Formel 1

Vettel nach Kanada-Sieg wehmütig: Musste an Schumacher denken

Sebastian Vettel feiert in Montreal einen historischen Formel-1-Sieg für Ferrari. In Gedanken bei Michael Schumacher, mit neuem Motor zurück an der Spitze.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettels Sieg beim Kanada GP 2018 hat historisches Format: Zum ersten Mal seit 2004 triumphierte wieder ein Ferrari-Pilot beim Formel-1-Klassiker in Montreal. Damals war es Michael Schumacher, der seinen letzten von sieben Siegen in Montreal feierte.

"In den letzten Runden musste ich viel an Michael denken, an seinen letzten Sieg hier", so Vettel nach dem Rennen. "Es ist schade, dass er nicht dabei sein konnte. Es ist unglaublich für mich, in dieser Position zu sein, das gleiche Auto wie er zu fahren."

Aber nicht nur Schumachers letzter Kanada-Erfolg macht Vettels Sieg historisch. 1978, vor 40 Jahren, holte sich der legendäre Gilles Villeneuve seinen ersten Formel-1-Sieg an gleicher Stelle - im Ferrari. "Der Sieg hier bedeutet mehr, jedem gefällt diese Strecke, es ist immer was los hier, die ganze Stadt steht Kopf", freute sich Vettel. "Ferrari lebt noch, ich bin unglaublich stolz, Teil dieser Geschichte zu sein."

Vettel schließt mit 50. Sieg zu Alain Prost auf und erobert WM-Führung

Dazu war es für Vettel auch noch der 50. Sieg seiner Formel-1-Karriere. Damit fehlt dem Ferrari-Pilot nur noch ein Sieg auf Alain Prost, der auf Rang drei der Allzeit-Bestenliste liegt. Nur Michael Schumacher (91) und Lewis Hamilton (64) konnten mehr Rennen in der Königsklasse gewinnen.

Mit dem dritten Saisonsieg holte sich Vettel auch die Führung in der Weltmeisterschaft zurück. Für den Heppenheimer kein zusätzlicher Grund zur Freude: "Die WM-Führung ist aber egal, es ist noch ein sehr langer Weg. Der Sieg bedeutet mehr."

Sebastian Vettel dachte im Moment seines Kanada-Triumphes an Freund und Vorbild Michael Schumacher - Foto: Sutton

Vettel dominiert in Montreal: Viel gemanagt und zum Schluss gezittert

Das Rennen selbst kontrollierte Vettel nach Belieben. Von Pole Position aus erwischte er einen guten Start, konnte gleich eine kleine Lücke zu Valtteri Bottas aufmachen. Auch beim Restart nach der frühen Safety-Car-Phase kam Vettel nicht in Bredouille. "Ich konnte eine Lücke auffahren und die Pace kontrollieren. Wir hatten die richtige Strategie und der Abstand blieb stabil", erklärt Vettel.

Doch ganz so einfach, wie es von außen aussah, war es für den viermaligen Formel-1-Weltmeister nicht: "Nach dem Stopp musste ich viele Dinge am Lenkrad umstellen. An einem Punkt habe ich mich gefragt, wann ich wieder fahren darf. Ich musste im Hintergrund viele Dinge managen. Am Ende habe ich nur gebetet, dass das Auto heil bleibt und nichts kaputt geht."

Vettel auch dank neuem Ferrari-Motor zurück auf der Siegerstraße

Für Vettel und Ferrari geht damit eine kleine Durststrecke zu Ende. Den letzten Sieg in dieser Saison holte die deutsch-italienische Kombination beim zweiten Saisonrennen in Bahrain. Anschließend hatte Ferrari teils Pech, teils nicht das Material, um aus eigener Kraft um den Sieg zu kämpfen. Doch in Kanada lief es plötzlich wieder rund - zumindest ab Samstag. "Wir sind zurückgekommen, vor allem die Änderungen an der Power Unit haben uns geholfen, speziell hier auf einer Power-Strecke", freute sich Vettel. Im Gegensatz zu Mercedes brachte Ferrari die geplante Ausbaustufe des Motors in Kanada.

Ganz am Ende wurde es aber noch kurios: Supermodel Winnie Harlow beendete das Rennen zu früh, weil sie die Zielflagge eine Runde vor dem Ende schwenkte. "Auf dem Lenkrad habe ich eine Runde, an der Pitwall sehe ich dann die Flagge. Ich war verwirrt, auf dem TV habe ich später gesehen, dass gleichzeitig noch eingeblendet wurde 'letzte Runde' als ich über die Linie gefahren bin. Einige Marshalls haben schon die Flaggen geschwenkt und gefeiert", berichtet Vettel.


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