Formel 1

Todt ehrt Michael Schumacher: Er war immer voller Selbstzweifel

Jean Todt hält bei einer FIA-Zeremonie eine bewegende Rede über Michael Schumacher - und liefert ein ganz neues Bild des Formel-1-Rekordweltmeisters.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Michael Schumacher war der Dominator der Formel 1 schlechthin. Rekordsieger, Rekordweltmeister, zwischen 2000 und 2004 fünfmal in Folge nicht vom F1-Thron zu stoßen. Das gelang vor und nach der lebenden Ferrari-Legende niemandem.

Doch jetzt hat Schumachers alter Vertrauter Jean Todt eine ganz neue Seite am siebenfachen Formel-1-Weltmeister enthüllt: Selbstzweifel nagten stets an der scheinbar perfekten Rennmaschine Schumacher.

Jean Todt: Zwei ganz besondere Schumi-Momente

Der ehemalige Ferrari-Teamchef zu Schumacher-Zeiten und heutige Präsident der FIA bei einer Veranstaltung zur Eröffnung einer FIA-Ruhmeshalle für alle Formel-1-Weltmeister am Montagabend in Paris erinnerte sich in seiner Rede an seinen guten Freund Schumi.

"Ich erinnere mich daran, als er für Ferrari fuhr und da gab es zwei Dinge, die ich erwähnen möchte", begann Todt. Moment Nummer eins: "Im Jahr 2000, war Ferrari nach 21 Jahren wieder Champion mit Michael. Ich habe ihn mir auf dem Podium geschnappt und habe zu Michael gesagt: Unser Rennfahrerleben wird nie mehr dasselbe sein. Dieser Tag in Suzuka war der größte Moment meiner Karriere."

Die zweite Erinnerung jedoch war es dann, die ein ganz neues Bild auf den Mensch, nicht die Rennmaschine Schumacher warf. "Wir haben die Saison 2000 mit dem Titel beendet, aber als die Saison 2001 bevorstand, fragte er mich ganz schüchtern - und er ist ein schüchterner Typ, auch wenn er arrogant wirkt -, ob ich ihm in Fiorano ein paar Runden erlauben würde, um sicherzugehen, dass er es noch kann. Er war immer voller Zweifel, ob er ein guter oder ein nicht so guter Fahrer ist. Dann testete er, und es war nicht so schlecht", schildert Todt, ehrt Schumacher damit mehr als mit jedem direkten Lob kaum möglich gewesen wäre.

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Todt: Michael Schumacher kämpft weiter

Besonders gerne hätte Jean Todt seinem alten Freund bei der FIA-Zeremonie natürlich persönlich die Ehrung überreicht. Doch ist das vier Jahre nach Michael Schumachers furchtbarem Ski-Unfall 2013 noch immer nicht möglich. "Wir vermissen Michael. Ich hätte es gerne gesehen, wenn er heute Abend hier dabei gewesen wäre. Er ist immer noch hier und Michael kämpft weiter", machte Todt allen Fans und Freunden Mut.

Schumi wurde einmal vertreten durch seine Managerin Sabine Kehm, die sich selbst als schlechten Ersatz für die Formel-1-Legende bezeichnete. "Wir alle wissen, dass Michael hier sein sollte und ich bin absolut sicher, dass er es geliebt hätte, hier zu sein", sagte Kehm.

Todt aber freute sich, zumindest diese alte Wegbegleiterin begrüßen zu dürfen. "Ich bin froh, dass ich Sabine hier habe. Ich wollte, dass Mick heute Abend kommt. Aber er testet in Spanien und Corinna weilt gerade in den Vereinigten Staaten", sagte Todt. "Aber der Kampf geht weiter. Michael ist jemand sehr besonderes, jemand ganz besonderes für den Motorsport. Für mich ist er etwas Besonderes, er ist ein Freund", endete Todt.

Schumacher-Managerin: Das machte Michael so besonders

Kehm füllte diese Besonderheit mit Details. "Was Michael so besonders gemacht hat, was ihn so erfolgreich gemacht hat, war, dass er - wie jeder in diesem Raum - eine Liebe und Leidenschaft für diesen Sport hatte. Er hatte immer nur den höchsten Respekt vor allen, die in diesem Raum sind und hätte sich sehr geehrt gefühlt", so Kehm über die Aufnahme des Rekordweltmeisters in die Hall of Fame.

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Sebastian Vettel, ebenfalls bei der Gala vor Ort, hatte bereits kurz zuvor das Fehlen Michael Schumachers bedauert - nicht nur persönlich, sondern auch für die derzeitige Lage bei Ferrari. "Was, so lange ist das her? Das ist extrem lang. Da sieht man, wie schnell die Zeit davonfliegt. Und vor allem wir in der Formel 1 werden fast täglich getrimmt, nach vorne zu schauen. Das nächste Rennen, das nächste Rennen. So ziehen die Jahre vorüber", sagte Vettel dem Schweizer 'Sonntagsblick' angesprochen auf den Unfall seines eigenen Idols und Freundes.

Vettel: Ferrari könnte Schumacher gerade gut gebrauchen

"Natürlich fehlt Michael der Formel 1 immer noch. Und gerade wir bei Ferrari wären jetzt froh, wenn er uns bei der Jagd nach dem WM-Titel mit Rat und Tat beiseite stehen könnte. Wenn einer weiß, wie es nach vorne geht, dann er", so Vettel.


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