Formel 1

Formel 1, Ocon verteidigt Stroll: Hass gegen ihn nicht normal

Esteban Ocon verliert bei Force India wohl sein Cockpit an Lance Stroll. Der Mercedes-Junior hegt dennoch keinen Groll. Im Gegenteil: Er verteidigt Stroll.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lance Stroll wird für die Formel-1-Saison 2019 mit hoher Wahrscheinlichkeit das Force-India-Cockpit von Esteban Ocon übernehmen. Dem Mercedes-Junior droht dadurch das vorläufige Aus in der Königsklasse. Dass ein Paydriver ein hoch angesehenes Nachwuchstalent verdrängt, sorgt sowohl inner- als auch außerhalb des Paddocks für viel Unmut.

Ocon stellte sich im Vorfeld des Rennwochenendes in Russland vor Stroll, der seit der Übernahme Force Indias durch Vater Lawrence vor allem aus den Reihen der Fans viel Kritik einstecken muss. Auf Instagram postete er ein Foto zusammen mit Stroll. "Wir mögen aus unterschiedlichen Verhältnissen stammen, aber wir teilen dieselbe Leidenschaft, den Spirit für den Wettbewerb und die Liebe zum Sport", so der Franzose.

Ocon: Stroll ist mein bester Kumpel im Formel-1-Paddock

"Also Leute, bitte zeigt Respekt und eure Unterstützung. Nichts im Leben ist einfach und wir arbeiten alle hart dafür, hier zu sein." In Sochi erklärte Ocon, weshalb er sich zu diesem Schritt entschied: "Ich habe das gemacht, weil Lance im Paddock mein bester Kumpel ist und wir schon seit langem eine gute Beziehung zueinander pflegen."

Die Anfeindungen gegen Stroll findet er mehr als unangebracht. "Diesen ganzen Hass in den sozialen Medien zu sehen, ist nicht normal", so Ocon. "Ich denke, es ist besser deine Unterstützung zu zeigen anstelle von Hass." Dass Stroll von Außenstehenden dafür verantwortlich gemacht wird, dass seine eigene Karriere ins Stocken gerät, findet Ocon falsch.

Esteban Ocons Instagram-Post vor dem Russland-Wochenende - Foto: Instagram/Esteban Ocon

Ocon: Stroll arbeitet genau so hart wie alle anderen in der Formel 1

"Die Leute reden so, als ob es seine Schuld wäre. Aber es ist nicht seine Schuld", stellt der 22-Jährige klar, der daran erinnert, dass auch Stroll für seinen Traum von der Formel 1 kämpfen musste - auch wenn sein Weg bis in die Königsklasse natürlich durch das Vermögen seines Vaters geebnet wurde.

"Er arbeitet genau so hart wie ich, um in der Formel 1 zu sein. Für jeden der hier in der F1 ist, ist es harte Arbeit. Es ist keine einfache Welt", sagt Ocon, der 2014 die Formel 3 Europameisterschaft gewann und dann über die GP3 Series und die DTM zur Saisonmitte 2016 bei Manor in die Formel 1 aufstieg. Stroll fand seinen Weg ebenfalls als Meister der Formel 3 EM 2016 in die Königsklasse.

Ocon 2019 zu Williams? Cockpit-Tausch mit Stroll möglich

Nach momentanem Stand könnte es 2019 tatsächlich zu einem Tausch zwischen Ocon und Stroll kommen. Nachdem Renault und McLaren sich trotz weit fortgeschrittener Verhandlungen mit Ocon für andere Piloten entschieden, bleibt dem Mercedes-Youngster nur noch eine Option - und die heißt Williams.

"Ja, wir verhandeln natürlich mit Williams", erklärt Ocon. Der Traditionsrennstall aus Grove ist neben Force India das einzige Mercedes-Kundenteam im Paddock und damit das Team, bei dem Ocon-Förderer Toto Wolff die besten Chancen hat seinen Nachwuchsfahrer unterzubringen. Beim Blick auf den aktuellen WM-Stand mutet ein Wechsel zu Williams für Ocon wie ein Abstieg an. Vor einem Jahr hingegen war Williams noch der erste Verfolger von Force India.

"Ich würde nicht sagen, dass es ein Abstieg wäre. Williams ist ein großartiges Team, sie waren in der Vergangenheit Weltmeister und haben letztes Jahr hart gegen uns gekämpft. Sie machen eine schwere Zeit durch, aber alle Teams machen mal schwere Zeiten durch. Deshalb sehe ich das nicht so", erklärt Ocon.

Ocon: Keine Trennung von Mercedes wie bei Wehrlein

Sollte es bei Williams nicht klappen, könnte es auf eine einjährige Auszeit für Ocon hinauslaufen. "Natürlich könnte ein Jahr auf der Ersatzbank eine Option sein", sagt er. "Aber ich werde in jedem Fall 2020 zurück sein, und zwar stärker." Der Weg Pascal Wehrleins, für den Mercedes Ende 2017 ebenfalls kein Cockpit fand und der sich kürzlich von seinen Förderern trennte, ist für ihn keine Option.

"Nein, ich werde momentan großartig von Mercedes unterstützt. Sie werden mich niemals gehen lassen und immer hart pushen, um eine Lösung für mich zu finden. Das ist aber im Moment das einzige Gute, das ich habe", so Ocon, über den Wolff zuletzt sagte, dass er ihn in "einer Million Jahren" nicht gehen lassen würde."

"Toto ist ein sehr direkter Typ. Er ist sehr ehrlich und wenn er etwas sagt, dann tut er es auch. Er sagte, dass sie mich immer unterstützen werden, und bisher war das auch der Fall. Ich habe großes Glück, diese Unterstützung von Mercedes und Toto zu erhalten", sagt Ocon."


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