Formel 1

Formel 1, Australien: Hamilton auf Pole, Vettel geschlagen

Lewis Hamilton holt im Melbourne-Qualifying die erste Pole der Saison 2018. Im Duell gegen Ferrari behielt der Mercedes die Oberhand. Räikkönen Zweiter.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton hat sich beim ersten Qualifying der Formel-1-Saison 2018 in Melbourne die Pole Position für den Grand Prix von Australien (am Sonntag ab 07:10 Uhr MEZ live im TV auf RTL, ORF, SRF und im Motorsport-Magazin.com Live-Ticker) gesichert. Der Mercedes-Pilot setzte sich nach einem spannenden Schlagabtausch im Q3 gegen Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel durch. Silberpfeil-Teamkollege Bottas erlebte ein Debakel.

Hamilton legte im Q3 beim ersten Schuss mit 1:22.051 Minuten die erste Bestzeit vor, doch das Duell mit Ferrari war gleich in voller Fahrt. Vettel verlor lediglich 0,034 Sekunden auf seinen Rivalen. Weitere drei Hundertstel dahinter folgte Verstappen. Räikkönen und Ricciardo standen dahinter deutlich im Schatten ihrer Teamkollegen.

Im zweiten und entscheidenden Run legte Hamilton noch einmal nach und unterbot seine Zeit deutlich. Mit 1:21.164 Minuten stellte er im Albert Park einen neuen Streckenrekord auf und war außerdem eine ganze Sekunde schneller als die Pole-Zeit im Vorjahr. Mit dieser Rundenzeit kam die Konkurrenz nicht im Ansatz mit. Für den viermaligen Weltmeister bedeutet das die 73. Pole seiner Karriere.

Kimi Räikkönen wurde mit über sechs Zehnteln Rückstand Zweiter, Vettel musste sich dem Teamkollegen um eine Hundertstel geschlagen geben. Dahinter landete das Red-Bull Duo, wo sich Verstappen abermals gegen Ricciardo durchsetzte. Die Top-10 wurden von Magnussen, Grosjean, Hülkenberg, Sainz und Bottas komplettiert.

Bottas beendet Australien-Qualifying mit heftigem Unfall

Letzterer erlebte eine Katastrophe. Der Finne überspannte den Bogen gleich bei seinem ersten Versuch. In Kurve eins ging er weit, kam mit dem linken Hinterrad auf der Wiese und verlor im darauffolgenden Turn zwei die Kontrolle über seinen Silberpfeil. Die Konsequenz war ein heftiger Einschlag in die Streckenbegrenzung und das Ende seines Qualifyings. Die Rennleitung unterbrach die Session.

"Für ihn ist es am ärgerlichsten. Es war ein Fahrfehler. Er hat es einfach zu aggressiv probiert auf seiner ersten Runde. Das ist natürlich schlecht - für den Startplatz und für seine Moral. Das ist kein guter Start", so Mercedes-Boss Niki Lauda über den Schnitzer seines Piloten am RTL-Mikrofon.

Qualifying in Australien: Das sagen Hamilton, Räikkönen und Vettel

Lewis Hamilton: Bei den Ergebnissen die wir über die letzten Jahre hatten könnte man denken, das wäre die Norm. So ist es aber nicht. Wenn ihr hören könntet, wie mein Herz schlägt... ich bin so glücklich über diese Runde! Es war so eine tolle Runde, und ich strebe immer nach Perfektion. Ich bin aber etwas überrascht, wo die Ferraris jetzt sind. Sie waren vorher ganz nah dran.

Kimi Räikkönen: Wir haben einen echt guten Job gemacht. Der Abstand bei der Rundenzeit ist aber sehr groß. Es war etwas schwierig bei den Verhältnissen, auch der Crash von Bottas hat etwas gestört. Insgesamt müssen wir schon zufrieden sein, aber wir müssen noch arbeiten, um uns zu verbessern.

Sebastian Vettel: Ich kann schon zufrieden sein, denn ich war es gestern überhaupt nicht und hatte kein richtiges Gefühl für das Auto. Im Qualifying wurde es immer besser. Im letzten Sektor habe ich für Turn 13 ein bisschen spät gebremst. Es war erst sehr eng, da macht es immer Spaß, wenn es so ist. Schade, dass Lewis dann noch diesen Abstand herausgefahren hat. Aber ich freue mich auf morgen. Wir konnten das Auto verbessern und wenn sie im Quali aufdrehen, müssen sie im Rennen runterdrehen."

Qualifying - Session 3
Zwischenfälle: Bottas sorgte mit seinem Abflug in Turn 2 für eine rote Flagge
Top-5: Hamilton, Räikkönen, Vettel, Verstappen, Ricciardo

Q2 in Australien: Vettel unterbietet Streckenrekord in Melbourne

Das war Q2: Die Wolkendecke zog sich mit Beginn des zweiten Qualifying-Segments weiter zu. Die übrig gebliebenen 15 Piloten fackelten daher nicht lange. Den Anfang machten Räikkönen und Verstappen. Wie in der Vergangenheit müssen die Piloten mit dem Reifen aus Q2 am Sonntag ins Rennen gehen - und gleich zu Beginn sahen wir die ersten Alternativ-Strategien.

Verstappen und wenig später auch Ricciardo gingen auf dem Supersoft raus, während alle anderen Fahrer wie schon im Q1 auf Ultrasoft setzten. Die erste Bestzeit legte abermals Räikkönen vor. Der Iceman fuhr mit 1:22.507 Minuten deutlich schneller als in Q1. Verstappen war auf dem härteren Reifen gleich einmal drei Zehntel langsamer. Lange Bestand hatte die-Ferrari-Bestzeit aber nicht.

Hamilton unterbot Räikkönen schon im ersten Anlauf um eine halbe Sekunde. 1:22.051 Minuten waren über ein Zehntel schneller als die Pole-Zeit aus 2017 und gleichzeitig ein neuer Streckenrekord. Vettel war als Dritter wieder einmal hinter Räikkönen, aber immer noch vor Bottas. Obwohl die Spitze sicher schien, gingen in der Schlussphase neben den K.o.-Kandidaten auch die Top-Teams noch einmal raus.

Vettel überraschte und sorgte mit einer 1:21.944 Minuten für seine erste Bestzeit in der Saison 2018 und verwies Hamilton, Bottas, Verstappen, Räikkönen und Ricciardo auf die Plätze. Die heißbegehrten Positionen für den Einzug ins Q3 gingen an Sainz, Magnussen, Grosjean und Hülkenberg, welche die Top-10 komplettierten. Red Bull war am Ende nach wie vor das einzige Team, das den Supersoft fuhr. Feierabend war nach dem Q2 für Alonso, Vandoorne, Perez, Stroll und Ocon.

Qualifying - Session 2
Zwischenfälle: Hülkenberg verbremste sich in Turn 1 und musste durchs Kiesbett
ausgeschieden: Alonso, Vandoorne, Perez, Stroll, Ocon
Top-5: Vettel, Hamilton, Bottas, Verstappen, Räikkönen, Ricciardo

Q1 in Australien: Rookies erleben harte Formel-1-Realität

Das war Q1: Nico Hülkenberg eröffnete im Renault das erste Zeittraining der Saison 2018. Von den Top-Teams waren nur die beiden Ferraris von Vettel und Räikkönen schon in der ersten Minute auf der Strecke. Der Rest des Feldes zog aufgrund der dicken Wolkendecke jedoch kurz darauf nach, sodass bis auf Verstappen und Ricciardo wenige Momente später alle Autos unterwegs waren.

Nach den ersten schnellen Runden lag Kimi Räikkönen mit einer Zeit von 1:23.616 Minuten an der Spitze. Dahinter folgten Bottas, Hamilton und Vettel. Das Red-Bull-Duo machte sich erst zu diesem Zeitpunkt auf die Socken, das sich dann in der Reihenfolge Ricciardo vor Verstappen hinter Räikkönen einreihte. Alle 20 Autos gingen im Q1 kein Risiko ein und setzen auf Pirellis weichsten Melbourne-Reifen, den Ultrasoft.

Die Bestzeit ging zum Schluss aber wieder einmal an Lewis Hamilton. Der Weltmeister unterbot Räikkönens Bestzeit im zweiten Anlauf um zweieinhalb Zehntel. Vettel schob sich als Dritter noch vor das Red-Bull-Duo. Die Top-Teams und ihr erster Verfolger Haas blieben in den letzten Minuten an der Box, während das Hauen und Stechen um den Einzug ins Q2 auf den hinteren Plätzen begann. Leer gingen am Ende Hartley, Ercisson, Leclerc, Sirotkin und Gasly aus.

Qualifying - Session 1
Zwischenfälle: -
ausgeschieden: Hartley, Ercisson, Leclerc, Sirotkin, Gasly
Top-5: Hamilton, Räikkönen, Vettel, Verstappen, Ricciardo

Das Wetter: Nach dem Regenguss am Vormittag hatten die Formel-1-Piloten Petrus im Qualifying auf ihrer Seite. Die Traumbedingungen vom Freitag wiederholten sich zwar nicht, doch zumindest war die Strecke durchgehend trocken. Die Lufttemperatur betrug 25 Grad Celsius, die Asphaltoberfläche lag bei rund 32 Grad.

Die Strafen: Der einzige Bad Boy des Auftaktwochenendes war nach wie vor Lokalmatador Daniel Ricciardo. Nach seinem Rot-Verstoß am Freitag muss er im Grid drei Plätze nach hinten, was für den Australier am Sonntag Startplatz acht bedeutet. Nach dem Unfall von Bottas ist aber wahrscheinlich, dass der die Beschädigungen am Mercedes auch für ihn einen Grid Penalty nach sich ziehen.

Die Analyse: Lewis Hamilton und Mercedes haben die Formel 1 beim ersten Qualifying des Jahres dominiert wie schon lange nicht mehr. Ferrari und Red Bull sahen deutlich blasser aus, als es vor dem Saisonstart erwartet wurde. Angesichts Hamiltons Vorsprung auf die Konkurrenz müssen seine Gegner fast dankbar sein, dass Bottas den zweiten Silberpfeil in die Wand gefahren hat. Ansonsten würde wohl kein Ferrari in der ersten Startreihe stehen.


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