Formel 1

Formel 1 Brasilien: Darum kämpft Sebastian Vettel jetzt noch

Sebastian Vettel hat die Enttäuschung der verlorenen Formel-1-Weltmeisterschaft noch nicht verdaut. Die Saison 2018 startet in Brasilien.
von Christian Menath
Sebastian Vettel in Mexiko 2017: So niedergeschlagen wie nie: (02:31 Min.)

Sebastian Vettel war nach der verlorenen Formel-1-Weltmeisterschaft 2017 vor zwei Wochen in Mexiko untröstlich. Aus dem Ferrari-Piloten war kaum ein Wort herauszuquetschen. Auch wenn die WM schon entschieden ist, zwei Rennen stehen noch an. In Brasilien findet der 20. von 21 Formel-1-Läufen 2017 statt.

Und das ist gut, wie Sebastian Vettel meint: "Vielleicht helfen die letzten zwei Rennen, um über die Enttäuschung hinwegzukommen. Vielleicht ist es besser, als am Ende zu verlieren, weil man dann nicht mehr ins Auto steigen kann."

Fahren ist für Vettel die beste Frustbewältigung. "Die Zeit vergeht und das hilft ein bisschen. Im ersten Moment war es schwer und bitter, aber jetzt steht das nächste Rennen an. In dem Moment, in dem man ins Auto steigt, denkt man nicht mehr darüber nach", erklärt der Heppenheimer vor dem Brasilien GP in Sao Paulo.

Aber auch abgesehen von der Moral geht es für Vettel noch um etwas: Platz zwei. Nach der katastrophalen Asien-Tour und dem durchwachsenen Mexiko GP liegt Vettel nur mehr 15 Punkte vor Valtteri Bottas, obwohl der Mercedes-Pilot seit der Sommerpause seine Form sucht. Holt Vettel in Brasilien mindestens zehn Punkte mehr als Bottas, kann er zumindest hinter diese Aufgabe einen Haken setzen.

Doch insgesamt geht es noch um mehr. "Wir können aus diesem Jahr extrem viel mitnehmen, weil das Reglement stabil bleibt", erklärt Vettel. "Alles, was wir lernen, können wir für das nächste Jahr mitnehmen. Wir versuchen, das Auto zu verbessern, um dem nächsten Jahr schon zu helfen. Die Entwicklung geht weiter. Wir haben viel Arbeit vor uns und können für nächstes Jahr viel lernen."

Vettel lässt Marchionne-Kritik kalt

Auf die Kritik von Ferrari-Präsident Sergio Marchionne wollte Vettel nicht näher eingehen. Marchionne hatte auch den Fahrern eine Mitschuld am verpassten Titel gegeben. "Es gibt immer Dinge, die man ein bisschen anders machen würde. Insgesamt stimmen wir alle darin überein, dass wir nicht die Saison hatten, die wir hätten haben sollen. Aus verschiedenen Gründen."

Erst auf Nachfrage kommt Vettel - sichtlich schwer - Selbstkritik über die Lippen: "Baku ist das, was heraussticht. Der Rest war denke ich okay." In Baku schätzte Vettel das Taktieren von Lewis Hamilton hinter dem Safety-Car falsch ein, fuhr ihm erst unabsichtlich ins Heck und holte dann zum absichtlichen Rammstoß aus. Vettel erhielt dafür eine Durchfahrtsstrafe und später noch Sozialstunden.

Formel 1 2018: Hamilton vs. Vettel vs. Verstappen?

In Brasilien stehen sich zum ersten Mal in der Geschichte der Formel 1 zwei vierfach-Weltmeister gegenüber. Lewis Hamilton und Sebastian Vettel sind seit Hamiltons Titelgewinn in dieser Statistik auf Augenhöhe. Und das Titel-entscheidende Rennen in Mexiko verspricht für die Zukunft noch mehr Spannung, weil auch Red Bull und vor allem Max Verstappen ganz vorne mitmischen.

"Ich denke, es wird eng. Aber für nächstes Jahr ist es schwer vorherzusagen, weil neue Autos entwickelt werden. Vielleicht kann der eine mehr ausmerzen als der andere. Aber je enger es wird, desto mehr Spaß macht es - beim Fahren und Zusehen", so Vettel. "Im Endeffekt ist es mir aber egal, wie viele Leute um die Spitze kämpfen, solange wir dabei sind. Man weiß nie, wo man selbst landet, aber die Vorzeichen stehen gut. Ob dann noch ein anderer oder zehn andere mitkämpfen, umso besser, das bringt ein bisschen Abwechslung mit rein."


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter