Formel 1

2018 bessere Formel-1-Rennen dank neuer Super-Software?

Formel-1-Reifenausrüster Pirelli nutzt in der Saison 2018 erstmals eine neue Simulationssoftware für Rennstrategien. Werden die F1-Rennen besser?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - 2017 ging Formel-1-Reifenausrüster Pirelli konservativ an die neuen Regeln heran. Durch das Reglement entstanden in der vergangenen Saison die schnellsten Autos der F1-Geschichte. Die Folge von Pirellis konservativer Herangehensweise war nur ein geringer Reifenverschleiß und daraus resultierten oftmals Einstopp-Rennen.

Zur Formel-1-Saison 2018 hat Pirelli nicht nur mit Hypersoft und Superhard zwei zusätzliche Reifenmischungen eingeführt, sondern alle Mischungen um eine Stufe weicher gestaltet. Das wird die Rundenzeiten noch einmal nach unten treiben und soll gleichzeitig auch wieder für mehr Stopps sorgen.

Im sogenannten 'Target-Letter', quasi ein Lastenheft, das die Formel 1 Pirelli seit einigen Jahren als Leitfaden gibt, werden 2018 Reifen gewünscht, die Zweistopp-Rennen ermöglichen. Dadurch soll mehr Spannung erzeugt werden.

Pirelli darf 2018 Reifenmischungen überspringen

Das ist allerdings nicht die einzige Änderung: Pirelli kann nun auch Reifenmischungen überspringen. So müssen nicht drei Mischungen an Rennwochenenden nominiert werden, die auf der Skala direkt nebeneinander liegen. In China beispielsweise setzt Pirelli auf Medium, Supersoft und Ultrasoft. Der Soft wird dabei übersprungen.

Bei der Auswahl der nominierten Reifenmischungen hilft Pirelli seit diesem Jahr eine neue Super-Software. Diese errechnet bei unterschiedlichen Strategien die Gesamtrennzeit. Je mehr Reifenkombinationen auf eine sehr ähnliche Gesamtrennzeit kommen, umso besser.

Auch in der Vergangenheit hatte Pirelli schon eine solche Simulationssoftware. "Aber die neue ist besser, weil sie mehr Parameter berücksichtigt und damit die Ergebnisse genauer werden", erklärt Pirellis Formel-1-Einsatzschef Mario Isola Motorsport-Magazin.com.

Gesamtrennzeit entscheidet über Reifenwahl

Der entscheidende Wert für die Reifenwahl ist dabei die Gesamtrennzeit. Bringt Pirelli beispielsweise Hypersoft, Medium und Hard mit zu einem Stadtkurs, wird jeder versuchen, Medium und Hard so wenig wie möglich zu fahren. Alle setzen auf möglichst viele Runden auf Hypersoft, um möglichst kurz mit dem nicht zu funktionierenden Medium zu fahren. Dadurch ergibt sich im Wesentlichen nur eine Strategie.

Formel 1 2018: So funktioniert die Reifenwahl für die Rennen: (01:12 Min.)

Diese Strategie würde zwar wahrscheinlich oftmals dem Ziel von zwei Stopps sehr nahe kommen, allerdings werden die Rennen dadurch nicht besser, weil alle auf der gleichen Strategie sind. Stattdessen geht es eher darum, eine Reifenwahl zu treffen, die mehrere unterschiedliche Strategien erlaubt. "Die Anzahl der Strategien ist wichtiger als das Ziel, genau auf zwei Stopps zu kommen", erklärt Isola.

Formel 1 verschiebt Reifenwahl für Kanada

Weil auch die neue Super-Software nur so gut ist wie die Daten, die sie füttern, wird das Modell ständig überarbeitet. Deshalb wurde die Deadline für die Reifenwahl für den Kanada GP vom 22. Februar auf den 08. März verschoben. Da hat Pirelli schon Daten der deutlich relevanteren zweiten Testwoche in Barcelona. Auch die Reifenwahl für den Spanien GP wird übrigens an diesem Tag getroffen.


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