Formel 1

Formel 1 Sotschi, Vettel und Hamilton streiten nach Fast-Crash

Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton: Beim Formel-1-Rennen in Sotschi kam es fast zur Kollision. Hamilton schimpft, Vettel sagt: Bin kein kompletter Arsch.
von Christian Menath

Der Russland GP drohte nach dem Start einmal mehr ein Langweiler zu werden. 2018 gab es aber tatsächlich etwas mehr Action. Nicht nur politisch - in Runde 25 musste Valtteri Bottas Lewis Hamilton vorbeilassen, in Runde 42 traf Russlands Staatspräsident Vladimir Putin ein -, auch sportlich war in Sotschi mehr los als in den vergangenen Jahren.

Weil Mercedes den Undercut unterschätzte, verlor Hamilton beim Boxenstopp Position zwei an Sebastian Vettel. Der Ferrari-Pilot setzte sich an der Boxenausfahrt hauchdünn gegen Hamilton durch.

Doch lange dauerte es nicht, bis Hamilton die Reihenfolge wiederherstellte. In Runde 16, eine Runde nach seinem Stopp, bog der Weltmeisterschaftsführende im Heck von Vettel auf Start und Ziel. Im Windschatten und mit DRS saugte er sich heran, wollte vor Kurve zwei innen vorbeigehen.

Hamilton: Vettel hat zweimal Linie gewechselt

Doch Vettel machte die Tür heftig zu, Hamilton konnte eine Kollision nur knapp vermeiden. "Für mich ist er erst nach innen gegangen, dann hat er sich nochmal bewegt und mich fast in die Mauer gedrückt", beschwerte sich Hamilton nach dem Rennen.

"Meiner Meinung nach hat er zweimal Linie gewechselt, aber ich glaube, sie haben das nicht gesehen", so Hamilton in Richtung Rennleitung. Doch die Rennleitung hatte den Zwischenfall sehr wohl auf dem Radar und gab die Szene an die Stewards weiter.

Nach einigen Minuten hatten die Mannen um Chefsteward Garry Connelly eine Entscheidung getroffen: Keine weitere Maßnahme nötig. Die Begründung fiel kurz und schlüssig aus: "Bei der Aktion von Fahrer 5 [Sebastian Vettel] gab es keine zwei signifikanten Richtungsänderungen."

Hamilton sieht es gänzlich anders: "Wenn ich nicht gebremst hätte, wäre ich in der Mauer gewesen und wir hätten gecrasht. Aus dem Cockpit sah es auf jeden Fall so aus, als hätte er sich zweimal bewegt. Wir reden so oft darüber, dass wir das nicht machen sollen. Aber letztendlich ging es gut aus und ich war ziemlich stark in der nächsten Kurve."

Hamilton konnte Vettel in der langgezogenen Linkskurve folgen, blieb im Windschatten des Ferrari-Piloten und ging in Kurve vier hinein innen an Vettel vorbei. Damit war der Zweikampf zumindest auf der Strecke beendet - aber noch nicht verbal.

Vettel: Bin kein kompletter Arsch

Vettel selbst sah nämlich kein Problem in seiner Fahrweise: "Ich sah ihn kommen, aber es war schwierig, ihn in den Spiegeln zu beobachten. Aber ich dachte, ich wäre vor der Bremsphase rübergezogen, ich wollte einfach nur sicherstellen, die Innenseite abgesichert zu haben. Ich wollte in dieser Situation niemanden irritieren."

Hamilton unterbricht Vettel: "In der Hitze des Gefechts fühlt es sich immer einseitig an. Aber ich bin mir sicher, wenn wir uns das nachher anschauen, siehst du es und sagst: Ja, ich habe zweimal Richtung gewechselt."

Vettel machte die harte Aktion seiner Meinung nach zwei Kurven später wieder gut. "Ich bin deshalb nicht so gut aus Kurve zwei gekommen und konnte meine Position nicht so gut verteidigen. Ich konnte ihn sehr lange nicht sehen, sah dann plötzlich nur seine Reifen und wusste, dass er irgendwo da war. Ich wollte aber kein kompletter Arsch sein und ihn in Dirty Air bringen und damit möglicherweise in die Mauer schicken. Ich musste ihm dann den Vortritt in Kurve vier geben, weil es sonst an einem Punkt dumm geworden wäre."


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