Formel 1

Formel 1 Sotschi 2018: Die heißesten Fragen in Russland

Der 16. Lauf 2018 führt die Formel 1 nach Russland. In Sotschi müssen Sebastian Vettel & Ferrari dringend Fehler abstellen und Lewis Hamiltons Run brechen.
von Jonas Fehling
Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Russland GP: (07:11 Min.)

Die Formel 1 läutet die heiße Schlussphase der Saison 2018 ein. Für Sebastian Vettel und Ferrari sowie Lewis Hamilton und Mercedes könnte der Russland GP am kommenden Wochenende in Sotschi bereits eine Vorentscheidung im WM-Rennen bringen. Wir haben die heißesten Brennpunkte vor dem Grand Prix im Sochi Autodrom.

Russland-Brennpunkt #1: Patzen Vettel & Ferrari erneut?

75 Punkte hat Sebastian Vettel in dieser F1-Saison schon durch eigene Fehler und die seines Teams verloren. Können der WM-Zweite und Ferrari in Russland die Patzer abstellen? Das wäre dringend nötig. Bei bereits 40 WM-Punkten Rückstand auf Lewis Hamilton ist ein weiterer Rückschlag jetzt nicht mehr drin, wäre gleichbedeutend damit, den Titel nicht länger in eigener Hand zu halten.

Noch kann es Vettel nämlich aus eigener Kraft schaffen. Gewinnt er jedes Rennen vor seinem Erzrivalen, ist er um zwei Punkte Weltmeister. Doch dazu ist im engen Kampf gegen Mercedes und Hamilton eben immer Perfektion nötig. "Wer das Beste herausholt, ist gewöhnlich auch in der besten Ausgangslage", kommentiert Kimi Räikkönen simpel, aber treffend. Genau dazu schienen sowohl Ferrari als auch Vettel selbst zuletzt jedoch kaum mehr fähig. Und sei es nur ein leichter Mauerkuss im Training in Singapur.

Geht es rein nach Performance fällt eine Prognose für den Russland GP schwer. Ferrari gilt auf dem Papier allerdings nicht mehr als haushoher Favorit wie zuletzt in Singapur. Vielleicht ist genau das aber gar nicht so schlecht, arbeitet Ferrari deshalb - und wegen der nun so angespannten Lage - womöglich umso konzentrierter, endlich einmal wieder wirklich alles auf die Kette zu bekommen.

Russland-Brennpunkt #2: Sieg-Hattrick für Hamilton?

Drei Siege in Folge vermochte in der Formel-1-Saison 2018 noch kein Fahrer zu feiern. Doch befand sich Lewis Hamilton bereits zweimal vor diesem Run, Sebastian Vettel erst einmal. In Russland erhält Hamilton nun die dritte Chance, könnte nach Italien und Singapur in Sotschi ein Sieg-Triple erzielen. Noch dazu wäre es der dritte Sieg in Russland für den amtierenden Weltmeister und WM-Leader.

Wie die Chancen stehen? Zumindest statistisch ideal. Bis dato gewann in Russland immer Mercedes, neben Hamilton einmal Nico Rosberg und einmal Valtteri Bottas. Doch Ferrari präsentierte sich bereits im Vorjahr als ebenbürtiger Gegner. Deshalb baut Vettel darauf, 2018 noch eine Schippe nachzulegen. "Russland wurde für uns über die vergangenen Jahre immer besser. Es sollte unserem Auto gut liegen", sagt der Deutsche. "Wir müssen keine Strecke fürchten."

Teamkollege Kimi Räikkönen sieht es ähnlich. "Es sollte schon in Ordnung sein", so der Iceman. Eng würde es allerdings ganz sicher auch im Sochi Autodrom. Mercedes sieht es ähnlich, vertraut nach den Erlebnissen der laufenden Saison auf gar nichts mehr als konzentriertes Arbeiten. " In dieser Saison gibt es keine einfachen Siege. Wir müssen um jedes Quäntchen Performance hart kämpfen, um die Chance zu haben, um Siege mitzufahren", sagt Toto Wolff.

"Wir haben eine gute Bilanz in Sotschi, aber wir wissen, dass Ferrari und Red Bull alles geben werden, um unsere Siegesserie zu durchbrechen. Deshalb müssen wir härter denn je kämpfen, um sicherzustellen, dass wir so viele Punkte wie möglich einfahren können. In unserem Team gibt es mit Blick auf unsere Situation keinen naiven Optimismus."

Russland-Brennpunkt #3: Schlägt Bottas zurück?

Valtteri Bottas steckt in der Formkrise. Im Vorjahr holte er sich in Sotschi noch seinen ersten Grand-Prix-Sieg, ließ weitere folgen. Doch 2018 ist der Finne sieglos. Zu Saisonbeginn war es unfassbares Pech, inzwischen liegt es allerdings sehr viel mehr an Bottas selbst. Mit Hamilton vermag Mercedes zweiter Mann schon länger nicht mehr mitzuhalten, hat inzwischen selbst erkannt, den WM-Titel abschreiben zu müssen.

Stattdessen hilft Bottas jetzt dem Briten im WM-Kampf gegen Vettel. Genau deshalb erscheint ein Befreiungsschlag in Russland umso unrealistischer - zusätzlich noch zur gerade so flachen Formkurve. Im Zweifel muss Bottas Hamilton vorbeilassen. Retten könnte ihn da nur eine Situation, in der er vor Vettel fährt, der wiederum vor Hamilton liegt.

Doch kommt Bottas 2018 noch einmal in diese Lage? Wenn, dann ist es jetzt in Russland wahrscheinlicher als überall sonst. Das Sochi Autodrom mit seinem sanften Asphalt passt einfach zu Bottas' Fahrstil. Schon mit Williams zeigte der Finne dort besondere Stärken. Entsprechend hofft Bottas auch jetzt auf diesen Faktor. "Es war im vergangenen Jahr ein gutes Rennen für mich - war es immer -, sodass ich hoffentlich ein starkes Rennen haben kann."

Russland-Brennpunkt #4: Was bringt das Upgrade bei Renault?

Besondere Spannung herrscht in der Formel 1 weiter im Mittelfeld. Durch Romain Grosjeans Disqualifikation in Monza und eine Haas-Nullnummer in Singapur vermochte sich Renault jüngst zwar wieder etwas von den US-Amerikanern freizuschwimmen. 15 Punkte beträgt der Vorsprung in der Teamwertung aktuell. Doch zuvor hatte Haas Mitte der Saison gewaltig aufgeholt, hat das bessere Auto.

Genau das entging den Franzosen nicht. Renault weiß genau, sich nicht ausruhen zu können. Deshalb kommt in Russland selbst zu so später Phase der Saison noch ein echtes Update an den Renault. Der R.S.18 bekommt einen neuen Unterboden verpasst. Doch ist angesichts des Streckenlayouts fraglich, ob Nico Hülkenberg und Carlos Sainz damit eine Waffe erhalten, die scharf genug ist. Zumal nicht nur Haas, sondern auch Force India die Streckencharakteristik besser schmecken dürfte und auch dieses Team jüngst erst so richtig in Fahrt kam.

Russland-Brennpunkt #5: Sirotkin mit Wunder beim Heimrennen?

Ein ganz besonderes Rennen erwartet in Russland Sergey Sirotkin. Für den Williams-Fahrer ist es das erste Heimrennen in der Formel 1. Sogar eine eigene Tribüne gibt es für den studierten Ingenieur. Doch die brachte in der Vergangenheit bereits Daniil Kvyat wenig Glück. Unvergessen, wie der Russe 2016 vor heimischer Kulisse zum Torpedo wurde, Vettel ins Heck donnerte. Ein Rennen später war Schluss bei Red Bull. Das Heimrennen als Sargnagel.

Sirotkin dürfte das allerdings kaum drohen. Die Gefahr, völlig übermotiviert zu übertreiben, ist am Ende des Feldes eben weitaus kleiner. Zu holen gibt es mit Williams aus eigener Kraft ohnehin so gut wie nichts. Eher eine Belastung für den Sport könnten da schon die extremeren Verpflichtungen am Rand des Grands Prix werden. "Heimrennen ist immer gut, aber wie überall im Leben gibt es Höhen und Tiefen", so Sirotkin dazu.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter