Red Bull hatte sich den Auftakt in die Formel-1-Saison 2018 sicherlich anders vorgestellt. Für Max Verstappen und Daniel Ricciardo reichte es am Ende nur für Trostpreise. Für Ricciardo gab es beim Heimrennen in Australien den besseren Trost: Nach unnötiger Startplatz-Strafe am Freitag, weil er unter Roter Flagge zu schnell fuhr, fuhr er von Platz acht immerhin noch auf Rang vier nach vorne. Dazu gab es die schnellste Rennrunde. Für Max Verstappen reichte es nur zu Platz sechs.

Dabei ging der Niederländer mit besseren Voraussetzungen ins Rennen. Verstappen startete auf Rang vier und kämpfte in Kurve eins noch mit dem Spitzen-Trio. "Ich bin aber in der falschen Position herausgekommen und habe deshalb den vierten Platz verloren", ärgert sich Verstappen. Kevin Magnussen konnte im Haas mehr Speed mit auf die zweite Gerade nehmen und ging am Red Bull vorbei.

Von da an schien es Verstappen zu übertreiben. Der dreifache GP-Sieger wusste, dass er schnell an Magnussen vorbei muss, um sein Rennen nicht zu zerstören. Doch dabei wirkte er etwas ungestüm und schien sich eher seine Reifen zu ruinieren.

Fast kollidierten Daniel Ricciardo und Max Verstappen, Foto: Sutton
Fast kollidierten Daniel Ricciardo und Max Verstappen, Foto: Sutton

In Runde neun dann die Schrecksekunde: Verstappen nahm zu viel Geschwindigkeit mit in Kurve eins und drehte sich. Nur um Haaresbreite konnte Teamkollege Ricciardo eine Kollision vermeiden. Verstappen verlor dadurch drei Plätze an Romain Grosjean, Ricciardo und Nico Hülkenberg. "Verstappen hatte ein Problem mit dem Unterboden", erklärt Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko Motorsport-Magazin.com und fügt an: "Ich glaube, er hatte die Probleme schon vor dem Dreher."

Verstappen bestätigt: "Ab Runde vier oder fünf hatte ich Beschädigungen an meinem Auto, aber ich weiß nicht, woher sie kamen. Denn ich hatte keinen Kontakt mit einem anderen Auto oder habe einen Kerb besonders hart getroffen. Als ich aus dem Auto gestiegen bin, konnte ich einen Schaden erkennen und ich glaube, zusätzliches ist noch etwas abgebrochen. Wir müssen noch herausfinden, was da los war."

Verstappen: Dreher wegen kaputtem Red Bull

"Durch die Probleme war es schwierig, das Auto am Kurvenscheitelpunkt zu halten, was letztlich auch zu meinem Dreher und zu Problemen für den Rest des Rennens führte", erklärt Verstappen. Von da an war das Rennen für den Red-Bull-Piloten gegessen. Mit einem Undercut kam er zwar noch an Hülkenberg vorbei, den Platz verlor er allerdings an Fernando Alonso, der vom Safety-Car profitierte. Durch die beiden Ausfälle der Haas-Piloten rückte er immerhin noch von Platz acht auf Rang sechs nach vorne.

An Alonso kam Verstappen nur irregulär vorbei, Foto: Sutton
An Alonso kam Verstappen nur irregulär vorbei, Foto: Sutton

Dabei hing Verstappen das gesamte Rennen über im Getriebe eines anderen Autos. Nach dem Safety-Car biss er sich aber bis zum Schluss an Alonso die Zähne aus. Eigentlich hatte er Alonso schon überholt, doch die Rennleitung sah, dass Alonso an der Safety-Car-Linie knapp vor Verstappen lag. Der Red-Bull-Pilot gab die Position noch hinter dem Safety-Car zurück.

"Auf dieser Strecke herrscht quasi Überholverbot", sagte Dr. Helmut Marko überspitzt. Tatsächlich gab es auf der Strecke kaum Überholmanöver. "Wenn du dann noch weniger Grip hast wegen der Beschädigungen, dann ist es extra hart", resümierte Verstappen.

Ricciardo beißt sich an Räikkönen die Zähne aus

Teamkollege Daniel Ricciardo ging es ähnlich. Er konnte immerhin Nico Hülkenberg in einem sehenswerten Zweikampf auf der Strecke überholen. Das war es dann aber auch schon. Abgesehen vom Verstappen-Dreher und den beiden Haas-Ausfällen konnte Ricciardo keine Plätze mehr gewinnen. Dabei hing er nach dem Safety-Car-Restart in Runde 32 hinter Kimi Räikkönen, konnte teilweise richtig Druck machen. Nur für das Überholmanöver reichte es nicht.

"Ich habe es ein paar Mal in Kurve drei versucht, aber Kimi war klug und hat gesehen, was ich vor hatte", erklärte Ricciardo. "Gegen Ende des Rennens habe ich mehr Druck gemacht, aber Kimi konnte die Pace auch ein bisschen anheben."

Marko schwärmt nach Australien: Rennspeed unglaublich

In Anbetracht der Umstände reist Red Bull positiv aus Melbourne ab. "Unser Speed im Rennen war unglaublich", konstatierte Marko und schoss noch einen hinterher: "Die Platzierungen zeigen es nicht, aber wenn wir frei gefahren sind, waren wir bei weitem die Schnellsten."

Auf der Strecke fand Red Bull einfach keinen Weg vorbei an der Konkurrenz, Foto: Sutton
Auf der Strecke fand Red Bull einfach keinen Weg vorbei an der Konkurrenz, Foto: Sutton

Ähnlich sehen es auch seine Piloten. "Wir sind ziemlich nah an Ferrari dran und unsere Rennpace ist stark", so Ricciardo. "Jetzt müssen wir noch ein paar Zehntel im Qualifying finden und dann sollten wir gut aussehen." Die Zehntel muss allerdings Motorenpartner Renault finden, noch immer hat die Power Unit aus Frankreich keinen Qualifying-Modus.

Ricciardo und Verstappen beim Formel-1-Auftakt nicht fehlerfrei

Doch auch Verstappen und Ricciardo zeigten am Wochenende Schwächen. Ricciardo, weil er im Training bei roter Flagge zu schnell fuhr und Verstappen, weil er im Qualifying einen Fehler einbaute und im Rennen zu Beginn etwas ungestüm war. "Das kann passieren", winkt Marko ab. "Wichtig ist, dass wir wesentlich besser waren als im Vorjahr." Da lag Red Bull nicht nur deutlich weiter zurück, auch die beiden Piloten zeigten heftigere Abflüge.

Als Trostpreis gab es übrigens nicht nur die schnellste Rennrunde von Ricciardo, sondern auch noch den schnellsten Boxenstopp. Red Bull geht damit beim DHL Fastest Pitstop Award in Führung.