Formel 1

Formel 1 Japan 2018: Die heißesten Fragen zum Rennen in Suzuka

Die Formel 1 ist zurück in Suzuka. Sebastian Vettel noch mit WM-Glauben? Bottas nach Teamorder gebrochen? Regen-Drama? Die Brennpunkte zum Japan GP.
von Jonas Fehling
Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Japan GP: (7:37 Min.)

Japan-Brennpunkt #1: Hat Sebastian Vettel die WM aufgegeben?

Sebastian Vettel braucht dringend einen Konter im WM-Duell gegen Lewis Hamilton. Dieser Satz gehört seit der Sommerpause der Formel-1-Saison 2018 zunehmend zum Standard-Repertoire der F1-Presse. Das Schlimmste für Vettel: Die Betonung liegt auf zunehmend. Während die Rennen immer weniger werden, wird der Rückstand des Ferrari-Piloten immer größer.

Fünf Läufe vor Saisonende liegt Vettel jetzt 50 Punkte hinten. Das entspricht zwei Siegen des Deutschen bei zwei Ausfällen Hamiltons. Damit mit kann Vettel erstmals nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden. Im Gegenteil: Hamilton braucht dafür nur vier dritte und einen zweiten Platz.

Gut für Vettel, dass jetzt mit dem Japan GP sein absoluter Lieblingskurs im Rennkalender ansteht. Vor Suzuka hat Vettel noch lange nicht aufgegeben, sagt er: "Ich glaube noch immer an unsere Chance." Obwohl sein Rückstand zum gleichen Zeitpunkt noch 16 Punkte größer ausfällt als 2017. Doch hält Vettel in diesem Jahr die Basis seines Ferrari für viel besser, die Zuversicht deshalb für angebracht.

Noch dazu ändert sich nichts an dem Fakt, dass Vettel weiß, wie man einen großen Rückstand noch drehen kann. Schon 2010 und 2012 kam Vettel aus fast aussichtloser Lage wieder zurück, holte die WM-Kronen im Schlussspurt. Dass der Glaube an die WM dennoch etwas gelitten hat, wird zwischen den Zeilen jedoch deutlich.

"Um ehrlich zu sein, blicke ich von Rennen zu Rennen. Ich war kein Genie in Mathe, aber ich bin clever genug, um zu verstehen, dass es nicht einfacher wird, wenn wir Punkte verlieren", sagt Vettel. Das klingt schon sehr verdächtig wie im Vorjahr.

Japan-Brennpunkt #2: Ist Bottas nach Sotschi-Teamorder gebrochen?

Erst hatte er Pech, vor allem bei seinem ganz bitteren Ausfall in Baku, dann war er schlicht zu langsam und jetzt kam ausgerechnet dann, als es mal lief, auch noch Stallregie dazu: Valtteri Bottas ist die tragische Figur der Saison 2018. Rückschlag folgte auf Rückschlag. Hat der Finne die Kraft, in Suzuka zurückzuschlagen?

Dagegen spricht die generelle Formkurve. Sotschi war für Bottas nur ein Ausreißer nach oben. Ein Ausreißer mit Ankündigung. Sotschi und Bottas - das passte einfach schon immer. In Suzuka sieht das wieder anders aus. Zudem hatte Lewis Hamilton Bottas vor Sotschi abgesehen vom Saisonstart durchweg klar im Griff. Doch lässt sich von einem gebrochenen Mann sprechen?

Toto Wolff widerspricht, versucht Bottas aufzubauen, indem er den Finnen für seinen Realitätssinn, seine Leistung für das Team adelt. "Valtteri war in Sotschi bereit, seinen Sieg aufzugeben, um unseren Doppelsieg abzusichern und dadurch unsere Führung in beiden Weltmeisterschaften auszubauen. Und er hat gesagt, dass er bereit sei, dies morgen zu wiederholen. Das sagt alles, was man über die Qualität und Integrität seines Charakters wissen muss", stellt Wolff klar. "Valtteri hat in Sotschi bewiesen, dass er ein Grand-Prix-Sieger ist. Er stellte das Auto auf die Pole, kontrollierte das Rennen und hatte die Pace, um es zu gewinnen!"

Japan-Brennpunkt #3: Mit Mut zur Überraschung?

Alle Fahrer lieben Suzuka. Wenn Spa die Ardennen-Achterbahn ist, so kommt Suzuka im F1-Vergnügungspark direkt danach. Vor allem die irre schnellen 'Esses' im ersten Sektor, die herausfordernden Degner-Kurven (Kiesbetten!) und nicht zuletzt 130R - Japan belohnt mehr als so gut wie jede andere Strecke unfassbares Talent am Steuer. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Das belegen etwa die legendären Qualifyings von Ayrton Senna, mehr als eine Sekunde schneller als alle anderen, Teamkollege inklusive. Suzuka gilt als die Mutstrecke schlechthin. Heute bedeutet das: Eine Chance auch für andere als Ferrari und Mercedes? Für die Alonsos, Verstappens und Leclercs? Welcher Topfahrer kann in Japan 2018 glänzen?

Die besten Aussichten hat ganz klar Verstappen, passt beim Youngster auch das Auto noch halbwegs. Oder ganzwegs. Immerhin war Red Bull in Russland bereits weit besser aufgelegt als von nahezu allen Experten erwartet. In Japan rechnen sich die Bullen nun noch mehr aus. "Unsere Pace war schon in Russland ermutigend", sagt Teamkollege Daniel Ricciardo.

"Mercedes sieht auf jedem Layout stark aus und wird es den Rest des Jahres sicher auch bleiben, aber ich denke, wir scheinen ziemlich nah an Ferrari dran zu sein. Wenn Mercedes das zu schlagende Team bleibt, dann können wir es hoffentlich mit Ferrari im Kampf um das Podium aufnehmen. Aber dass es ein ziemlicher High-Downforce-Kurs ist, sollte uns zugutekommen."

Darauf setzt auch Max Verstappen: "Wir waren in Japan schon in der Vergangenheit erfolgreich, deshalb hoffe ich wieder auf ein gutes Ergebnis für das Team", sagt Verstappen. "Unser Auto war dort im ersten Sektor immer sehr gut. Mit einer guten Strategie könnten wir eine ordentliche Chance an diesem Wochenende haben."

Japan-Brennpunkt #4: Punkte mit Suzuka-Special?

Der Russland Grand Prix war ein Reinfall für Toro Rosso. Schon nach vier Runden strichen Pierre Gasly und Brendon Hartley parallel mit kuriosen Bremsdefekten die Segel. Zuvor hatte es bereits Strafversetzungen gehagelt. Das allerdings nicht wegen Defekten, sondern weil Honda am Freitag ein Upgrade gebracht hatte. Dieses erzielte vielversprechende Ergebnisse – Teamchef Franz Tost sprach von einer riesigen Verbesserung -, schien den Japanern jedoch nicht ganz rennreif.

In ihren kurzen Rennen fuhren Gasly und Hartley daher wieder die vorherige Spezifikation. Auf dem Prüfstand sollen die letzten Zweifel in Sachen Zuverlässigkeit der neuen Ausbaustufe nun ausgeräumt werden, um idealerweise beim Heimrennen auf der Honda-Hausstrecke in Suzuka mit mehr Power ein gutes Resultat eintopfen zu können - und vor allem keinen Motorschaden zu erleiden.

Japan-Brennpunkt #5: Regen-Chaos in Suzuka?

Der Taifun Trami hat vor wenigen Tagen die japanischen Inseln erschüttert. Vier Millionen Menschen wurden evakuiert, hundert dennoch verletzt, auch Todesfälle waren zu beklagen. Inzwischen hat sich die Naturgewalt entladen. Entgegen erster Befürchtungen droht dem Formel-1-Wochenende somit nicht gleich eine komplette Absage.

Doch kurios werden soll es in Sachen Wetter in Suzuka dennoch. Das ganze Wochenende über fällt die Regenwahrscheinlichkeit aktueller Wetter-Prognose zufolge nicht unter 40 Prozent. Vor allem am Medientag soll es nass werden, doch auch Training und Qualifying sollen im Regen über die Bühne gehen. Erst zum Rennen am Sonntag wird der Wetterbericht besser. Nicht nur das: sogar richtig gut. Plötzlich sind 30 Grad angesagt. Das würde den Japan GP auch aus Reifen-Sicht umso spannender machen, würden damit sämtliche Erfahrungswerte aus dem kühleren, wenn nicht gar völlig nassen, Training fast völlig irrelevant.


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