Formel 1

Formel 1 Brasilien 2017: Darum geht es jetzt noch in Sao Paulo

Vorletzter Saisonlauf der Formel 1 2017 in Brasilien, Sao Paulo. Die WM-Titel sind zwar vergeben, trotzdem geht es um mehr als die goldene Ananas.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 reist zum vorletzten Saisonlauf 2017 nach Brasilien. Vor den Toren Sao Paulos, Interlagos, gab es schon so manche spektakuläre WM-Entscheidung. Dieses Jahr nicht. In den USA hat Mercedes den Konstrukteurstitel bereits für sich entschieden, zuletzt in Mexiko Lewis Hamilton auch die Fahrer-WM.

Noch dazu hat Ferrari P2, Red Bull P3 in trockene Tücher gebracht. Auch dahinter ist bereits eine Position bezogen: Force India hat seinen starken vierten Rang bereits uneinholbar sicher. Dennoch geht es beim Formel-1-Rennen in Brasilien - und danach beim F1-Saisonfinale in Abu Dhabi - noch um einiges.

"Es mag verlockend klingen, zu denken, dass der Druck nach dem Gewinn beider Weltmeisterschaften für die letzten beiden Saisonrennen 2017 nachgelassen hat. Aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein", meint etwa Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Künstliche Spannung? Nein. Motorsport-Magazin.com mit einer Auswahl offener Entscheidungen und wichtiger Faktoren für die Zukunft.

1. Vettel vs. Bottas - wer wird Vize-Weltmeister?

Der WM-Titel ist weg, Sebastian Vettel wirkte am Sonntag in Mexiko wie am Boden zerstört. Doch jetzt wird sich auch bei dem Ferrari-Piloten der Blick wieder nach vorne richten. Zumindest einen Sieg wird Vettel unbedingt noch einfahren wollen - immerhin triumphierte er letztmals in Ungarn.

Noch dazu geht es für ihn darum, zumindest den Vize-Titel zu retten: Nur 15 Punkte hinter Vettel lauert Valtteri Bottas. 18 Zähler machte Finne nach der Sommerpause bereits gut auf Vettel. "Valtteri erzielte in Mexiko vielversprechende Fortschritte und wird versuchen, in Interlagos darauf aufzubauen", sagt Wolff. Vettel wird versuchen, den Angriff abzuwehren, um zumindest in der Statistik auf ersten Blick als Hamiltons größter Widersacher dazustehen.

Formel 1 Brasilien 2017: Die Top-5 Brennpunkte zum Rennen: (02:46 Min.)

2. Räikkönen vs. Red Bull - Dreikampf um P4

Hinter den Top-3 der WM folgte lange Zeit mit großem Abstand Daniel Ricciardo. Doch auch nach hinten verfügte der Australier bis Japan über ein komfortables Polster: Zu groß die Defekt- und Unfallserien Kimi Räikkönens und Max Verstappens. Zuletzt schaffte es der Iceman jedoch zweimal in Folge auf das Podest, während Ricciardo einen Doppel-Ausfall verbuchte.

Verstappen indes machte durch zwei Siege in den vergangenen vier Rennen kräftig Boden gut. Den Niederländer trennen jedoch noch immer 44 Punkte von seinem Teamkollegen. Viel Ricciardo-Pech und gleich zwei weitere Max-Siege sind also Pflicht. Für Räikkönen jedoch sieht ein Angriff auf P4 deutlich realistischer aus - er muss nur 15 Zähler gutmachen.

3. Ocon vs. Perez - Duell der Pink Panther

Fast noch mehr um die Ehre geht es bei Force India - und um die Stellung im Team. Nachdem P4 in der Konstrukteurswertung sicher ist, dürfen Sergio Perez und Esteban Ocon ab Brasilien wieder frei gegeneinander fahren. Das gilt es zu nutzen - für beide. Sowohl Mexikaner als auch Franzose können die Saison noch als bester Pink Panther beenden.

Aktuell liegt Ocon nur neun Punkte hinter Perez. Über das beste Einzelergebnis verfügt bislang ebenfalls Perez - Platz vier in Spanien. Ocon dagegen beendete bislang jedes Saisonrennen, blieb nur einmal ohne Punkte.

4. Enger Kampf im Mittelfeld um P6, vielleicht P5

Um die Ehre, aber vor allem um Geld geht es zudem in der Konstrukteurswertung. Während die ersten vier Ränge bezogen sind, tobt direkt dahinter noch ein enger Kampf um die Plätze und damit Preisgeld-Millionen. Williams steht dank den zuletzt klar konstantesten Punktefahrten mit Abstand am besten da: 76 Punkte bedeuten für die WM-Fünften stolze 23 Vorsprung auf den ersten Verfolger Toro Rosso.

Ein ganz sicheres Polster ist das jedoch noch nicht, sind insgesamt noch 86 Zähler zu vergeben. Noch dazu können jetzt auch die Top-Teams mit völlig offenem Visier kämpfen, sind doch alle Titel-Entscheidungen gefallen. Big Points durch einen Eklat an der Spitze sind für die Mittelfeld-Teams also durchaus nicht auszuschließen.

Bleibt alles gesittet, gibt es dennoch zumindest um P6 einen garantiert engen Kampf: Toro Rosso verfügt über einen nur geringen Vorsprung von fünf Punkten auf Renault und sechs auf Haas, das von diesem Trio zuletzt am konstantesten punktete. Renault jedoch verfügt jetzt über die laut vielen Experten klar stärkste Fahrerpaarung, gilt als Favorit. Genau das Gegenteil ist angesichts des wieder ausgebrochenen 'Jugendwahns' bei Toro Rosso der Fall.

Formel 1, Brasilien 2017: Wissenswertes zum Rennen in Sao Paulo: (01:13 Min.)

5. Fahrermarkt 2018: Wer empfiehlt sich für ein Cockpit?

Toro Rosso steht zudem unter anderem Gesichtspunkt im Fokus: Noch ist nicht vertraglich festgehalten, wer 2018 für die Scuderia fahren wird. Pierre Gasly und Brendon Hartley sollten sich deshalb in den beiden noch ausstehenden Saisonrennen unbedingt weiter mit guten Leistungen empfehlen. Bislang scheint das Duo auf Kurs.

Offen ist zudem ein Williams-Cockpit - Lance Strolls Verbleib gilt als reine Formsache, Felipe Massas zweites Karriereende ist dagegen bestätigt. Empfehlen braucht sich beim Team aus Grove also erstmal niemand mehr für Aufgaben in 2018. Es sei denn, in Abu Dhabi kommt es doch noch zu einem spektakulären Einsatz von Robert Kubica.

Wesentlich wichtiger ist dagegen ein starkes Saisonfinish für Pascal Wehrlein. Der Deutsche muss genau wie Sauber-Kollege Marcus Ericsson jede Chance ergreifen, um auf sich aufmerksam zu machen. Potentiell ist der Weg zu Williams für beide offen, genauso eine Verlängerung bei den Schweizern. Große Gefahr droht allerdings von den Herren Ferrari-Junioren. Charles Leclerc und Antonio Giovinazzi werden sich zumindest über starke Freitagseinsätze empfehlen wollen, noch dazu stehen in Abu Dhabi noch Testfahrten an.

6. Entwicklungsrennen: Formel-1-WM-Kampf 2018 beginnt jetzt

Nach der Saison ist vor der Saison, könnte man einen Fußballspruch auf den Rennsport übertragen. Besonders in der Formel 1 gilt jedoch: Während der Saison ist vor der Saison. Mal früher, mal später konzentrieren sich die Teams bereits mehr auf die Entwicklung für das Folgejahr als die Gegenwart. Besonders gilt das bei konstant bleibenden Reglements und entschiedener WM.

2017 ist gegenwärtig gleich beides der Fall. Entsprechend richtet sich fast überall in der Boxengasse der Fokus bereits klar auf 2018. Für 2017 hat das jedoch eine Relevanz, weil uns somit auf der Strecke womöglich Erstaunliches erwartet. Mercedes etwa spricht von interessanten Konzepten, mehr Risiken und Experimenten in Brasilien und Abu Dhabi - in Sachen Aerodynamik, Strategie, Boxenstopp-Ausrüstung & mehr.

"Innerhalb des Teams sehen wir die kommenden beiden Rennwochenenden als die ersten zwei Grands Prix der Saison 2018 an", sagt Wolff. "Die Weltmeisterschaften sind entschieden, aber der Kampf für 2018 hat bereits begonnen."

Das würden andere Teams jedoch ähnlich handhaben. Etwa Force India. "Mit dem sicheren vierten Platz haben wir die Freiheit, in den übrigen Rennen eine neue Herangehensweise zu wählen, vielleicht ein paar andere Dinge oder Freitagsfahrer auszuprobieren, um zu sehen, was wir für nächstes Jahr lernen können", sagt Teambesitzer Vijay Mallya.

Top-10 Formel-1-Weltmeister: Schumacher, Hamilton, Vettel & Co.: (03:26 Min.)

7. Hamilton, Ocon & Co. auf Rekordjagd

"Lewis ist derzeit am Gipfel seines Könnens angelangt und wird fest entschlossen sein, seinem Vorjahreserfolg einen weiteren Sieg folgen zu lassen", sagt Wolff vor Brasilien. In Sachen Saisonsiege oder Saisonpoles sind dank starker Vettel-Gegenwehr dieses Jahr jedoch keine neuen Rekorde mehr drin. Für Hamilton geht es jedoch noch um einen anderen Rekord: Kommt er in Brasilien auch nur in die Punkte, würde seine aktuelle Serie bei 24 Zielankünften in den Punkten liegen. Damit wäre er auf dem besten Weg Kimi Räikkönens Rekord von 27 zu attackieren.

Geht es allgemein nur um Zielankünfte, so kann auch Esteban Ocon weiter daran arbeiten, einen neuen Rekord aufzustellen. Aktuell sah der Franzose 27 Mal in Folge die Zielflagge. Gelingt ihm das auch in Brasilien ist er in der Alltime-Hitliste bereits Vierter und dem absoluten Rekord von Nick Heidfeld (33) bereits sehr nahe.

8. Das gute Gefühl für den Winter

Zuletzt geht es in Brasilien und Abu Dhabi jedoch wie immer vor allem um eines: Siege. Jeder einzelne Sieg ist etwas besonders, etwas wert. Noch dazu bringt er zum Saisonende Rückenwind und Motivation für die Winterpause. "Wir sind fest entschlossen, diese beiden Rennen zu gewinnen, um den Schwung mit in den Winter zu nehmen. Nur weil die Weltmeisterschaften entschieden sind, werden wir nicht zurückstecken", sagt Wolff. Genauso sieht es Sebastian Vettel. Schon vor Mexiko sagte er: "Ferrari hat es verdient, zu gewinnen."


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