Formel 1

USA GP 2017, Trainings-Analyse: Ferrari büßt für Vettel-Dreher

Mercedes, Ferrari und Red Bull waren beim Training für den USA GP 2017 eng beieinander. Sebastian Vettels Abflug warf die Scuderia jedoch zurück.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Mit zwei Bestzeiten am Trainingsfreitag für den USA GP 2017 in Austin war Mercedes-Pilot Lewis Hamilton weiter klar auf WM-Kurs. Rivale Sebastian Vettel erlebte in seiner Ferrari-Garage hingegen einen durchwachsenen Tag. Der viermalige Weltmeister kam im 2. Freien Training nur auf elf Runden. Durch seinen Abflug musste Ferrari obendrein auf einen Longrun auf Pirellis Soft-Reifen verzichten. Während die Standortbestimmung für Ferrari am Freitag schwer fiel, verspricht Austin wieder einen engen Kampf zwischen Mercedes und Red Bull.

Während Kimi Räikkönen mit einem Satz der Soft-Mischung und fünf Sätzen Supersoft an den Circuit of The Americas reiste, hatte die Scuderia Vettel mit seinem Satz mehr von Pirellis härtestem Pneu ausgestattet. Gemäß dem Prinzip der Arbeitsteilung hätte Vettel am Nachmittag wohl Ferraris Longrun auf dem Reifen absolvieren sollen. In Folge seines Ausrutschers in Kurve 19 war der Satz danach jedoch nicht mehr zu gebrauchen.

"Da habe mich vielleicht ein bisschen übernommen. Ich hatte ein gutes Gefühl, aber bin vielleicht zu früh in der Session zu viel Risiko eingegangen. Ich habe das Heck eingangs von Kurve 19 verloren. Da war es den ganzen Tag ziemlich rutschig. Aber es war mein Fehler. Dann war der Satz Reifen leider futsch", gab Vettel ohne Umschweife zu. Da er nach dem Dreher ohnehin zu keiner produktiven Fahrzeit mehr kam, liegt die Hoffnung bei Ferrari auf den Erkenntnissen des Teamkollegen.

"Kimi ist mehr gefahren, also sollten wir ausreichend Informationen haben", fügt Vettel an. Die Longruns auf der Soft-Mischung beschränkten sich letztendlich auf zwei Piloten. Lediglich Lewis Hamilton und Max Verstappen waren unterwegs. Die Rundenzeiten konnten sich dabei durchaus sehen lassen, wie der Vergleich mit Ultra- und Supersoft zeigt. Tatsächlich waren die Beiden sogar schneller unterwegs als auf den weicheren Mischungen.

Hamilton vs. Vettel: Psychospiele vor dem US Grand Prix: (00:49 Min.)

Hamilton lag im Durchschnitt bei einer Rundenzeit von 1:40.143 Minuten. Verstappen verlor lediglich 0,091 Sekunden. Wie schon in den letzten beiden Rennen scheint Red Bull bei der Rennpace in Austin auf Augenhöhe mit den Silberpfeilen zu spielen. "Es gibt viele Bereiche, in denen wir uns verbessern können. Aber insgesamt fühlt es sich wie eine solide Basis an. Das war ein ordentlicher Start ins Wochenende", resümiert Hamilton.

Laut Pirelli soll das Zeit-Delta zwischen Soft und Ultrasoft eigentlich deutlich höher liegen. "Zwischen Supersoft und Ultrasoft sind es etwa neun Zehntel", so Pirelli-Manager Mario Isola. "Einen klaren Vergleich zwischen Soft und Supersoft haben wir zwar nicht, aber das Delta sollte bei etwa 0,7 Sekunden liegen", fügt er an. Dass Hamilton und Verstappen trotzdem schneller waren, könnte daran liegen, dass beide Fahrer ihre Longruns zum Ende des 2. Freien Trainings fuhren.

Die Tanks dürften zu diesem Zeitpunkt leergefahren worden sein, um das Szenario zu simulieren, den Soft im Rennen zu seinem späten Zeitpunkt einzusetzen. Sollten die Temperaturen am Rennsonntag jedoch niedrig ausfallen, könnte sich auf dem Soft-Reifen ein anderes Problem bemerkbar machen. "Auf Ultra- und Supersoft hatten wir keine Probleme mit dem Aufwärmverhalten. Beim Soft war es etwas schwieriger", erklärt Isola.

USA GP 2017: Longrun-Zeiten auf Soft-Reifen

Fahrer Durchschnittliche Rundenzeit Abstand Reifenalter Session
Lewis Hamilton 1:40,143 Minuten 13 Runden FP2
Max Verstappen 1:40,234 Minuten + 0,091 Sekunden 15 Runden FP2

Ferrari auf Supersoft abgeschlagen

Auf dem Supersoft-Reifen lagen Red Bull und Mercedes erneut dicht beisammen. Daniel Ricciardo markierte mit 1:40.463 Minuten den schnellsten Mittelwert und war damit etwa drei Zehntel langsamer als Hamilton auf dem Soft. Der Australier betonte angesichts wechselhafter Bedingungen, dass die Asphaltoberfläche nicht im allerbesten Zustand war. "Es war nicht so leicht, der Grip-Level auf dem Kurs war echt niedrig." Der Regen am Vormittag sorgte dafür, dass die Autos auch am Nachmittag noch viel rutschten.

"Der Kurs ist jetzt stabiler als früher, aber wenn es regnet ändert das den Streckenzustand völlig", erklärt Isola. "Der Asphalt ist aggressiver als letztes Jahr. Wir haben ihn gemessen und eine normale Alterung festgestellt. Die Makro-Rauheit ist höher und die Mikro-Rauheit geringer." Hinter Ricciardo verlor Bottas anderthalb Zehntel auf der Supersoft-Mischung. Der Finne war dabei auf 21 Runden alten Reifen unterwegs.

"Im zweiten Training konnten wir viel fahren, sowohl kurze als auch längere Runs. Schlussendlich haben wir so heute alles bekommen, was wir gebraucht haben", zeigt er sich mit den Erkenntnissen zufrieden. Hinter ihm landete Max Verstappen, der seinen Longrun auf Supersoft schon im FP1 absolvierte. Mit drei Zehnteln bewegte sich sein Rückstand auf Teamkollege Ricciardo in einem überschaubaren Rahmen.

Weit abgeschlagen war indessen Räikkönen, der den Supersoft-Longrun für Ferrari absolvierte. Ihm fehlte beinahe genau eine Sekunde auf Ricciardos Wert. Vettel gibt sich trotz des Abstands vom Stallgefährten unbesorgt. "Der Abstand nach vorne ist jetzt groß, aber da mache ich mir keinen Kopf. Das Auto ist schnell und ich habe keine Sorgen."

USA GP 2017: Longrun-Zeiten auf Supersoft-Reifen

Fahrer Durchschnittliche Rundenzeit Abstand Reifenalter Session
Daniel Ricciardo 1:40,463 Minuten 12 Runden FP2
Valtteri Bottas 1:40,624 Minuten + 0,161 Sekunden 21 Runden FP2
Max Verstappen 1:40,775 Minuten + 0,312 Sekunden 13 Runden FP1
Kimi Räikkönen 1:41,462 Minuten + 0,999 Sekunden 14 Runden FP2

Mercedes und Red Bull auf dem Ultrasoft eng zusammen

Pirellis Ultrasoft-Mischung, die in Austin bekanntlich aus caritativen Zwecken in Rosa statt Violett markiert ist, erfreute sich wie so oft hoher Beliebtheit - schließlich wird das höchstwahrscheinlich der Reifen sein, mit dem die Top-Teams ins Rennen starten. Auch hier war Ricciardo auf den Longruns der schnellste Mann. Im Durchschnitt lag seine Rundenzeit bei 1:40.524 Minuten. Anders als bei den anderen beiden Mischungen lagen die Zeiten hier aber richtig eng beieinander.

"Es ist recht anstrengend für die Reifen, da sie richtig heiß werden", so der 28-Jährige. "Du spürst, dass du um den notwendigen Grip kämpfst." In der Vergangenheit war die Formel 1 noch nicht mit Pirellis weichster Mischung auf dem CoTA unterwegs. "Wir sind das erste Mal mit dem Ultrasoft hier. In manchen Fällen gab es mit vollen Tanks beim Ultrasoft Abbau. Es gab auch wenige Fälle von Blasenbildung", erklärt Isola.

Auf den beiden härteren Mischung war davon nichts zu sehen, wie der Italiener anfügt. "Auf Supersoft und Soft haben wir keine Blasen gesehen. Der Reifenabrieb war dort ebenfalls geringer." Innerhalb von etwas mehr als anderthalb Zehnteln folgten auf Ricciardo WM-Leader Hamilton, Red-Bull-Teamkollege Verstappen sowie der zweite Silberpfeil von Bottas. Mit 0,358 Sekunden war Räikkönen im Ferrari auf dem Ultrasoft das Schlusslicht.

Angesichts der Pace des RB13 wittert Ricciardo für die Bullen wieder einmal Morgenluft. "Ich denke, wir können unter den Top-3 sein. Das ist das Ziel und das ist auch realistisch", rechnet sich der fünfmalige Grand-Prix-Sieger gute Chancen für das 17. Saisonrennen aus.

USA GP 2017: Longrun-Zeiten auf Ultrasoft-Reifen

Fahrer Durchschnittliche Rundenzeit Abstand Reifenalter Session
Daniel Ricciardo 1:40,524 Minuten 12 Runden FP2
Lewis Hamilton 1:40,551 Minuten + 0,027 Sekunden 13 Runden FP2
Max Verstappen 1:40,582 Minuten + 0,058 Sekunden 15 Runden FP2
Valtteri Bottas 1:40,689 Minuten + 0,165 Sekunden 18 Runden FP2
Kimi Räikkönen 1:40,882 Minuten + 0,358 Sekunden 15 Runden FP2

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