: (10:08 Min.)

Dass nicht nur in Hockenheim - genauso erst jetzt wieder in Suzuka durch die verpatzte Reifenwahl im Qualifying - auch Ferrari mitverantwortlich war, Vettel auf gewisse Weise erst in die Fehler trieb, wird dabei nicht ignoriert, allerdings klar hinter etwas anderes zurückgestellt. Für die Italiener steht fest: Die Hauptschuld trägt der Deutsche, nicht ihre Scuderia.

Lewis Hamilton fordert mehr Respekt für Vettel

Beispiel Japan: Von tiefer Existenzkrise, einer verzweifelten Suche nach Revanche, Punkteverschwendung, einem Horror-Fehler, ja sogar Rückerlangung seiner Würde als vierfacher Weltmeister war die Rede. Vettel mache einfach nichts mehr richtig. Harter Tobak. Zu hart, geht es nach ... Lewis Hamilton. Ausgerechnet der so gut wie frischgebackene fünffache Formel-1-Weltmeister verteidigt jetzt seinen eigenen Erzrivalen und geht mit der Presse ins Gericht.

Bei Instagram kritisiert Hamilton: "Ich denke, dass die Medien Sebastian etwas mehr Respekt erweisen sollten. Ihr könnt euch einfach nicht vorstellen, wie hart es ist, was wir auf diesem Level betreiben, zu tun - was für jeden Athleten im Grenzbereich gilt. Man muss davon ausgegangen, dass wir als Menschen Fehler machen, aber es kommt darauf an, wie wir mit ihnen umgehen. Das zählt."

Hamilton: Ich und Mercedes Sieger im Psycho-Krieg gegen Vettel & Ferrari

Noch am Rennwochenende hatte sich Hamilton selbst zumindest über die eingebrochene Formkurve Vettels und Ferraris gewundert. "Was Sebastians Performance angeht - das habe ich so natürlich nicht erwartet", sagte Hamilton.

"Ich hatte definitiv nicht damit gerechnet, dass sie so zurückfallen würden wie sie es getan haben. Sie haben ja nicht nur Performance verloren. Aber ich habe da nicht wirklich eine Antwort drauf. Es ist nichts, worauf ich mich fokussiere. Ich bin mir sicher, Sebastian könnte euch sagen warum."

Eine mögliche Erklärung ließ sich Lewis Hamilton dann allerdings doch noch entlocken: seinen und Mercedes' Sieg im psychologischen Krieg mit Ferrari und Sebastian Vettel. "Zusammen können wir für uns beanspruchen, dass wir den Druck aufrechterhalten haben und am Ende, vielleicht, ist es, was in einem Kopf-an-Kopf-Rennen unter Top-Konkurrenten passiert. Auch wenn sie noch immer großartig abliefern, kann einer von ihnen nicht immer genauso liefern", so Hamilton.

"Es ist ein psychologischer Kampf und Krieg, in dem wir stecken und daran hatte jeder (bei Mercedes, Anm. d. Red.) seinen Anteil. Jeder hat einhundert Prozent gegeben und jeder hat wieder und wieder geliefert. Ich bin dankbar, dass ich geliefert habe und dass das Team geliefert hat."


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