Formel 1

Formel 1: Renault, Haas und Toro Rosso im Dreikampf um Rang 6

In der Konstrukteurs-WM der Formel 1 kämpfen drei Teams um Rang sechs. Renault, Haas oder Toro Rosso - wer hat am Ende die Nase vorne?
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Zwei Rennen vor Schluss hat sich die Situation in der Konstrukteurs-WM manifestiert. Mercedes hat den Titel verteidigt, Ferrari wird vor Red Bull Platz zwei nach Hause bringen. Force India konnte seinen hervorragenden vierten Platz der Vorsaison ebenfalls bestätigen. Dahinter wird sich Williams einreihen. Aber um Platz sechs streiten sich noch drei Teams. Toro Rosso liegt aktuell auf dem begehrten sechsten Rang mit 53 Zählern. Renault (48) und Haas (47) befinden sich jedoch in Lauerstellung. Motorsport-Magazin.com analysiert den Dreikampf.

Toro Rosso: Kostet das Fahrerchaos Rang sechs?

Die Fahrer: Erst ging Daniil Kvyat, Pierre Gasly kam. Dann wechselte Carlos Sainz zu Renault, Kvyat kam zurück, mit Brendon Hartley fand zudem ein komplett neuer Fahrer den Weg in die Formel 1. Nun wurde Kvyat endgültig gefeuert, Gasly ist wieder da. Alles klar? Die Fahreraufstellung beim Juniorteam von Red Bull glich in den letzten Wochen eher einem Basar. Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Für die Abläufe im Team war dieses Theater sicher nicht optimal. Nun beendet Toro Rosso die Saison mit Hartley und Gasly. Beide sind Rookies, beide haben noch keinen Punkt geholt. Hartley bestritt zudem erst zwei Rennen und befindet sich nach langjähriger Formelsport-Auszeit noch mitten in der Lernphase. Gasly war immerhin Testfahrer. Erfahrung kann man das aber nicht nennen. Immerhin gelten beide als hochtalentiert, Hartley ist frischgebackener, nun zweifacher Langstrecken-Weltmeister. Das Potential ist also da.

Die Form: Seit dem Singapur GP, den der damals noch für Toro Rosso aktive Carlos Sainz auf Rang vier beendete, kam in vier Rennen nur noch ein Punkt auf das Konto. Und diesen holte ausgerechnet Daniil Kvyat in Austin. In Mexiko zuletzt litt man unter den in der Höhe anfälligen Renault-Motoren, gleich mehrfach mussten die Power Units getauscht werden. Dennoch schied Hartley nach einem guten Wochenende mit Motorschaden aus. Gasly kam zwar ins Ziel, blieb als 13. aber ohne Punkte.

Der Ausblick: Auf den beiden noch folgenden Strecken verfügen Gasly und Hartley über keine Formel-1-Erfahrung. Hartley fuhr in Brasilien 2014 in der WEC, Gasly kennt Abu Dhabi durch die GP2. In Interlagos sind Vorhersagen aufgrund des Wetters schwierig zu treffen. Die Strecke mit dem langen Vollgasabschnitt kommt Toro Rosso eher nicht entgegen, wenngleich es in der Vergangenheit schon gute Ergebnisse gab.

Diese fehlen in Abu Dhabi jedoch völlig, nur vier Punkte gab es bislang dort. Gefragt ist dort vor allem Motorleistung, mit der Toro Rosso kämpft.

Die Prognose: Toro Rosso verliert Rang sechs in der WM noch an Renault. Die mangelnde Erfahrung der beiden Pioten macht schlussendlich den Unterschied. Nur weitere Zuverlässigkeitsprobleme bei Renault könnten Toro Rosso noch retten.

Toro Rosso liegt noch auf Rang sechs in der WM - Foto: Sutton

Renault: Bestes Auto, beste Fahrer - schlechte Zuverlässigkeit

Die Fahrer: Die Entlassung Jolyon Palmers kam spät, aber vielleicht noch nicht zu spät. Mit Carlos Sainz hat Renault nun endlich einen Fahrer, der Nico Hülkenberg fordert. Davon profitiert schlussendlich das gesamte Team. Die ersten beiden gemeinsamen Rennen zeigten bereits, dass beide auf absoluter Augenhöhe agieren. Von den drei Teams verfügt Renault über die beste Fahrerpaarung.

Die Form: In Mexiko war Renault trotz Motorennachteil mitten im Kampf um die vierte Kraft gegen Force India. Im Rennen lag sogar ein Top-5-Platz in Reichweite für Hülkenberg, bis er seinen Boliden abstellen musste. Bereits in den USA wurde der Deutsche von einem frühen Defekt heimgesucht, der eine mögliche Aufholjagd im Rennen gar nicht erst aufkommen ließ. Im Vorgriff auf die kommende Saison bringt das finanzstarke Werksteam weiterhin Updates, Renault scheint von Rennen zu Rennen konkurrenzfähiger zu werden. Einzig die Zuverlässigkeit ist das große Fragezeichen.

Brasilien ist für mich etwas Besonderes, es gehört zu meinen Lieblingsplätzen im Kalender.
Nico Hülkenberg

Der Ausblick: Sao Paulo ist für Hülkenberg ein besonderer Ort. Dort fuhr er 2010 auf die Pole, es ist bis heute die einzige seiner Formel-1-Laufbahn. In jedem seiner bisher sechs Rennen in Brasilien kam er ins Ziel, immer standen am Ende Punkte. Nie platzierte er sich schlechter als Achter. "Brasilien ist für mich etwas Besonderes, es gehört zu meinen Lieblingsplätzen im Kalender", sagte er daher auch.

Auch in Abu Dhabi kam Hülkenberg in den letzten drei Jahren immer in die Punkte. Sainz feierte vergangenes Jahr im Regen von Brasilien einen starken sechsten Platz, in Abu Dhabi wartet er hingegen noch auf Zählbares. Vor allem das Rennen in Brasilien mit den vielen schnellen Kurven und dem engen Infield sollte dem Renault entgegenkommen. In Abu Dhabi, wo vor allem Motorleistung gefragt ist, wartet wohl ein schwereres Wochenende.

Die Prognose: Renault holt sich WM-Rang sechs - unter zwei Bedingungen. Nummer eins: der schwarz-gelbe Renner hält. Nummer zwei: Der größte Teil des Rückstandes auf Toro Rosso wird bereits in Brasilien weggeknabbert.

Renault machte in den letzten Rennen den stärksten Eindruck - Foto: LAT Images

Haas: Regelmäßig Punkte - und keiner weiß, warum

Die Fahrer: Romain Grosjean die Nummer eins, Kevin Magnussen der Herausforderer - mit dieser Konstellation ging es bei Haas in die Saison 2017. Doch der Däne zeigte im Laufe der Saison, dass er - anders als Esteban Gutierrez im Vorjahr - durchaus in der Lage ist, zu punkten. Besonders in den vergangenen Rennen drehte sich das teaminterne Blatt zu Gunsten Magnussens. So holte er inklusive des Singapur GP acht Punkte aus den letzten fünf Rennen, Grosjean dagegen nur deren vier Zähler.

Die Form: In jedem zweiten Rennen punktet Haas, zuletzt in Mexiko. Dabei ziert man eigentlich regelmäßig die hinteren Plätze im Qualifying, in Mexiko war man sogar das langsamste Team!

So richtig versteht man bei Haas selbst nicht, wie man dort zu Punkten kam. "Wenn uns jemand am Freitag oder Samstag gesagt hätte, dass wir auch nur einen Punkt holen, hätten wir das sofort unterschrieben", sagte Teamchef Günther Steiner. Magnussen holte aber sogar gleich vier Zähler. "Wir haben viel gelernt, auch, wie man Dinge besser nicht macht. Das hilft uns für nächstes Jahr", erklärt Steiner.

Nichts ist unmöglich, alles kann passieren.
Günther Steiner

Die Zielsetzung für die letzten beiden Rennen ist bei Haas klar. Nachdem man bereits im Vorjahr auf Rang acht in der Teamwertung landete, soll es am Ende dieser Saison eine sichtbare Verbesserung geben. "Wir wollen mindestens eine Position gutmachen. Das ist schwierig, weil wir gegen Teams kämpfen, die mindestens so gut, wenn nicht gar besser sind als wir", schätzt Steiner die Lage ein. Doch gerade Mexiko habe ihm gezeigt: "Nichts ist unmöglich, alles kann passieren."

Der Ausblick: Im Debütjahr 2016 kam Haas weder in Brasilien, noch in Abu Dhabi in die Punkte. Man selbst sieht sich vor allem auf Strecken im Hintertreffen, die maximalen Abtrieb verlangen - so wie in Mexiko. Daher dürfte vor allem in Brasilien wieder eine schwere Aufgabe warten. Dort wird viel Abtrieb für die kurvenreichen Passagen benötigt. In Abu Dhabi dagegen könnte Haas von den langen Geraden und den eher langsamen Kurven profitieren. Es könnte also einen Showdown geben.

Die Prognose: Dem Gesetz der Serie nach punktet Haas in der zweiten Saisonhälfte nie in zwei Rennen hintereinander. Für Brasilien sind die Aussichten aber auch ohne die reine Statistik nicht gut. Ein Chaos-Rennen könnte den Amerikanern helfen, doch wahrscheinlich reichen die beiden Rennen in diesem Jahr nicht mehr aus, um Renault oder Toro Rosso noch abzufangen.


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