Formel 1

Formel 1 Kanada: Bottas schrammt vorbei an Pole - wegen Motor?

Valtteri Bottas beherrscht im Kanada-Qualifying einen fehleranfälligen Lewis Hamilton. Pole verpasst der Finne knapp. Weil der neue Mercedes-Motor fehlt?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Mercedes-Pilot Valtteri Bottas startet den Kanada GP 2018 aus der ersten Startreihe der Startaufstellung. Im Qualifying zum Formel-1-Rennen in Montreal setzte der Finne die zweitschnellste Zeit, schrammte um nur 0,093 Sekunden vorbei an der Pole Position. Die schnappte sich Ferrari-Ass Sebastian Vettel.

Doch ausgerechnet den ausgewiesenen Kanada-Experten Lewis Hamilton hatte Bottas klar im Griff. Zu jedem Zeitpunkt machte Bottas im finalen Q3 den besseren Job, während dem amtierenden Formel-1-Weltmeister erstaunliche Fehler unterliefen, sodass Hamilton mit 0,232 Sekunden Rückstand auf Vettel sogar nur von P4 starten wird.

Valtteri Bottas: Ärger über verpasste Pole plötzlich verflogen

Der teaminterne Sieg interessiert Bottas jedoch weniger als die verpasste Pole Position. "Es war eng mit Ferrari und es ist immer ernüchternd, wenn du so nah dran bist. Aber aus der ersten Reihe zu starten ist gut für das Rennen morgen", sagt der Mercedes-Fahrer in seiner ersten Reaktion noch im Grid.

Etwas später in der Pressekonferenz ist der leichte Ärger über den verpassten Platz an der Sonne verflogen. "Ich bin jetzt happy. Denn wenn als ich mir gerade die Rundenzeiten und den Rückstand angesehen habe, stelle ich fest, dass sie heute einfach etwas schneller waren", so Bottas.

Bottas: Ferrari einfach stärker, seltsames Untersteuern in Run 2

Anders als Sebastian Vettel gelang dem Finnen in seinem zweiten Run jedoch keine Verbesserung seiner Rundenzeit in Q3. Hat Bottas so die Pole liegen gelassen? Eher nicht, meint er. "Für mich hat es sich im ersten Run angefühlt, als hätte ich alles aus dem Auto herausgeholt", winkt Bottas ab. Doch verbessert sich die Strecke im Normalfall stets noch einmal leicht.

Formel 1 2018: Vorteil durch Motor-Upgrades in Kanada?: (07:06 Min.)

"Klar, gibt es aber immer noch ein paar Stellen, an denen du dich im zweiten Run noch leicht verbessern kannst", gesteht Bottas auch. "Aber ich konnte es einfach nicht." Seine Erklärung ist eigentlich keine, sondern mehr ein Rätsel: "Ich hatte im zweiten Run auch etwas Untersteuern, aus welchem Grund auch immer."

Kaum Hypersoft-Erfahrung in Kanada für Bottas kein Problem

Möglicher Hintergrund. Keine ganz perfekte Kenntnisse der weichsten Reifen. "Wir haben heute zum ersten Mal die Hypersofts ausprobiert", erinnert Bottas. Meredes hatte für Kanada nur fünf Satz dieser Mischung ausgewählt, was Niki Lauda bereits am Freitag im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com als Fehler bezeichnet hatte.

Entsprechend probierte Mercedes die Hypersofts in Kanada gar erst im dritten Training zum ersten Mal aus. "Und wir sind von Run zu Run besser geworden", widerspricht Bottas jedoch, der Reifen sei das Problem gewesen.

Kostete Mercedes' vertagtes Motor-Upgrade Pole?

Gar nicht ausprobiert wurde seitens der Silberpfeile in Kanada jedoch überraschend ein eigentlich angekündigtes Motoren-Upgrades. Das wurde wegen Qualitätsproblemen kurzfristig abgesagt, vertagt auf Frankreich. Ferrari unterdessen rüstete in Kanada auf Motorenseite nach. War vielleicht das die entscheidende Zehntel?

Bottas: "Ich denke, das ist nur Theorie. Klar, hätten wir mit dem neuen Motor etwas gewonnen und wären vielleicht in der Lage gewesen, uns für die Pole zu qualifizieren. Aber es ist jetzt eben nicht so." Zuvor hatte Bottas am Wochenende bereits den Nachteil der alten Power Units kleingeredet während Lewis Hamilton recht große Warnungen gesendet hatte.

Doch jetzt klingt auch der Brite anders. "Ich denke nicht, dass die heutige Performance etwas mit dem älteren Motor zu tun hatte. Sebastian hat einfach bessere Arbeit abgeliefert, als es in Q3 darauf ankam", sagt Hamilton. "Meine Runden waren nicht gut und es hat für mich nicht ganz hingehauen."

Toto Wolff vermag den Nachteil auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com nicht zu konkretisieren. "Wir haben das in letzter Minute entschieden, weil die Zuverlässigkeit auf dem Prüfstand nicht gut genug war. Und Ausfälle sind immer schlimmer für die WM als eine verlorene Zehntel. Aber es hätte heute defintiv einen Unterschied gemacht. Ob es für die Pole - oder bei Lewis für Reihe eins - gereicht hätte, kann ich aber nicht sagen", so der Teamchef.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter