Formel 1

Formel 1 Österreich 2018: Die heißesten Fragen am Red Bull Ring

Runde zwei des F1-Triple-Headers. Kann Vettel in der WM gegen Hamilton zurückschlagen? Oder trumpft Red Bull zuhause groß auf. Die Brennpunkte in Spielberg.
von Florian Becker
Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Österreich GP: (06:33 Min.)

Die zweite Runde des Triple Headers führt die Formel 1 nach Österreich. Der Red Bull Ring markiert das neunte Rennen im Kalender 2018 und die nächste Runde im WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. In Frankreich dreht der Mercedes-Pilot das Titelduell wieder in seine Richtung, während sein Kontrahent mit einer selbstverschuldeten Kollision Federn ließ. In der Steiermark sind die beiden mit der Favoritenrolle aber nicht allein, denn vor allem Red Bull hat sich beim Heimspiel viel vorgenommen. Das sind die Brennpunkte für den Großen Preis von Österreich.

Brennpunkt #1: Mercedes oder Ferrari?

Es geht weiter hin und her im Jahr 2018. Nachdem Ferrari in Montreal das Kommando hatte und mit Vettel den dritten Saisonsieg feierte, sorgten Mercedes und Hamilton in Le Castellet für den Ausgleich. Die WM-Führung wanderte ebenfalls zurück nach Brackley, wobei Vettel mit seiner hausgemachten Frankreich-Pleite selbst gehörig dazu beitrug, dass er nun 14 Punkte hinter Hamilton liegt. In Spielberg ist der Favorit nach der bisherigen Entwicklung in diesem Jahr nicht leicht zu bestimmen.

Die Statistik spricht klar für Mercedes, die hier seit 2014 alle Rennen gewinnen konnten. Aber auch mit dem 2018 nicht so dominanten F1 W09 sollte Silber die besten Karten haben. Der Red Bull Ring wurde 2016 neu asphaltiert, und frischer Asphalt ist für Mercedes bisher an fast jedem Austragungsort ein Geschenk gewesen. Hinzu kommt das flüssige Layout. Zwar gibt es mit den Kurven eins, zwei und drei auch harte Anbremszonen, doch Schikanen mit schnellen Richtungswechseln, die dem Ferrari besonders gut schmecken, gibt es keine.

Hamilton liegt nach dem Grand Prix von Frankreich in der WM wieder an der Spitze - Foto: Sutton

Vorteil also auf jeden Fall für Mercedes. Die Frage wird allerdings sein, welcher der beiden Silberpfeil-Piloten mehr daraus machen kann. 2017 eroberte Bottas in Österreich seinen zweiten Grand-Prix-Sieg, inklusive verboten gutem Start. Der Finne war auch dieses Jahr schon mehrfach auf Siegkurs und ist nach Rückschlägen und Pleiten heiß darauf, endlich die oberste Stufe des Treppchens zu erklimmen. Die Pace dazu hat er an den bisherigen Wochenenden regelmäßig gezeigt.

Brennpunkt #2: Gelingt Red Bull eine Überraschung?

Mercedes vs. Ferrari, das hat fast an jedem Rennwochenende Gültigkeit. Hin und wieder mischt sich aber auch die dritte Partei der selbsternannten Top-Teams ein: Red Bull. In Monaco ist es dem Underdog der Oberklasse dieses Jahr schon einmal gelungen, die Konkurrenz ganz ohne Hilfe vom Renngott zu demütigen. Beim Heimspiel in Österreich würden Max Verstappen und Daniel Ricciardo das gerne wiederholen. "Red Bull war in den vergangenen beiden Rennen dort auf dem Podium", weiß der Niederländer.

Der dritte Platz von Ricciardo 2017 war sogar ein wichtiger in der Saison, denn nachdem das Team zu Beginn teilweise über 50 Sekunden auf den Rennsieger verlor, überquerter der Australier an diesem Tag die Ziellinie nur sechs Sekunden hinter dem Ersten. "Auf den Geraden haben wir zwar Nachteile, aber trotzdem ist es hier nie so schlimm", so Verstappen, für den es außerdem noch einen Grund gibt sich auf Spielberg zu freuen.

"Ich freue mich auf das Wochenende, da viele niederländische Fans kommen werden und viel Orange zu sehen sein wird. Das ist immer gut." Für die Strategie hat Red Bull im Gegensatz zur Konkurrenz zwei Sätze Soft-Reifen pro Fahrer im Gepäck. Das lässt ihnen zumindest eine taktische Variante mehr offen als bei Mercedes und Ferrari. Und in China machte das Team mit der Reifenmischung bereits gute Erfahrungen, als man sie bei einer Gelbphase zum richtigen Zeitpunkt aufzog und so zum Sieg fuhr.

Brennpunkt #3: Was bringt die dritte DRS-Zone?

DRS-Zonen sind in der modernen Formel 1 eigentlich nie verkehrt. Über die Fairness der Art und Weise, wie es eingesetzt werden darf, lässt sich streiten. Aber unter dem Strich erfüllt es seinen Zweck und sorgt für mehr Überholmanöver. In Spielberg werden wir deshalb wieder einmal mit einer dritten DRS-Zone beglückt, und das an einem durchaus interessanten Streckenteil.

Die DRS-Zonen auf der Start- und Zielgerade sowie zwischen den Kurven zwei und drei sind ein alter Hut. Im Jahr 2018 dürfen die Piloten allerdings auch zwischen der ersten und der zweiten Kurve das System einsetzen. Das bedeutet, dass auf fast der Hälfte der Strecke quasi ununterbrochen attackiert werden kann. Da die DRS-Zonen außerdem von 90-Grad-Kurven und nicht von schnellen Passagen getrennt werden, besteht weniger Gefahr abreißen lassen zu müssen. Es darf also mit spannenden Fights gerechnet werden.

Brennpunkt #4: McLaren & Williams wieder hinterher?

Einst die Großmächte der Königsklasse, heute beinahe ein Fall für den Seelsorger. Williams und McLaren dümpeln seit Frankreich gemeinsam am Ende des Feldes herum. Aussicht auf Besserung besteht, wenn überhaupt, nur bei einem der beiden Teams. Williams ist es nicht. Mit dem nach wie vor langsamen sowie unkonstanten Lance Stroll und dem zwar häufig schnelleren aber unerfahrenen Sergey Sirotkin ist Grove auf verlorenem Posten.

Für Woking war Le Castellet in diesem Jahr der erste Ausrutscher in die Bedeutungslosigkeit. "Idealerweise hätten wir gerne etwas Zeit um die Daten zu studieren und neue Teile für das Auto herzustellen und eine Lösung zu finden", so Alonso. "Aber wir haben keine Zeit, also müssen wir einfach unser Bestes geben." Das Beste reichte bei ihnen in diesem Jahr immerhin schon für Top-10-Ergebnisse, sogar aus eigener Kraft.

Alonso hofft dementsprechend, dass es sich beim vergangenen Wochenende um eine Ausnahme gehandelt hat. "Ich bin zuversichtlich. Ich denke, das war bei weitem unsere schlechteste Performance des Jahres und ich hoffe wirklich, dass das nur ein Ausrutscher war und nicht der Normalfall ist. Ich vertraue dem Team und weiß, dass in den kommenden Rennen ein paar neue Teile kommen werden."

Williams wird auch in Spielberg kaum einen Weg aus seiner Misere finden - Foto: LAT Images

Brennpunkt #5: Glänzt Charles Leclerc auch in Spielberg?

Sauber-Sensation Charles Leclerc wird langsam zum Stammgast in den Punkterängen. In Frankreich holte er mit Platz zehn seinen elften WM-Punkt und zog außerdem erstmals ins Q3 ein. Von Wochenende zu Wochenende scheint er stärker zu werden. Eine Lernkurve, wie man sie bei einem Rookie in den vergangenen Jahren nur selten gesehen hat. In Spielberg könnte es gut und gerne mit dem nächsten Punkteresultat klappen, denn die starken Leistungen des Ferrari-Juniors sind keine Einzelfälle.

In vier der letzten fünf Rennen fuhr Leclerc in die Top-10. Die Tendenz könnte kaum besser sein, um diese Gewohnheit bei den ausstehenden Rennen bis zur Sommerpause beizubehalten. Andererseits waren drei der vier Punkteresultate zehnte Plätze, und zumeist erreichte der Monegasse diese auch mit etwas Hilfe der Konkurrenz. Wenn es bei den Herren Grosjean & Co. mal nicht knallt, könnte es auch für Wunderkind Leclerc wieder schwieriger werden.


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