Formel 1

Formel 1, Kubica-Test: Nicht einhändig, aber mit Einschränkung

Robert Kubica gab in Abu Dhabi sein Formel-1-Test-Comeback für Williams. Noch immer hat er Einschränkungen, er fährt aber nicht einhändig.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Robert Kubica durfte am Dienstag der Pirelli-Testfahrten nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi zum zweiten Mal nach seinem schweren Rallye-Unfall an einem offiziellen Formel-1-Test teilnehmen. Kubica nahm am Vormittag im Williams Platz, nachdem er beim Young-Driver-Test nach dem Ungarn GP noch für Renault getestet hatte.

Das Ziel ist klar: Robert Kubica will wieder einen Vollzeit-Job in der Formel 1. Renault allerdings hat sich für Carlos Sainz und gegen den Polen entschieden. Bei Williams gibt es noch ein vakantes Cockpit für die nächste Saison - und darum kämpft Kubica. Auf der Zeitenliste landete Kubica mit 1:41,296 Minuten und exakt 100 Runden auf Rang acht.

"Um Bestzeit geht es aber erst, wenn ich in Melbourne fahren darf", sagte Kubica anschließend. Im Gegensatz zu den Privattests, die Kubica im 2012er Renault absolvierte, musste er sich in Abu Dhabi wie schon in Ungarn nach dem Programm des Teams richten. "Deshalb ging es nicht darum, komplett ans Limit zu gehen, es war kein Tag für mich, sondern für das Team. Es ging darum, so schnell wie möglich auf ein gutes Level zu kommen, damit wir die Reifen gut miteinander vergleichen können."

Kubica gesteht: Ich habe Einschränkungen

"Ich habe einige Einschränkungen", gestand der 32-Jährige. Welche genau, verriet er Motorsport-Magazin.com: "Es ist nicht so, wie einige behaupten, dass ich einhändig fahre. Das wäre gar nicht möglich. Aber mein Körper hat es gelernt, mit den Einschränkungen umzugehen, das Gehirn gewöhnt sich daran und gleicht das aus."

Große Modifikationen waren bei den Tests nicht nötig. Robert Kubica hat eine andere Knopf-Belegung auf dem Lenkrad, weil er manche Stellen des Lenkrads weniger gut erreichen kann als andere. Dazu ist die Cockpit-Umrandung am rechten Arm etwas weiter ausgeschnitten, damit er mit dem rechten Arm weiter ausholen kann.

Rechts (oben) ist die Cockpit-Aussparung größer als links (unten) - Foto: Motorsportpics.de / Jerry Andre

"Mein Fitnessstandard ist aber höher als 2010, ich bin in hervorragender Verfassung", verspricht Kubica. Der Pole verlor für die Formel 1 weiter Gewicht. "Trotzdem starte ich von fast Null, weil sich die Formel 1 so sehr verändert hat. Der Test mit Renault war auf einer anderen Strecke, in einem anderen Auto und mit anderen Reifen. Es fühlt sich wie der erste Tag in der Schule an."

Auf Zeitenjagd ging der einmalige Grand-Prix-Sieger nicht, vielmehr standen Longruns auf seinem Programm: "Ich bin ziemlich glücklich mit meinen Longruns, aber die waren in den vorigen Tests auch immer stark."

Kubica: Rosberg gibt mir gute Ratschläge

Besondere Unterstützung erhält Kubica von Nico Rosberg. Der zurückgetreten Formel-1-Weltmeister von 2016 stieg unlängst ins Management des Polen ein und verfolgt den Test in Abu Dhabi vor Ort. "Er ist ein mächtiges Upgrade für mich", sagte Kubica Motorsport-Magazin.com. "Er war selbst Rennfahrer und weiß, wie es ist. Wir kennen uns seit zwanzig Jahren und sind immer wieder gegeneinander gefahren."

"Auch wenn wir sehr unterschiedliche Charaktere sind, sprechen wir sehr offen miteinander", so Kubica. Unmittelbar nach seiner Fahrt setzte sich der Williams-Tester mit dem ehemaligen Williams-Piloten zusammen und sprach mit ihm. "Er gibt mit gute Ratschläge", meint Kubica.

Ob es für Kubica zum richtigen Formel-1-Comeback reicht? "2010 hatte ich hier in Abu Dhabi sicher mehr Selbstvertrauen als jetzt, aber in Anbetracht meiner Vorgeschichte habe ich so viel Selbstvertrauen, wie man nur haben kann. Ich wäre enttäuscht, wenn es nicht klappt, weil ich so viel Arbeit investiert habe."

"Ich glaube, ich kann es schaffen. Ich will aber nicht nur zurückkommen, um zurück zu kommen", stellt Kubica klar. "Ich stelle sehr hohe Ansprüche an mich selbst. Zuerst muss ich mich selbst davon überzeugen, dass ich es schaffen kann."

Kubica erhält zweiten Williams-Test in Abu Dhabi

Dass er nur aufgrund seiner tragischen Geschichte nun die zweite Chance in der Formel 1 erhält, bestreitet er: "Viele mögen die Geschichte, aber dafür erhältst du keinen Bonus. Im Auto bin ich ganz auf mich allein gestellt."

Kubica erhält am zweiten und letzten Tag in Abu Dhabi noch einmal die Gelegenheit, den Williams zu testen. Sergey Sirotkin fährt am Vormittag, ehe Kubica das Cockpit übernimmt. Dann gibt es bis zu den Wintertests keine Gelegenheit mehr, ein aktuelles Auto zu fahren. "Deswegen ist es wichtig, die Dinge jetzt auszuprobieren", erklärt Kubica.


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